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So hat sich die Hochschule entwickelt

In der 1969 gegründeten Ingenieurhochschule in Zittau war die Energiewirtschaft Domäne. Heute lockt ein breites Studienangebot.

Diese Ansichtskarte von 1976 warb für Zittau als „Hochschulstadt am Dreiländereck“. Oben in der Mitte ist das inzwischen abgerissene Haus III zu sehen, unten links das Haus I, unten rechts das Haus II.
Diese Ansichtskarte von 1976 warb für Zittau als „Hochschulstadt am Dreiländereck“. Oben in der Mitte ist das inzwischen abgerissene Haus III zu sehen, unten links das Haus I, unten rechts das Haus II. © Sammlung Rößler

Mit einem feierlichen Akt im Stadttheater wurde am 2. September 1969 die „Ingenieurhochschule Zittau“ gegründet. Die seit fast 150 Jahren in Zittau mögliche „höhere technische Bildung“ erreichte damit eine neue Ebene. Anders als an den zur gleichen Zeit in der Bundesrepublik entstehenden Fachhochschulen waren nämlich an DDR-Ingenieurhochschulen hohe akademische Weihen möglich. Die ersten Absolventen hießen zwar noch „Hochschulingenieur“, aber bereits 1972 war der Titel „Diplomingenieur“ erreichbar, ab 1977 war er obligatorisch. Ab jenem Jahr durfte die Hochschule sogar Doktortitel vergeben. Was auch geschah, einige Hundert Promotionsverfahren gab es seitdem in Zittau.

Von einer Technischen Universität unterschied sich die Hochschule damit eigentlich nur durch ihre Größe und das Fächerspektrum. Zittaus Domäne war die Elektroenergieerzeugung, -verteilung und -vermarktung. Bis heute das Herz jeder Wirtschaft, aber damals kein Thema, das eine Stadtöffentlichkeit interessierte. Das Verhältnis zwischen den Zittauern und ihrer Hochschule war deshalb eher distanziert. Was nicht zuletzt der Spitzname des 1974 errichteten, damals hochmodernen Verwaltungsgebäudes Haus III ausdrückte: „Klugscheißeraquarium“.

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In Kraftwerken und Energieversorgungsbetrieben sowie einschlägigen Firmen der DDR und des (nicht nur sozialistischen) Auslandes wurden die Zittauer Forschungsergebnisse allerdings geschätzt. Absolventen waren hochwillkommen, gerade wegen der Fokussierung der Hochschule auf einen Industriezweig. Auch die Gewinnung von Studenten war einfacher. Kraftwerke und Stromversorger der ganzen DDR schickten ihren Nachwuchs zum Studium nach Zittau. Was neue Wohnheime nötig machte. 1972 wurde das Wohnheim D an der Schliebenstraße eingeweiht. Der notwendige Ersatz der Mensa im ehemaligen „Weißen Engel“ am Markt erwies sich wegen der oberflächennahen Braunkohle als ziemlich schwierig.

Seit 1981 ist die Mensa ein prägendes Gebäude im Campus. Und sie bot vorübergehend neue Möglichkeiten für den traditionsreichen Zittauer Studentenfasching. Mit dem 2004 beendeten Umbau war zwar kein Fasching mehr möglich. Dafür bietet das Gebäude heute der modernen Bibliothek Raum.

Nationalpreisträger Prof. Hans Joachim Hildebrand (rechts) wird 1969 durch Prof. Gießmann, Minister für Hoch- und Fachschulwesen der DDR, zum Rektor der Ingenieurhochschule für Energiewirtschaft Zittau ernannt.
Nationalpreisträger Prof. Hans Joachim Hildebrand (rechts) wird 1969 durch Prof. Gießmann, Minister für Hoch- und Fachschulwesen der DDR, zum Rektor der Ingenieurhochschule für Energiewirtschaft Zittau ernannt. © I. Waurisch

Nachdem die Hochschule 1988 „Technische Hochschule“ geworden war, besitzt sie seit 1992 den Status „Fachhochschule“. Neben den bestehenden Studiengängen Kraftwerkstechnik, Elektroenergieversorgung und Betriebswirtschaft wurde jetzt mit Bauingenieurwesen eine alte Zittauer Bildungstradition wiederbelebt. Weitere Studiengänge kamen dazu. Die Übernahme eines großen Lehrgebäudes der ehemaligen NVA-Offiziershochschule half, die nötigen Räume für eine weiterwachsende Zahl Studierender bereitzustellen. Für das neue Profil Naturwissenschaften entstand 1995 aus dem ehemaligen Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung (ASMW) am Külzufer ein neues Lehr- und Forschungsgebäude.

Den bisher größten Wachstumsschub bekam der Zittauer Campus 2006 mit der Einweihung des Lehrgebäudes Z IV am Stadtring. Seit 2014 trägt es den Namen „Peter-Dierich-Haus“. Damit wird ein Rektor gewürdigt, der große Verdienste bei der Neuausrichtung der Zittauer Hochschule hat, so beim Aufbau einer guten Zusammenarbeit der seit 1992 bestehenden zwei Standorte Zittau und Görlitz. 1997 entstand mit der „Kooperativen Ingenieurausbildung“, die in einigen Studiengängen eine Facharbeiterausbildung parallel zum Studium ermöglicht, eine äußerst attraktive Studienform. Leider wurden die Baustudiengänge ab 2012 eingeschränkt. Dafür gibt es heute unter anderem neue Master-Studiengänge und ein breites Profil von Naturwissenschaft über Wirtschaft bis Technik. Insgesamt bietet die Hochschule derzeit in Zittau in vier Fakultäten zehn Bachelor- bzw. Diplom-Studiengänge und acht Master-Studiengänge an.

Aus Anlass des 50. Jahrestages der Hochschulgründung wurde das „Haus ZI“ nach dem Gründungsrektor benannt und heißt jetzt „Hans-Joachim-Hildebrand-Haus“.

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