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So geht es dem Meißner Gewerbe

Seit Wochen sind immer mehr Menschen in der Innenstadt. Doch profitieren auch die Geschäfte davon?

Henner Ruscher vom Elbtalbummler freut sich darüber, dass wieder mehr Menschen in der Stadt sind.
Henner Ruscher vom Elbtalbummler freut sich darüber, dass wieder mehr Menschen in der Stadt sind. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wer dieser Tage durch die Innenstadt schlendert, der hat es sicherlich schon bemerkt: Immer mehr Menschen befüllen die Meißner Gassen. Gerade jetzt im Sommer kommen trotz Corona viele deutsche Touristen. 

Ein Grund ist sicherlich das Stadtmarketing, das mit verschiedenen Aktionen Menschen angelockt hat. Aber auch die Inhaber der Geschäfte arbeiten mit Herzblut daran, sich über Wasser zu halten. So wie Henner Ruscher, Geschäftsführer von Sport Ruscher in der Marktgasse. Nach dem Lockdown hat er sogar ein zweites Geschäft direkt daneben geöffnet: den Elbtalbummler.

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„Tatsächlich ist mein Umsatz nicht schlechter als sonst“, sagt Henner Ruscher sichtlich zufrieden. Er sei gut aufgestellt, meint er. Sein Hauptgeschäft befindet sich in Großenhain, nach drei Jahren in Meißen kam am 20. April der Elbtalbummler hinzu. 

Dort gibt es hauptsächlich sogenannte Outdoor-Ausrüstung, also zum Beispiel spezielle Wanderschuhe. Dass er keine Umsatzeinbußen verzeichnet, verwundert zunächst. Eventuell profitiert er davon, dass die Menschen wegen Corona mehr im Freien unternehmen.

Eigentlich wollte er das zweite Geschäft im März eröffnen, doch der landesweite Lockdown verhinderte dies. „Wir hatten einiges an Werbung geschalten, wie Flyer zum Beispiel. Das Geld ging uns natürlich verloren“, erzählt der Inhaber des Outdoor-Ladens.

 Zudem lebt er vor allem von der Laufkundschaft, die an seinem Laden vorbeigeht. Zwischen März und April war dieser Verlust bitter. Doch jetzt sind viele Touristen in der Stadt, die bei ihm einkaufen.

Viele Touristen bleiben auch über Nacht

„Es gibt zwar noch keine aktuellen Übernachtungszahlen, aber trotzdem würde ich sagen: Momentan sind unsere Übernachtungsmöglichkeiten zu 80 bis 90 Prozent ausgebucht“, sagt Christian Friedel, Chef des Amtes für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur.

 Für ihn liegt es deshalb nahe: Immer mehr Touristen kommen auch dank des massiven Marketings der Stadt. Wie zum Beispiel die deutschlandweiten Großplakate, die für Meißen werben: unter dem Motto „Romantik pur, zum Greifen nah“. 

So haben Menschen zum Beispiel aus Nürnberg ihn schon darauf angesprochen. Die Plakate erfüllen also ihren Zweck, in anderen Bundesländern für Meißen zu werben. Viele Menschen aus Bayern, Thüringen, Brandenburg fahren nach Meißen.

Besonders zahlungskräftiges Publikum sei vermehrt in der Innenstadt unterwegs und kurbele die Meißner Wirtschaft an. Von Mitte Mai bis Ende Juli gab es 110 öffentliche Stadtführungen mit insgesamt 1.261 Teilnehmern, so Christian Friedel. „Der Trend ist dieses Jahr: Urlaub in Deutschland, und davon profitieren wir“, so Christian Friedel.

 Er hoffe, dass die Touristen wiederkommen. Oder dass sie es zumindest ihren Freunden und Bekannten weitererzählen, dass man in Meißen einen schönen Urlaub verbringen kann. Der Einzelhandel kann dadurch vielleicht die vergangenen Verluste etwas kompensieren. 

 Damit noch mehr Touristen nach Meißen kommen, plant das Tourismus-Amt, einen Imagefilm zur Stadt zu drehen. „Wenn alles gut läuft, können wir ihn Ende 2021 präsentieren.“

Marc Anton, Geschäftsführer des Meißner Dorint Parkhotels, bestätigt den Optimismus des Stadtmarketing-Chefs. Er sei mit den ersten Wochen nach dem Lockdown sehr zufrieden und gleichzeitig überrascht, dass die Zahl der Freizeittouristen enorm zugenommen hat.

 „Wir konnten im Juli unser Vor-Corona-Budget übertreffen“, so der Geschäftsführer. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Tagungen und Veranstaltungen ausfallen. „Die machen etwa 50 Prozent unseres Umsatzes aus.“

Trotz der positiven Zahlen sei es herausfordernd gewesen, sich von null Touristen auf eine Vollauslastung einzustellen – und zwar „mit Auflagen, die der Freistaat Sachsen fordert, aber auch mit dem noch schärferen Hygienekonzept der Dorint Hotels & Resorts“. 

Marc Anton ist dankbar, dass seine Mitarbeiter sowie Kollegen in der Zentrale das bisher so gut hinbekommen haben. Das liege zudem daran, dass Dorint schon Anfang März einen ausgearbeiteten Pandemieplan vorweisen konnte.

Erst im November werden Corona-Folgen sichtbar

Dem Goldschmiedemeister Günter Gwarys ist ebenso aufgefallen, dass vor allem jetzt zahlungskräftige Kunden in seinen Laden kommen. Ihm gefalle besonders an den deutschen Touristen, dass sie sich mehr Zeit nehmen. „Viele gehen an meinem Laden vorbei und bleiben stehen, weil sie etwas Schönes sehen. Das finde ich wunderbar.“ 

Menschen von weiter weg seien häufig in Eile und wollen nur schnell ein Mitbringsel kaufen. Deshalb betrachtet er Massentourismus kritisch. Seit einem Jahr unterhält er seine Goldschmiede in Meißen. Als Rentner ist der 76-Jährige nicht auf den Verkauf angewiesen, sondern kann aus Leidenschaft Schmuck herstellen. Seit immerhin 60 Jahren.

Als CDU-Stadtrat ist Uwe Reichel wiederum besonders glücklich über die vielen Touristen. Denn er habe dafür gestimmt, dass das Amt für Stadtmarketing in der Corona-Zeit ein größeres Budget erhält. Um für Meißen mehr Werbung zu machen. „Das ist Christian Friedel gelungen, hierfür danke ich ihm sehr“, sagt er am Telefon. 

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Als Chef des Meißner Gewerbevereins sagt er, dass es einigen Geschäften jetzt besser geht, allerdings kann und will er nicht für alle sprechen. Denn erst im September und Oktober beginne die Hauptreisezeit für den Stadttourismus. 

„Deswegen können wir erst im November absehen, wie stark das Gewerbe in Meißen durch Corona betroffen ist.“ Er freue sich jedoch, dass die Stadt wieder so voll ist.

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