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Dresden: So geht es an den Lahmann-Bauten weiter

Im Ärztehaus wohnen und praktizieren bereits Mieter. Wo sogar Fledermäuse erlaubt sind und welches Schmuckstück fast fertig ist. Ein Blick ins Innere.

Ein hohler Vogel ist derzeit der einstige Speisesaal mit der bemalten Kassettendecke. Architekt Jörg Zimmermann wartet nun darauf, dass die vordere Fassade, die sich nach vorn geneigt hatte, wieder gerade gezogen wird.
Ein hohler Vogel ist derzeit der einstige Speisesaal mit der bemalten Kassettendecke. Architekt Jörg Zimmermann wartet nun darauf, dass die vordere Fassade, die sich nach vorn geneigt hatte, wieder gerade gezogen wird. © SZ/Kay Haufe

Dresden. Während am einstigen Ärztehaus des Lahmann-Sanatoriums an der Bautzner Landstraße in Dresden schon fast alles fertig ist, scheint am ehemaligen Speisesaal und dem Wirtschaftsgebäude noch nicht viel passiert zu sein. Doch der Eindruck trügt. 

Das ist der neueste Stand der Arbeiten an den drei letzten historischen Gebäuden des Lahmann-Areals, die noch zu sanieren waren.

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Wand im Speisesaal wird nach hinten gezogen

Es war eine spektakuläre Aktion im Februar 2019, mit der die breite Südwand des einstigen Speisesaales abgestützt wurde, nachdem sie sich weitere Zentimeter nach vorn geneigt hatte. Das Holzgerüst, mit dem das Technische Hilfswerk die Fassade gesichert hat, steht bis heute. Doch dahinter hat sich einiges getan, was Passanten weitgehend verborgen geblieben ist. So wurden die Fundamente um mehrere Meter in den Boden verlängert, um das Gebäude abzustützen, wenn die Tiefgarage gebaut wird.  Auf ihr wird später auch wieder der Sommerpavillon errichtet.

"Vor allem haben wir im Gebäudeinnern alles dafür vorbereitet, dass die Wand wieder gerade gezogen werden kann", sagt Architekt Jörg Zimmermann. In drei Wochen soll das mithilfe eines Stahlkorsetts passieren. Dafür wurde die Last vom Dach genommen und auf sieben Stützen im Innern verteilt. Um die wertvolle Holzkassettendecke zu schützen,  wurde ein wasserdichtes Unterdach eingebaut, das seine Regenprobe schon bestanden hat. Später, wenn die Wand wieder gerade ist und mit einem Ringanker aus Stahlbeton gesichert ist, wird der neue Dachstuhl aufgesetzt. Die Hälfte der neuen Betondecke ist bereits gegossen.

Ein Jahr haben die Bauherren durch die aufwendige Fassadensicherung verloren. Jetzt geht Architekt Jörg Zimmermann davon aus, dass Mitte 2022 inklusive der Außenanlagen, die ein Gartendenkmal sind, alles fertig sein wird. Im ehemaligen Speisesaal sollen 14 Maisonettewohnungen über zwei Ebenen in der Größe von 45 bis 140 Quadratmetern entstehen. Sie werden vermietet. Die Kassettendecke soll nach Fertigstellung für alle Mieter von den öffentlichen Bereichen sowie über Oberlichter in den Wohnungen sichtbar sein.

Über die Farbgebung der Fassade habe man sich noch nicht mit dem Denkmalschutz verständigt, sagt Zimmermann. Die Bauherren wünschen sich eine helle Farbe, weil das viele Grün ringsum das Gebäude schon dunkler wirken lasse. Doch bevor man diese Frage geklärt hat, sind noch mehrere Pausen an der Baustelle einzulegen. Denn Fledermäuse verschiedener Arten haben ihr Winterquartier in den Gängen unter dem Gebäude und seiner Nachbarn. "Während ihrer Winterruhe dürfen wir keinen Krach machen, das gilt auch für die Brutzeit von Blaumeisen und Eichelhähern, die bei uns ansässig sind", sagt Zimmermann.   

Aus Wirtschaftsgebäude wird Wohnhaus mit Neubau

Was von außen noch recht unbearbeitet wirkt, hat im Innern völlig neue Strukturen bekommen. Im früheren Wirtschaftsgebäude, das 1913/14 nach Plänen der Reform-Architekten Rudolf Schilling und Julius Graebner gebaut wurde, sind neue Decken und Wände eingezogen, arbeiten die Zimmerleute gerade am Dachstuhl, der ausgebessert werden muss. "Wir möchten viel erhalten und das gelingt uns durch den guten Zustand der alten Dachkonstruktion recht gut", sagt Architekt Gunter Hildebrandt. 

Da, wo sich früher die Maschinenhalle und die Waschküche befanden, sollen 17 Wohnungen entstehen inklusive Aufzügen in den zwei Treppenhäusern. Auch darin wird das alte Geländer, das aufgearbeitet wird, gut zur Wirkung kommen. Ein Dachbereich sowie ein Türmchen wird den Fledermäusen vorbehalten sein, die wie nebenan auch im Wirtschaftsgebäude Unterschlupf gefunden haben. 

