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So funktioniert Kontaktsport auf Abstand

Boxer, Judoka und Ringer kämpfen wieder. Vom alten Training und Wettbewerb bleiben sie noch weit entfernt.

Erwartungsvoll skeptisch: Junge Judoka aus Bautzen warten auf ihren Trainingseinsatz. Sie üben erst seit diesem Monat wieder in der Turnhalle Niedergurig.
Erwartungsvoll skeptisch: Junge Judoka aus Bautzen warten auf ihren Trainingseinsatz. Sie üben erst seit diesem Monat wieder in der Turnhalle Niedergurig. © Jürgen Lösel

Dresden. Judo mit 1,5 Meter Abstand – wie soll das gehen? Das fragt sich nicht nur Martin Schmidt. Doch er muss als Vorsitzender des PSC Bautzen immer wieder neue Antworten finden. „Mit Abstand können wir natürlich nicht kämpfen. Wir sind nun mal eine Kontaktsportart“, sagt er. Als Orientierung in diesen Corona-Zeiten mit immer wieder neuen Regeln helfen die Vorgaben des Deutschen Judo-Bundes. Feste Partner zum Beispiel sind darin festgelegt. Damit lassen sich Kontakte klar zuordnen. Das bedeutet aber auch: Kommt der eine nicht, darf der andere nur allein trainieren.

Bis vergangene Woche übten die Bautzener nach dem von der Gemeinde Malschwitz bestätigten Hygienekonzept draußen – inklusive Anwesenheitslisten, Desinfektionspläne, Einverständniserklärungen und Arbeitsanleitungen für Trainer. Sie nutzten dafür den Sportplatz in Niedergurig. „Da hatten wir massig viel Platz“, sagt Schmidt. In Gruppen mit bis zu fünf Personen ließen sich problemlos Athletik, Beweglichkeit, Kondition, Koordination und Technik üben – jeder auf einer Matte, die er anschließend desinfizierte.

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Inzwischen trainieren die Bautzener wieder in der Halle, „weil wir das von anderen mitbekommen haben“, sagt Schmidt. Dennoch bleiben Einschränkungen. Die Judoka kommen und gehen in Sportkleidung. Duschen und Umkleiden sind vorerst weiter geschlossen. Der Verein will kein Risiko eingehen und hat mit den bestehenden Vorgaben ohnehin genug zu tun. „Wir müssen jedes Mal alle Matten putzen. Das sind 200 Quadratmeter. Es ist logistisch und zeitlich kaum auf die Reihe zu bekommen“, sagt Schmidt.

Alles im Blick und im Griff: Judo-Trainer Martin Schmidt aus Bautzen beobachtet einen Jungen aus der U-11-Gruppe beim Üben mit einer Puppe.
Alles im Blick und im Griff: Judo-Trainer Martin Schmidt aus Bautzen beobachtet einen Jungen aus der U-11-Gruppe beim Üben mit einer Puppe. © Jürgen Lösel

Er vermisst den Wettbewerb – als Judoka und Kampfrichter. „Ich habe das jahrelang gemacht. Natürlich will man sich endlich mal wieder auf der Matte messen.“ Schmidt kann sich das auch draußen vorstellen. Es hängt vom Wetter ab, darf weder zu kalt noch zu heiß sein und nicht regnen. „Ich kenne das vom Alpenrangeln in Österreich. Wir müssen kreativ bleiben.“

Um seinen Klub sorgt er sich nicht. „Wir sind leistungsstark, haben Mitgliederzuwachs und Leute ohne Ende“, erzählt Schmidt. Mit 20 lizenzierten Übungsleitern kann der Verein auch im Sommer durchgängig Training anbieten.

Duschen und Umkleiden bleiben zu

Ganz andere Probleme haben die Ringer in Weißwasser. „Wir dürfen als Mieter die Duschen und Umkleiden in der Halle nicht nutzen“, sagt Stefan Lill. Der stellvertretende Abteilungsleiter des SV Grün-Weiß bezeichnet das als ungerecht im Vergleich zu Schwimmern in ihren Hallen, die die Kabinen nutzen können. Den Ringern erlaubt das die Stadt nicht.

Dabei treibt der Verein einen hohen Aufwand, um Trainingsbetrieb im Kontaktsport wieder zu ermöglichen. Sein Hygienekonzept enthält wie bei den Judokas in Bautzen alles, was derzeit notwendig ist. Auch der Partnerwechsel wird weitestgehend vermieden. „Wenn am Montag alle fünf Ringer einer Gruppe da sind, doch am Donnerstag zwei nicht können, übe ich mit dem Trio“, sagt Lill, der zugleich Trainer ist. Auch in Weißwasser hat man sich mit den Corona-Regeln arrangiert, wobei Lill aus sportpraktischer Sicht feststellt, dass feste Trainingspartner nicht der Realität entsprechen. „In einer 15er-Gruppe muss der Kleinste den Größten werfen können“, betont er.

Dennoch ist Lill froh, dass es überhaupt wieder losgeht. „Einige unserer Sportler hatten sich schon vor dem Computer und auf dem Sofa eingerichtet. Man musste sie ansprechen, dass sie trainieren dürfen“, sagt er – und lässt die Sommerpause wie immer ausfallen: „Wir bieten das ganze Jahr Training an und fahren den Betrieb in den Ferien auf zwei bis drei Einheiten pro Woche runter.“

Auch die Boxer trainieren wieder, manche in der Halle, andere wie die Zweikämpfer in Zittau noch immer im Freien. „Die 1,5 bis zwei Meter Abstand stehen außerhalb des Seilgevierts über allem“, sagt Stefan Brussig, Cheftrainer beim BC Dreiländereck, der als Abteilung zu Turbine Zittau gehört. Er vertritt die Region Ostsachsen außerdem im Landesverband, und Brussig betont, dass sich alle an die Regeln halten. Im Boxen gehört beispielsweise Handschuhe desinfizieren dazu.

An Wettkämpfe, wie sie bei den Profis jetzt so langsam wieder beginnen, denkt Brussig nicht, weder unter freiem Himmel noch in der Halle – geschweige denn vor Publikum. Der deutsche Amateurverband hofft, ab September einige Wettkämpfe nachholen zu können. Der sächsische hatte seine Meisterschaft in Bautzen von März auf November verlegt.

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