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So geht es weiter nach der Eisold-Insolvenz

Wie hoch die Außenstände der Bäcker-Kette sind und warum Filialen geschlossen werden mussten.

Eine Eisold-Filiale auf der Zwinglistraße in Dresden.
Eine Eisold-Filiale auf der Zwinglistraße in Dresden. © Sven Ellger

Die Bäckerei Eisold ist insolvent. Diese Nachricht sorgte im April für Aufregung und verbreitete sich rasant schnell unter den Dresdnern und den Stammkunden des Traditionsunternehmens. Der Betrieb lief und läuft die ganze Zeit weiter. Nun steht fest, wie hoch die Außenstände der Bäcker-Kette sind.

„Wir gehen von einem siebenstelligen Betrag aus“, sagt Insolvenzverwalter Christian Heintze. Konkreter wird er nicht. Wie viele Gläubiger es sind, will er nicht sagen. Er betreut das Familienunternehmen von Beginn der Insolvenz an und über ihn läuft die Kommunikation. Die Familie selbst hält sich zurück. 1953 hatte Helmut Eisold die Bäckerei in Arnsdorf gegründet, inzwischen ist mit Clemens Eisold die vierte Generation mit in der Geschäftsleitung.

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Gläubiger muss dem Plan zustimmen

Das Unternehmen, das 17 Filialen und mehrere Cafés betreibt, zum Beispiel das Toscana am Schillerplatz und das Schwarzmarktcafé auf der Hauptstraße, war in wirtschaftliche Schieflage geraten. 174 Mitarbeiter hat das Unternehmen und laut SZ-Informationen einen Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro. Das Amtsgericht ordnete im April die Insolvenzverwaltung an. Als Gründe für die Schieflage nannte das Unternehmen damals Umsatzeinbußen in einzelnen Geschäften und die große Konkurrenz der Discounter.

Der Insolvenzplan soll nun in der ersten Hälfte 2020 vorgelegt werden, dann findet auch wieder eine Gläubigerversammlung statt. Die Gläubiger müssen dann entscheiden, ob sie ihm zustimmen. In einer ersten Sitzung hatten sie sich im Juli einstimmig für die Sanierung des Unternehmens ausgesprochen. Bei der Gläubigerversammlung am Amtsgericht haben sie sich damit für den Erhalt des Traditionsunternehmens entschieden.

Laut Insolvenzverwalter Christian Heintze sei es das Ziel, die Bäckerei grundsätzlich als Familienbetrieb zu erhalten. Die Standorte Wallstraße und Hohe Straße der Bäcker-Kette wurden geschlossen. Weitere Schließungen seien nicht geplant. „Unsere Analyse der einzelnen Filialen hat gezeigt, dass aktuell lediglich die zwei Standorte nicht aufrechterhalten werden können“, sagt Heintze. Alle Mitarbeiter werden laut Heintze an anderen Standorten weiterbeschäftigt. Mit den Vermietern weiterer Filialen konnte der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben zwischenzeitlich bessere Konditionen aushandeln, sodass deren Bestand gesichert sei. 

Das Café Toscana am Dresdner Schillerplatz ist weiterhin geöffnet.
Das Café Toscana am Dresdner Schillerplatz ist weiterhin geöffnet. © Marion Doering

Fachkräftemangel bei Eisold

Das halbe Jahr nach der Insolvenz sei nicht einfach gewesen. „Aber die Lieferanten sind alle geblieben und beliefern uns nach wie vor“, sagt Heintze. Außerdem habe das Unternehmen Investitionen in fünfstelliger Höhe in seiner Haupt-Backstube in Radeberg getätigt, um die Arbeitsabläufe zu verbessern. Auch hätte im Zuge der Insolvenz kein Mitarbeiter gekündigt. Es habe nur die normale Fluktuation gegeben, sagt der Insolvenzverwalter.

Aktuell läuft die Stollenproduktion auf Hochtouren. Wie in vielen anderen Dresdner Backstuben wird das Lieblingsgebäck der Dresdner im Herbst produziert. Im Café Toscana, einem der Flaggschiffe der Bäcker-Kette, sind keine Änderungen geplant. Dort wolle man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, also auf Torten und Kuchen. Um den Service für die Kunden zu verbessern, kann man Tische dort jetzt auch online buchen.

Eine Sorge, die die Bäckerei Eisold wie alle anderen Bäckermeister in der Stadt umtreibt, ist der Fachkräftemangel. „Die Personaldecke ist eng, Eisold sucht sowohl Personal bei Bäckern als auch Fachangestellten“, so Heintze. Laut den aktuellen Azubi-Zahlen gibt es nur 30 neue Lehrverträge für Bäcker sowie 28 für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk im Bezirk Dresden. Das teilte Daniel Bagehorn mit, Sprecher der Handwerkskammer. Zum Vergleich: 2018 gab es noch 49 Bäcker-Lehrlinge und 82 Verkäufer. 1999 lernten noch 686 Frauen und Männer den Beruf des Bäckers.

Doch anders als zum Beispiel bei der Bäckerei Graf oder Schwerdtner in der Centrum-Galerie seien keine Einschränkungen bei den Öffnungszeiten geplant, betont Christian Heintze. Graf und Schwerdtner öffnen ihre Filiale auf der Alaunstraße und in der Centrum-Galerie nicht mehr, um ihr vorhandenes Personal zu schonen.

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Dass ein renommiertes Unternehmen wie Eisold in die Insolvenz rutschte, bezeichnete Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller als schweren Schlag. „Es gibt in Dresden nicht viele, die in dieser Liga spielen“, sagte sie damals mit Blick auf die Qualität. Kreutzkamm-Aumüller betreibt in Dresden sechs Backhaus-Geschäfte und weiß, wie anspruchsvoll und bürokratisch das Bäckerhandwerk etwa mit Allergie- und Verpackungsverordnungen heute ist. Dazu komme, dass die Industrie in der Branche auf dem Vormarsch und die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht berauschend sei.

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