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So geht’s am Muskator weiter

Der Stadtrat beschäftigt sich mit der Industriebrache. Derweil macht der Investor eine klare Ansage.

Von Stefan Lehmann
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Blick über die Elbe aufs Mischfutterwerk Anfang dieses Jahres. Den Maschinenturm rechts will ein Investor gerne für Gewerbeeinheiten nutzbar machen – und hofft darauf, dass ihm die Stadt möglichst viele Freiheiten lässt.
Blick über die Elbe aufs Mischfutterwerk Anfang dieses Jahres. Den Maschinenturm rechts will ein Investor gerne für Gewerbeeinheiten nutzbar machen – und hofft darauf, dass ihm die Stadt möglichst viele Freiheiten lässt. ©  Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Was passiert mit Riesas größter Industriebrache? Am Mittwoch könnten Riesas Stadträte die ersten Weichen für eine Umgestaltung des Muskatorgeländes stellen – indem sie die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans beschließen. Eine Karte zeigt das etwa sechseinhalb Hektar große Gebiet, um das es geht, und für das die Stadt „die Entwicklung eines Wohngebietes ergänzt mit nicht störender gewerblicher Nutzung“ vorsieht.

Gerade diese Einschränkung könnte sich möglicherweise noch zum Problem entwickeln. Denn Investor Michael Andris hatte bereits einige Male erklärt, er wolle im Maschinenturm des Werks Gewerbeeinheiten schaffen. Für Wohnungen sei der Turm ohne teure Umbaumaßnahmen hingegen kaum geeignet. Die Flächen wären schlicht zu groß, sagt Andris. Er will deshalb, dass ihm im Bebauungsplan die uneingeschränkte gewerbliche Nutzung erlaubt wird, erklärt er am Dienstag im Gespräch mit der SZ. 

Zwar betont er: „Wir werden da keine Maschinenfabrik reinholen.“ Allzu engen Vorgaben möchte er sich aber nicht unterwerfen, ehe er tatsächlich Geld in die Industriebrache investiert. Die Vorlage der Stadt schlägt für das zwölfstöckige Gebäude beispielhaft Büros, Handelseinheiten oder Gastronomie vor. Wohlgemerkt geht es dem Investor selbst zunächst ausschließlich um den Maschinenturm. „Dann wäre zumindest erst einmal das größte und von Weitem sichtbare Gebäude wieder schön“, sagt Michael Andris. 

Eine Karte zeigt das etwa sechseinhalb Hektar große Gebiet, um das es geht, und für das die Stadt „die Entwicklung eines Wohngebietes ergänzt mit nicht störender gewerblicher Nutzung“ vorsieht.
Eine Karte zeigt das etwa sechseinhalb Hektar große Gebiet, um das es geht, und für das die Stadt „die Entwicklung eines Wohngebietes ergänzt mit nicht störender gewerblicher Nutzung“ vorsieht. ©  SZ-Grafik

Im Sommer hatte der Investor im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung bereits Wohnungen auf dem Silo direkt daneben ins Gespräch gebracht. Mittlerweile äußert er sich etwas zurückhaltender. Was dieses Gebäude angeht, will er sich mehr Zeit lassen. „Eins nach dem anderen. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.“

Zu klären gibt es ohnehin noch genügend andere Fragen, wie auch aus der Beschlussvorlage hervorgeht, über die die Stadträte am Mittwoch abstimmen sollen. Zu betrachten seien für den Bebauungsplan unter anderem eine Reihe von Altlastenverdachtsflächen, die beispielsweise ehemalige Trafogebäude und Öltanklager betreffen. Außerdem muss noch geprüft werden, ob sich im Boden Altlasten des ehemaligen Chlorodont-Werkes befinden, das einmal elbabwärts an das Gelände des Mischfutterwerkes anschloss. Offen ist auch, was mit den denkmalgeschützten Gebäuden passieren könnte. Allein sechs Gebäude an der Bahnhofstraße und am Puschkinplatz müssten berücksichtigt werden, so die Stadtverwaltung in der Vorlage.

Gleiches gilt für einen Teilbereich am Elbufer und die markante Mühlenanlage in Richtung Breite Straße. Für dieses Gebäude hat Michael Andris bisher noch keine Pläne. Eine Wohnnutzung jedenfalls hat er dafür in der Vergangenheit nicht für sinnvoll erachtet. Die nicht denkmalgeschützten Bauten sollen dagegen abgerissen werden – um das Gelände Richtung Elbe zu öffnen, so die Hoffnung der Stadt. Bisher schotten die Industriegebäude das Viertel Richtung Elbe nämlich regelrecht ab.

Was hingegen den Kauf der Flächen angeht, gibt sich Investor Michael Andris optimistisch. Sowohl mit der Hage Kiel als auch mit ADM sei er sich einig. Insgesamt werden die Grundstücke wohl 1,8 Millionen Euro kosten, von denen die Stadt wiederum das Teilstück entlang der Elbe kauft, auf dem dann der Lückenschluss für den Elberadweg erfolgen soll. 700.000 Euro wird Riesa wohl für das Land bezahlen. Die Stadt bestätigt, dass im Zusammenhang mit dem Muskator lediglich Grunderwerb, Rückbau von Bauwerken im Hochwasserbereich sowie schlussendlich der Bau des Radwegs städtische Mittel eingeplant sind. 

Derzeit rechne man damit, etwa 320.000 Euro Eigenmittel dafür aufbringen zu müssen. „Ökonomisch sind wir uns eher einig, als in der Nutzungsart“, sagt Michael Andris. „Ich kaufe das Grundstück nicht, weil ich hoffe, dafür Fördergeld zu bekommen.“ Baurecht und die Einstufung als Sanierungsgebiet seien genug – Letzteres aus steuerlichen Gründen.

Ob diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, das will der Investor erst beurteilen, wenn nach dem Stadtratsbeschluss auch der richtige B-Plan vorliegt. „Ich bin nicht die Stadt. Die Stadträte entscheiden, was sie für richtig halten. Wenn es am Ende nicht zusammenpasst, muss es ein anderer machen.“ Ob sich dieser andere aber findet, da hegt auch Michael Andris seine Zweifel. Wenn es so einfach wäre, auf dem Gelände und insbesondere im Turm Wohnungen zu errichten, dann hätte das doch die städtische Wohnungsgesellschaft längst getan, mutmaßt er. „Aber deren Geschäftsführer ist schlau genug, das nicht zu tun.“

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