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So geht Schule im Krisen-Modus

Selbstgenähter Mundschutz, Desinfektionswagen: Die Schulen sind vorbereitet. Aber es gibt auch Probleme.

Jan Genscher, Leiter der Oberschule in Waldheim, schiebt den Desinfektionswagen der Bildungseinrichtung. Gebaut hat diesen der Hausmeister.
Jan Genscher, Leiter der Oberschule in Waldheim, schiebt den Desinfektionswagen der Bildungseinrichtung. Gebaut hat diesen der Hausmeister. © Dietmar Thomas

Von Rasmus Wittrin

Am Freitag wurde es offiziell beschlossen. Schüler der Abschlussklassen dürfen ab der nächsten Woche wieder in ihre Bildungseinrichtungen zurückkehren. Nachdem ab Montag zunächst die Lehrer zur Vorbereitung in die Gymnasien, Ober- und Förder- sowie berufsbildenden Schulen kommen werden, folgen ab Mittwoch die Schüler, um sich vor Ort auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Nur die Abiturienten dürfen ab Montag zu Konsultationen bereits in die Schule.

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Kontrollen, Appelle und verschiedene Hygiene-Maßnahmen sollen dann ein hohes Maß an Sicherheit für Schüler und Lehrer gewährleisten. Zusätzlich zu den allgemeinen Vorschriften, wie dem Abstandsgebot, gelten in Schulen noch strengere Regeln. So muss laut Sächsischem Kultusministerium der Eingang kontrolliert werden. Außerdem müssen die Schüler ausreichend aufgeklärt und belehrt, die Klassengrößen reduziert und eine strenge Händedesinfektion sichergestellt werden.

Das stellt auch die Schulen aus der Region um Döbeln, in Leisnig, Hartha und Waldheim vor eine Herausforderung. Besonders schwierig ist die Situation für Schulen mit wenig Toiletten, engen Gängen und kleinen Räumen. Die speziellen Hygienevorschriften wurden erst am späten Mittwochabend und am Donnerstag bekannt, sodass bis zum Start der Prüfungsvorbereitungen am Mittwoch nicht viel Zeit bleibt. In den meisten Schulen wird aktuell noch über die genaue Umsetzung der Vorschriften beraten, einige Maßnahmen wurden aber schon auch vorbereitet.

Gymnasium nutzt Doppelräume

Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das häufig erst einmal: Tische stellen. Alle von Sächsische.de befragten Schulen werden Klassen und Kurse aufteilen, sodass sich nicht unnötig viele Schüler – einige Schulen wollen beispielsweise Gruppen von mehr als zehn Schülern vermeiden – in einem Raum aufhalten. Außerdem sollen große Räume genutzt werden, um den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern einzuhalten.

Das Martin-Luther-Gymnasium in Hartha kann derweil auf ein besonderes Mittel zurückgreifen: „Wir haben hier am Gymnasium Doppelräume, in denen man die Wand auffahren kann“, sagt Schulleiterin Heike Geißler.

Diese Möglichkeit hat die Schloßbergschule Döbeln nicht. „Es sind keine idealen Bedingungen hier“, sagt Schulleiterin Dagmar Dettke. In der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen gibt es auf den Toiletten kein warmes Wasser. Viele Gänge sind schmal und die Klassenzimmer häufig klein.

Obendrein befinden sich die Toiletten teilweise im Treppenhaus, sodass es schwierig ist, einen Wartebereich vor ihnen einzurichten, so Dettke. Trotzdem hebt sie hervor, dass die Situation bewältigt werden kann. Etwa durch mehr Aufsichtspersonal und ein Schichtsystem, damit sich nicht alle etwa 30 Abschlussschüler auf einmal im Gebäude befinden.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Mit einem Schicht-System will auch das Lessing-Gymnasium Döbeln arbeiten. Eine Hälfte der knapp über 80 Abiturienten wird – am LGD im Unterschied zu den meisten anderen Schulen, die erst am Mittwoch beginnen, sogar bereits ab Montag – von der ersten bis zu dritten Unterrichtsstunde Prüfungsvorbereitung haben, die andere Hälfte von der vierten bis zur sechsten.

