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Landtagswahl 2019

So haben Sachsens Jugendliche gewählt

Als Generalprobe für die Landtagswahl hat es eine U18-Wahl gegeben.  Überraschend stark schnitt dabei eine Partei ab, die es noch nie in den Landtag geschafft hat.

Jugendliche beim Auszählen ihrer U18-Landtagswahl.
Jugendliche beim Auszählen ihrer U18-Landtagswahl. © Rolf Ullmann (Archiv)

Dresden. Grüne und AfD liegen unter Jugendlichen hoch im Kurs. Das zeigen die Ergebnisse der U18-Wahl für den sächsischen Landtag, die bei einer Pressekonferenz in Dresden präsentiert wurden. Demnach kommt die Ökopartei insgesamt auf 27,2 Prozent, die Alternative für Deutschland liegt mit 15,5 Prozent an zweiter Stelle. 

Danach folgt die Linke mit 10,9 Prozent, die CDU kommt auf lediglich 10 Prozent. Die Tierschutzpartei, die auch bei vergangenen U18-Wahlen in anderen Bundesländern stets deutlichen Zuspruch erhielt, belegt mit 8,8 Prozent den fünften Platz. Sie würde damit ebenso wie die Satirepartei Die Partei (7,3 Prozent) in den Landtag einziehen.

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Die SPD kann demnach auch in der jungen Generation der Sachsen nicht punkten: Mit nur 6,8 Prozent liegt sie sogar nochmals deutlich unter den aktuellen Umfragen für den kommenden Wahlsonntag. 

Auch die FDP müsste bei einer Absenkung des Wahlalters wohl weiter um den Einzug in den Landtag bangen. Die Liberalen kommen lediglich auf 4,8 Prozent. 

"Uns hat das Ergebnis überrascht. Wir hätten mit mehr Nähe zu den Umfragewerten gerechnet", sagte der Vorsitzende des Kreisjugendrings Jan Witza. Die Landeskoordinatorin der U18-Wahl, Agnes Scharnetzky, bekräftigte: "Wir haben als Vertreter einer Organisation, die für demokratische Prinzipien und Weltoffenheit steht, ehrlich gesagt sogar mit einem noch höheren AfD-Ergebnis gerechnet." 

Stattdessen gebe es unter den Jugendlichen vielmehr ein "riesiges Stadt-Land-Gefälle". Am stärksten schnitt die AfD mit 30,4 Prozent im Erzgebirgskreis ab.

Die Gesamtergebnisse der U18-Wahl zum sächsischen Landtag.
Die Gesamtergebnisse der U18-Wahl zum sächsischen Landtag. © Kreisjugendring Sachsen

Auch in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (23,5 Prozent), Meißen (22,11 Prozent) und Bautzen (23,5 Prozent) wurde sie klar stärkste Kraft. In Bautzen kam es wegen eines Krankheitsfalls allerdings zu Verzögerungen bei der Stimmenauszählung, weshalb es sich nur um ein vorläufiges Ergebnis handelt.

Die Grünen dominierten wiederum die sächsischen Großstädte. So verteidigt Leipzig seinen Ruf als linke Hochburg Sachsens auch unter den Jugendlichen. Die Grünen wurden hier mit 42,4 Prozent mit Abstand stärkste Kraft, die dem linken Spektrum zuzuordnende "Die Partei" kommt auf 21 Prozent.

Auch in Dresden würden sich mit 31,8 Prozent überdurchschnittlich viele junge Menschen für die Ökopartei entscheiden, AfD und Linke liegen mit rund 12 Prozent nah beieinander. Für die Verantwortlichen überraschend: In Chemnitz wählten ebenfalls fast 30 Prozent aller Teilnehmer grün.

Hätten die Jungen das Sagen, dann müssten Michael Kretschmer und die CDU am Sonntag wohl vorerst ihre Regierungssitze räumen. Bis auf das Vogtland, wo die Konservativen 31,8 Prozent aller Stimmen ergatterten, kam die Partei in keinem anderen Landkreis über 15 Prozent, blieb vielerorts sogar unter der Zehn-Prozent-Marke.

© SZ-Grafik

Nach Witzas Einschätzung seien der Kampf gegen den Klimawandel und der Erhalt von Natur und Umwelt die wichtigsten Prioritäten der jungen Wähler gewesen. "Wir glauben trotzdem, dass wir ein gutes Angebot für junge Menschen und Erstwähler machen, auch uns ist der Klimaschutz wichtig", kommentierte CDU-Landesgeschäftsführer Conrad Clemens das schlechte Abschneiden seiner Partei.

Auch Henning Homann, Generalsekretär der Sachsen-SPD, zeigte sich trotz der miserablen Zahlen optimistisch. "Es zeigt, dass wir der nächsten Generation vertrauen können. Sie wählt vernünftig und überwiegend nicht rechts", sagte er.

Zur U18-Wahl, die vom sächsischen Kreisjugendring organisiert und aus Steuermitteln des Freistaats mitfinanziert wurde, gaben 11.943 Sachsen unter 18 Jahren ihre Stimme ab. Das Projekt wurde in einer solchen Breite zum ersten Mal zur Bundestagswahl 2017 durchgeführt, damals noch von der Landjugend Sachsen.

Insgesamt waren vom 1. Juli bis zum 23. August zahlreiche Helfer im ganzen Freistaat unterwegs, um sich mit mobilen oder gesponserten Wahlkabinen etwa in Parks, Schulen und vor Bahnhöfen zu positionieren.

"Der jüngste Teilnehmer, den wir ausmachen konnten, war acht Jahre alt", so Scharnetzky. Im Vorfeld wurden die Jugendlichen in verschiedenen Lokalprojekten dazu animiert, sich politisch zu informieren und Fragen an die Parteien zu schicken.

Nur die AfD antwortete laut den Verantwortlichen nicht, weshalb sie nicht in den Wahlprüfsteinen vorkam. Diese sollten den Jugendlichen - auch über Instagram - inhaltliche Orientierung geben, ebenso wie eine Jugendversion des "Wahl-O-Mat".

Insgesamt, so berichteten zwei Helferinnen, hätten die jungen Menschen riesiges Politikinteresse gezeigt. Wer politische Bildung in Sachsen betreibe, bewege sich aber immer mehr auf dünnem Eis, beklagte Scharnetzky. "Immer öfter geht es um die Neutralitätsfrage", sagte sie. "Aber Haltung ist richtig und zwar eine konkret demokratische Haltung". 

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Witza appellierte anschließend an die Parteien mit Landtagsmandat, insbesondere an CDU und SPD, Jugendliche stärker politisch einzubinden. Seit Jahren wird auch in Sachsen über eine Absenkung des Wahlalters diskutiert. Während sich linke und liberale Kräfte dafür aussprechen, sind AfD und CDU bisher dagegen. 

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