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So gut schmeckt die Oberlausitz

In seinem Hofladen verkauft Michael Beyer vor allem Erzeugnisse aus der Region. Einen Blick in die Geschichte gibt’s dazu.

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Von Ingolf Reinsch

Einen Supermarkt haben die Putzkauer nicht. Dafür aber einen Hofladen, den inzwischen auch Städter entdeckt haben. Dort verkauft Michael Beyer seit kurzem das, was regionale Produzenten anbieten. Der Blick in die Regale liest sich wie ein Oberlausitzer Ortsverzeichnis. Zum Beispiel: Käse, Quark und Nudeln kommen aus Wehrsdorf, Zwieback aus Neukirch, Äpfel und Aronia-Produkte aus Schirgiswalde, Räucherspeck und Eierlikör aus Sohland, Öl aus Kaschwitz. Aus Spittwitz bezieht der Putzkauer das Mehl, aus Burkau die Eier, aus Rothenburg das Gemüse aus dem eigenen Dorf den Honig. Eine Kelterei in Lauba bei Löbau liefert Fruchtsäfte. Hinzu kommt Saft aus Äpfeln von der eigenen Streuobstwiese. Michael Beyer ließ die Früchte in Wittichenau pressen. Im nächsten Herbst, sagt er, soll eine mobile Presse im Hof vor seinem Geschäft „Regional spezial“ Station machen. „Dann können auch andere ihr Obst bei uns zu Saft pressen lassen“, stellt Michael Beyer in Aussicht.

Dass der 47-Jährige seinen Hofladen in einer ehemaligen Lagerhalle der vor Jahren insolvent gegangenen Firma Hoch- und Tiefbau Oberlausitz (HTO) eingerichtet hat, ist am Ladeneingang schnell vergessen. Der ist rustikal mit Holz verkleidet. Innen sind die Wände hell gestrichen und im Fachwerkstil gestaltet. Michael Beyer, gelernter Werkzeugmacher, hat die Räume selbst umgebaut und eingerichtet. Die Regale zimmerte er allein. Auch den stabilen Verkaufstisch aus Eichenholz. Der Baum stand einst zwischen Putzkau und Schmölln – am Rande eines Feldes, das die Familie bewirtschaftet.

Die Nähe zur Region ist ihm wichtig, sagt Michael Beyer, der viele Frischeprodukte verkauft. „Der Quark schmeckt anders als aus dem Supermarkt“, nennt er ein Beispiel. Und: „Gutes Essen hat einen Preis.“ Die Kunden – unter ihnen jüngere Leute, die bewusst darauf schauen, was sie kaufen – akzeptieren es. Mit seinem Geschäftsstart sei er zufrieden, sagt Michael Beyer. Vor allem Putzkauer und Bischofswerdaer kaufen bei ihm ein, zunehmend aber auch Berufspendler aus dem Oberland, die auf dem Weg von der Arbeit bei ihm halten.

Gleich nebenan gibt es die Putzkauer „Blumenwerkstatt“, die seine Lebenspartnerin Anja Synde betreibt. Sie verkauft schon seit einem Jahr in der Halle. „Ich habe viele Stammkunden“, sagt sie. Auch diese schauen jetzt mal im Hofladen vorbei.

Dass dieser einmal das Blumengeschäft ergänzen wird, war beiden schon seit längerem klar. Als Michael Beyer im vergangenen Jahr betriebsbedingt von seinem Arbeitgeber gekündigt wurde, war das der letzte Anstoß, sich selbstständig zu machen. Dass er zum Leben auf dem Lande und den Leistungen der dort arbeitenden Menschen steht, zeigt der Putzkauer auch auf eine andere Weise: Alte haus- und landwirtschaftliche Geräte gehören zur Ausstattung von „Regional spezial“. Den Schiebock wird jeder gleich erkennen. Anderes wie eine Hand betriebene Waschmaschine aus Urgroßmutters Zeiten sind inzwischen seltene Raritäten.