Bevor die Schüler das Gebäude betreten, sollen sie von einem Lehrer empfangen werden, der ihnen eine Belehrung und einen waschbaren Mundschutz aushändigt. Außerdem sollen die Türen geöffnet bleiben, damit keine Türklinken angefasst werden.

Auch die Goetheschule Mügeln verteilt, laut Schulleiter Axel Boldt, Mundschutz an Lehrer und Schüler, der vom Landesamt für Schule und Bildung bereitgestellt wird. Die Kinder, die selbstständig zur Schule kommen, werden damit am Eingang versorgt. Die Buskinder sollen schon im Bus eine Maske bekommen. Damit auch dort die Abstandsregeln eingehalten werden, fahre „extra ein großer Bus“, so Boldt.

Schulleiter Jan Genscher von der Oberschule Waldheim beklebt die Türen der Schule mit Hinweisen zur Abstandregelung.
Schulleiter Jan Genscher von der Oberschule Waldheim beklebt die Türen der Schule mit Hinweisen zur Abstandregelung. © Dietmar Thomas

Nicht überall ist Mundschutz da

An Masken fehlt es dagegen noch in der Förderschule Waldheim. „Wir haben alles da: Einmalhandschuhe, Seife, Papierhandtücher, Desinfektionsmittel. Was wir nicht haben, ist Mundschutz“, so Schulleiter Heiko Felgener. Nach dem aktuellen Stand können Lehrer selbst entscheiden, ob sie Mundschutz tragen, oder nicht – sofern sie denn über einen verfügen.

Die Hauswirtschaftslehrer der Lernförderschule Roßwein begegneten dem Mundschutz-Mangel auf kreative Weise: Sie nähten für alle Lehrer selbst welche, berichtet Schulleiterin Andrea Gründel.

Auf etwas Selbstgemachtes kann auch die Oberschule Waldheim zurückgreifen: Seit Ende der Winterferien verfügt sie über einen eigens vom Hausmeister gebauten mobilen Desinfektions-Wagen, der im Schulhaus und auch im Freien herumgeschoben werden kann. „Desinfektion ist bei uns schon lange vor Corona ein Thema gewesen“, sagt Schulleiter Jan Genscher.

Die Investitionen zahlen sich nun aus. Der Wagen soll vor Beginn der Prüfungsvorbereitungen an den Eingang geschoben werden, damit sich alle Schüler und Lehrer unmittelbar nach Betreten der Schule die Hände desinfizieren können. Zusätzlich werden im gesamten Haus Warnplakate aufgehangen und auf dem Boden Abstandsstreifen angebracht.

Sogar auf den Außenbereichen werden Absperr- und Klebeband-Streifen ausgelegt. „So sollen die Schüler zu jeder Zeit, egal wo sie sich befinden, an die Abstandsregeln erinnert werden“, begründet Genscher.

Auch der Boden wird an der Oberschule Waldheim mit Abstandsmarkierungen versehen. Hausmeister Jürgen Hofmann klebt Abstandsstreifen auf den Fußboden
Auch der Boden wird an der Oberschule Waldheim mit Abstandsmarkierungen versehen. Hausmeister Jürgen Hofmann klebt Abstandsstreifen auf den Fußboden © Dietmar Thomas

An Lehrern fehlt es nicht

Zu den Maßnahmen, die alle oder zumindest die meisten Schulen ergreifen, gehören außerdem häufigeres Desinfizieren und Säubern der Toiletten sowie der Unterrichtsräume, mehr Aufsichtspersonal, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren, und generell enge Absprachen und Belehrungen zwischen Schülern und Lehrern. 

Personalprobleme, weil einige Lehrer der Risiko-Gruppe angehören und deshalb nur eingeschränkt eingesetzt werden können, gibt es nach derzeitigem Stand kaum. Lehrer, die ausfallen, können in der Regel durch andere ersetzt werden.

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