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"Aufgeben ist keine Alternative"

Viele Betriebe haben Umsatz eingebüßt, einige stehen sogar ohne Aufträge da. So meistern die Handwerker im Landkreis Bautzen die Corona-Krise.

Auch der Bautzener Fleischermeister Thomas Keller bekam die Folgen von Corona zu spüren. Zwar lief der Verkauf in den Geschäften weiter, aber plötzlich wurde kein Partyservice mehr gebraucht. Außerdem fielen Hotels und Gastronomie als Großkunden weg.
Auch der Bautzener Fleischermeister Thomas Keller bekam die Folgen von Corona zu spüren. Zwar lief der Verkauf in den Geschäften weiter, aber plötzlich wurde kein Partyservice mehr gebraucht. Außerdem fielen Hotels und Gastronomie als Großkunden weg. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. An diesem Freitag gibt es Chili con Carne als Tagesgericht. Wie jeden Tag gehen auch davon wieder einige Portionen über die Theke in der Filiale der Fleischerei Keller in Rodewitz/Spree. Die meisten Kunden nehmen das Essen in der Assiette mit. Mittlerweile können sie auch wieder in der Filiale speisen, doch das tun die wenigsten.  Wochenlang mussten die Tische frei bleiben wegen Corona.  "Das muss jetzt erst wieder anlaufen", weiß Fleischermeister Thomas Keller in Bautzen, wo er sein Hauptgeschäft betreibt.

In den beiden Geschäften ging der Verkauf auch während der Corona-Hochphase ohne Pause weiter. "Als Fleischer sind wir systemrelevant, wir mussten nicht schließen wie andere Läden", sagt der 61-Jährige. Und doch hat die Pandemie seinen kleinen Handwerksbetrieb kalt getroffen. Sonst liefert die Fleischerei Keller viel Partyservice aus, verköstigt Genießer bei Firmenfeiern und privaten Festen. Ebenso bekommen Hotels und Gaststätten ihre Ware von Kellers.

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"Mit all dem war von einem Tag auf den anderen Schluss", schaut Thomas Keller zurück. "Das war alles platt." In Rodewitz kam noch dazu, dass ein benachbarter Billigmarkt wegen Corona schließen musste. Da blieb viel Laufkundschaft weg. "Zum Glück hielten uns die Stammkunden die ganze Zeit die Treue , so dass ich niemanden in Kurzarbeit schicken musste", sagt Thomas Keller. In der Fleischerei arbeitet er mit einem Kollegen, in den Geschäften in Bautzen und Rodewitz stehen insgesamt fünf Verkäuferinnen.

Mehr Menschen essen zu Hause

So wie dem Unternehmen von Thomas Keller ging es allen Betrieben des Fleischer- und Bäckerhandwerks, berichtet Sabine Gotscha-Schock. Als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft weiß sie, wie es bei den verschiedenen Innungen aussieht. Fleischer und Bäcker haben an ihren Tresen weiter gut verkauft, teilweise sogar etwas mehr als sonst.

Das hatte vor allem zwei Gründe: Viele, die sonst in Betrieben und Büros aßen, arbeiteten auf einmal im Homeoffice und nahmen ihre Mahlzeiten zu Hause ein. Kinder aßen am heimischen Tisch statt in der Schule. Dazu kam, dass geplante Urlaubsreisen ausfielen - da wollten sich die Leute wenigstens zu Hause etwas Gutes gönnen.

Die Tische in Cafés, Bäckereien und Fleischereien aber mussten wochenlang frei bleiben. Partyservice und Lieferungen an die Gastronomie blieben aus. "Diese Einnahmen fehlen den Betrieben natürlich", weiß Sabine Gotscha-Schock. "Und das lässt sich auch nicht nachholen."

Messebau seit Monaten ohne Aufträge

Manche Gewerke wie Bäcker und Fleischer müssen Einbußen hinnehmen, kommen aber halbwegs durch die Krise. Andere  nicht. "Wir haben ganz unterschiedliche Gewerke, und sie hat es unterschiedlich getroffen", sagt Sabine Gotscha-Schock. Jeder der rund 4.400 Handwerksbetriebe im Landkreis Bautzen habe seine eigenen Erfahrungen gemacht.

Am schlimmsten trifft es Firmen im Ausstellungs- und Messebau. Weil seit Monaten keine Messen und ähnliche Veranstaltungen stattfinden, stehen sie seit März fast ohne Aufträge da - wie Dirk Wemme in Bischofswerda. Seine zwei Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit null schicken und weiß noch nicht, wann er sie in den Betrieb zurückrufen kann. Aber eins steht für ihn fest: "Wir lassen uns nicht unterkriegen. Aufgeben ist keine Alternative."

Friseure konnten nach einer mehrwöchigen Pause wieder starten. Dagegen ging es für Dachdecker, das Baugewerbe und Elektrotechniker nahezu ohne Pause weiter. "Wir haben bisher keinen Einbruch gespürt", sagt der Bautzener Elektroinstallateurmeister Frank Scholze. Allerdings ginge im Moment alles etwas langsamer, weil auf Baustellen immer alle Anwesenden notiert werden müssten - für eine mögliche Nachverfolgung von Infektionen. "Das kostet natürlich etwas Zeit", erklärt Scholze nicht nur für seinen Elektrobetrieb, sondern für alle technischen Gewerke.

Großbetrieb verschiebt Renovierung

Als Kreishandwerksmeister hat Frank Scholze den Überblick. Und kennt auch einige Beispiele, dass Firmen schon geplante Aufträge plötzlich nicht abarbeiten konnten. Ein großer Autozulieferer im Raum Kamenz zum Beispiel hatte Maler bestellt. Doch dann schloss der Großbetrieb wegen Corona und sagte den Malern ab. Jetzt hat das Unternehmen aus der Automobilbranche erst einmal zu tun, selbst wieder in Gang zu kommen - die Renovierungsarbeiten wurden aufgeschoben - aber immerhin nicht aufgehoben.

Denn wahrscheinlich werden die Handwerker solche jetzt liegen gebliebenen Aufträge bald dringend brauchen. "Bis jetzt halten sich für die Baugewerke die Corona-Folgen in Grenzen. "Aber", fügt Frank Scholze hinzu, "viele Handwerker, die mit dem Bau zu tun haben, fürchten, dass das dicke Ende noch kommt." Dann nämlich, wenn öffentlichen Auftraggebern wie Stadt- und Gemeindeverwaltungen das Geld ausgeht. 

Wegen Corona gibt es in diesem Jahr weniger Steuereinnahmen, diese Finanzen fehlen 2021 und vielleicht noch in den Jahren danach. "Wir wissen, dass es weniger wird. Viele Betriebe werden dann versuchen, andere Auftraggeber zu finden - das wird schwierig", ahnt Scholze.

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