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Dresden

So geht es weiter nach der Bäckerei-Pleite

Im SZ-Interview spricht der Insolvenzverwalter der Bäckerei Eisold über Schließungen und wie hoch die Verbindlichkeiten sind.

Das Café Toscana ist das Flaggschiff von Familie Eisold und zieht viele Dresdner an.
Das Café Toscana ist das Flaggschiff von Familie Eisold und zieht viele Dresdner an. © Jürgen Lösel

Vergangene Woche platzte die Nachricht von der Eisold-Insolvenz in die Osterferien. Jetzt erzählt Insolvenzverwalter Christian Heintze, wie es dazu kam.

Herr Heintze, wann war für die Familie Eisold klar: Wir müssen die Reißleine ziehen und Insolvenz anmelden?

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Die wirtschaftliche Schieflage hat sich schon länger abgezeichnet. Aber da es teilweise Lohnrückstände seit Februar gibt, hat sich Herr Eisold jetzt zu diesem Schritt entschlossen.

Gehen die Rückstände wirklich nur bis Februar zurück? Auf einer Mitarbeiter-Bewertungsplattform ist schon im Oktober 2018 von fehlenden Gehaltszahlungen die Rede.

Wir wissen von Rückständen seit Februar, manche seit März. Aber alle diesen Jahres. Durch die Absicherung über das Insolvenzgeld wird es keine Ausfälle für die Mitarbeiter geben.

Gab es Kündigungen nach der Insolvenz?

Nein. Im Vorfeld haben ein paar Mitarbeiter von sich aus gekündigt, aber nicht nach der Nachricht.

Sie sprechen von Lohnrückständen, gibt es auch Außenstände bei den Lieferanten?

Ja, die gibt es.

Wie viele Lieferanten betrifft das und wie hoch sind die Verbindlichkeiten der Firma?

Eine genaue Zahl kann ich zur Zeit noch nicht nennen. Momentan gehen wir von rund zwei Millionen Euro aus.

Können Sie noch mehr zu den Ursachen sagen? Sie sprachen vergangene Woche vom hohen Kostendruck. Können Sie das konkretisieren?

Genau, die Konkurrenz der Supermärkte aber auch anderer Bäcker ist hoch. Die Discounter backen alle selbst und können durch ihre Größe und standardisierte Industrieprodukte auch niedrigere Preise anbieten.

Fehlt die Bereitschaft der Kunden, für gute Qualität Geld auszugeben?

Das würde ich so nicht sagen, die Kunden die Qualität von Eisold auch stets betonen. Bei vielen Kunden ist es eher der Zeitmangel, der sie zum Einkaufen aller Produkte in einem Markt treibt.

Christian Heintze ist der Insolvenzverwalter der Eisold KG Bäckerei Konditorei Café.
Christian Heintze ist der Insolvenzverwalter der Eisold KG Bäckerei Konditorei Café. © Marion Doering

Eisold betreibt 17 Filialen und Cafés wie das Toscana und das Schwarzmarktcafé, ist das Unternehmen zu schnell gewachsen?

Nein, das kann ich nicht als Ursache sehen. Zumal es in den letzten Jahren kein Wachstum mehr ab.

Hat sich die Familie denn mit dem Umbau des Café Toscana für eine sechsstellige Summe übernommen?

Auch das war kein Grund für die Schieflage.

Sie kündigten Schließungen an, welche Läden wird es treffen?

Das können wir derzeit noch nicht sagen. Es wird Schließungen geben, aber eher von einzelnen Filialen.

Das heißt, das Café Toscana und das Schwarzmarktcafé bleiben geöffnet?

Genau, um diese Objekte müssen wir uns keine Sorgen machen.

Können Sie schon sagen, ob Dresdner Geschäfte zumachen werden?

Nein, das kann ich noch nicht. Wir werden alles genau durchdenken und Gespräche mit Vermietern führen, ob man an dem einen oder anderen Objekt mit der Miete heruntergehen kann. Zurzeit gehe ich davon aus, dass eher die Filialen in den Vorkassen-Zonen betroffen sein werden.

Was bedeutet das genau?

Vorkassen-Zonen sind die Geschäfte, die sich im Eingangsbereich großer Supermärkte befinden. Da gibt es welche, die wenn man Umsatz und Miete vergleicht, nicht mehr so rentabel sind.

Wird es mit den Schließungen auch Entlassungen geben?

Nein, Kündigungen sind kein Thema. In Zeiten des Personalmangels wollen wir jeden halten, es wird Umsetzungen in andere Läden geben.

Wie drastisch sind denn die Mieterhöhungen?

Das kann man pauschal nicht sagen, da jeder Mietvertrag anders ist.

Aber wahrscheinlich sind die Mieten für die exponierten Lagen wie am Schillerplatz oder im Karstadt die höchsten?

Das kann man so nicht sagen. Es kommt immer auf die Relation zu den erzielbaren Umsätzen an. Da können auch die Mieten für besagte Vorkassen-Zonen sehr hoch sein.

Wie wollen Sie das Unternehmen jetzt retten?

Wir arbeiten an einem Sanierungsplan, sind aber noch ganz am Anfang. Die Buchhaltung wurde sehr ordentlich geführt, das hilft. Neben den Schließungen gibt es auch Überlegungen, die Filialen umzugestalten.

Haben die klassische Bäcker-Filiale und die sächsische Kaffeehauskultur ausgedient?

Das würde ich so nicht sagen. Aber wir merken, dass die Kunden heute mehr Erlebnis beim Einkaufen wollen, mehr Gemütlichkeit. Wir schauen, ob wir Filialen mit Sitzbereich umbauen.

Wie geht es der Familie Eisold, die ja das Unternehmen seit 1953 immer in Familienhand betreibt?

Es ist natürlich eine Belastung für die Familie. Zumal die Firma als Kommanditgesellschaft läuft, Geschäftsführer Jörg Eisold haftet persönlich. Und sein Sohn Clemens wächst langsam in die Geschäfte hinein.

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Wie blicken Sie in die Zukunft?

Das Ziel ist die Rettung des Unternehmens und dem blicke ich optimistisch und entspannt entgegen. Unsere Planungen reichen mindestens bis zum Jahresende. Es wird auch dieses Jahr Stollen der Bäckerei Eisold geben.

Das Gespräch führte Julia Vollmer.