Das frühere Wirtschaftsgebäude an der Bautzner Landstraße soll bis 2021 fertig werden und um einen dahinterliegenden Neubau ergänzt werden.
Das frühere Wirtschaftsgebäude an der Bautzner Landstraße soll bis 2021 fertig werden und um einen dahinterliegenden Neubau ergänzt werden. © Visualisierung: Hildebrandt Architekten

Bereits in wenigen Tagen soll auch Baubeginn für einen Neubau mit sechs Wohnungen hinter dem Wirtschaftsgebäude sein. Er soll die große Mauer verdecken, die die dahinterliegende Bebauung abstützt. Gemeinsam mit dem Altbau soll er Mitte 2021 fertig werden, sagt Hildebrandt.

Zwei Turmhauben für das Ärztehaus

In zwei Wochen soll es soweit sein. Dann kommen die beiden Hauben für das Ärztehaus, die rechts und links im Dachgeschoss aufgesetzt werden. Die Holzformen werden gerade mit Zinkblech verkleidet, sagt Architekt Gunter Hildebrandt, der die Sanierung des Ärztehauses leitet. Eventuell muss dafür die Bautzner Landstraße stundenweise gesperrt werden, damit der große Kran ausreichend Stellfläche hat. Vielleicht klappt es aber auch, die Türmchen von der Hofseite aufs Dach zu heben. 

In wenigen Tagen sollen die beiden Turmhauben auf das frühere Ärztehaus aufgesetzt werden.
In wenigen Tagen sollen die beiden Turmhauben auf das frühere Ärztehaus aufgesetzt werden. © SZ/Kay Haufe

Im Innern des Gebäudes läuft der Endspurt der Sanierung. Bereits im Januar haben die  ersten Ärzte ihre Praxen eröffnet, inzwischen sind auch drei Wohnungen vermietet und weitere Praxen, darunter die von Physiotherapeuten, Ärzten und Logopäden.

Dass Corona auch den Bau behindert, habe man vor allen daran gemerkt, dass sich die Materiallieferungen verzögert haben. "Gerade sind keine Armaturen verfügbar", sagt Hildebrandt. Ansonsten sei die Arbeit zu 80 Prozent wie geplant weitergegangen. Doch Handwerker zu bekommen, sei angesichts der guten Auftragslage weiterhin schwierig. 

Am denkmalgeschützten Gebäude sei auch einiges an Mehrkosten zu den geplanten Investitionssummen hinzugekommen, sagt der Architekt. So musste neu abgestützt werden, weil die vorhandenen Stahlsäulen doch nicht alles tragen konnten. Einige von ihnen aus dem Anbau sind jetzt im Außenbereich aufgestellt und sollen mit Verbinderteilen eine Pergola zu den Parkgaragen bilden.  

Viele historische Details sind liebevoll aufgearbeitet und verweisen auf die Geschichte des Hauses, wie der Aufzug mit Stahl-Glas-Umrahmung oder Bodenplatten aus  Sandsteinen, die in anderen Bereichen abgebrochen und im Treppenhaus aufgearbeitet und neu verlegt wurden. Eine freigelegte Stelle im Putz verdeutlicht, dass die Treppe im Original eigentlich mal andersherum verlief. "Wir nehmen das , was da ist, um zu zeigen, was hier mal war", sagt Hildebrandt.

Im früheren Originalzustand verlief die Treppe im Ärztehaus anders herum, was unter der freigelassenen Putzschicht sichtbar wird.
Im früheren Originalzustand verlief die Treppe im Ärztehaus anders herum, was unter der freigelassenen Putzschicht sichtbar wird. © SZ/Kay Haufe

Ein besonderes Schmuckstück im Ärztehaus ist der frühere Lesesaal. Ein komplett verglaster Anbau zwischen den Wohn- und Praxisgebäuden, in dem die frühere Bemalung teilweise sichtbar ist. Derzeit gebe es Gespräche mit einem Friseur, der ihn mieten will, sagt Hildebrandt. Was für ihn die perfekte Nutzung wäre. "Denn dann könnten ihn auch viele Dresdner erleben und er wäre nicht nur einigen wenigen zugänglich." 

Doch bevor es soweit ist, müssen erst sämtliche Glaselemente montiert sein. Ein schwieriges Unterfangen, denn die gebogenen Teile sind schwer herstellbar. Anderthalb Jahre wurde nach einem geeigneten Lieferanten gesucht. Hildebrandt hofft, dass es nun bald vorwärtsgeht. 

Der einstige Lesesaal ist kurz vor der Fertigstellung. Die gebogenen Glaselemente sind schwer herstellbar.
Der einstige Lesesaal ist kurz vor der Fertigstellung. Die gebogenen Glaselemente sind schwer herstellbar. © SZ/Kay Haufe

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Die Idee mit dem Ärztehaus sei weitestgehend aufgegangen, demnächst ziehe auch noch ein Hörgeräteanbieter im Erdgeschoss ein. Im September, so hofft Hildebrandt, könnten alle Arbeiten angeschlossen sein. Die Öffnungen für die Fledermäuse und Vögel sind lange fertig. 

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