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So hilft der sächsische Mitmach-Fonds

Der Freistaat schenkt der Lausitz 1,7 Millionen Euro für gute Ideen. Die SZ stellt drei von 357 prämierten Beispielen vor.

Die Lok der ehemaligen Grubenbahn des Baruther Basaltwerkes wollen Marcus Beier und seine Mitstreiter so restaurieren, dass sie als technisches Denkmal ausgestellt werden kann. Das Projekt ist eins von vielen, die der Mitmachfonds finanziell unterstützt.
Die Lok der ehemaligen Grubenbahn des Baruther Basaltwerkes wollen Marcus Beier und seine Mitstreiter so restaurieren, dass sie als technisches Denkmal ausgestellt werden kann. Das Projekt ist eins von vielen, die der Mitmachfonds finanziell unterstützt. © Steffen Unger

Bautzen/Kamenz. Das ehemalige Basaltwerk in Baruth ist immer wieder Thema am Abendbrottisch. Marcus Beiers Schwiegeropa war dort einst Werkleiter. Eigene Erinnerungen an den Betrieb hat Marcus Beier nicht. Er ging in die Grundschule, als hier Ende 1993 zum letzten Mal Stein gebrochen wurde. Jetzt gilt das Werk als technisches Denkmal, um den sich ein Verein kümmert.

Später lernte Marcus Beier Elektriker und arbeitete lange in Dresden. Vor zwei Jahren kam er, inzwischen mit Familie, zurück in die alte Heimat, und nach wie vor ist das ehemalige Basaltwerk ein Thema. Der Schwiegeropa wollte gern die Lokomotive der ehemaligen Grubenbahn restaurieren. Die wäre irgendwann nur noch Schrott. Dabei könnte sie doch gerade jungen Leuten zeigen, welche Industrietradition es hier einmal gab. Und für Ältere wäre sie ein Stück Erinnerung.

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Nur: So eine Restaurierung kostet Geld. Da las Marcus Beier im März dieses Jahres etwas über den sächsischen Mitmach-Fonds. Der Freistaat stellte mehr als drei Millionen Euro für gute Ideen und Engagement in der Lausitz und im Leipziger Raum zur Verfügung. Bewerben konnten sich Vereine, Verbände, Stiftungen, Kammern und Privatpersonen in den beiden Braunkohlerevieren. Aber der Fonds klammerte sich nicht an das Thema Kohle, sondern öffnete sich für Ideen für bürgerschaftliches Miteinander, Mobilität sowie Projekte für Kinder und Jugendliche.

Bis zu 3.000 Euro werden überwiesen

Auch Marcus Beier reichte seine Idee ein – als eine von insgesamt 1.028 aus der Lausitz. Nach der Jurysitzung im Mai gehörte das Baruther Projekt zu den 357 Preisträgern, denen der Freistaat abgestuft nach Kategorien zwischen 30.000 und 500 Euro überwies. Mit ihrer gewonnenen vierstelligen Summe können Marcus Beier und seine Mitstreiter schon einiges anfangen. Zuerst haben sie die Lok geborgen, sie stand zugewachsen im Schuppen. Der Plan ist, die alte Zugmaschine so zu restaurieren, dass sie als technisches Denkmal an der Buswendeschleife in Baruth aufgestellt werden kann. Dort steigen täglich viele Schüler ein oder aus und würden dabei immer die Lok sehen. „Alte Technik für junge Köpfe“ nennt er das Projekt, und es ist nicht seine einzige Idee. Auch eine Spiel- und Begegnungsstätte in Baruth schwebt dem 33-jährigen selbstständigen Elektriker vor. „Viele sagen, hier sei nichts los, also machen wir selber was“, sagt Marcus Beier.

Ortswechsel nach Crostwitz zum Regionalbüro des sorbischen Dachverbandes Domowina. Regionalsprecherin Katharina Jurk ist eine Frau voller Ideen. Eine davon dreht sich um den katholischen Priester und sorbischen Dichter Jakub Bart-Ćišinski. Dessen Todestag jährt sich 2019 zum 110. Mal. Höchste Zeit, die junge Generation wieder mehr an diesen Mann und sein Werk heranzuführen, findet Katharina Jurk. „Die Schüler wissen zu wenig über ihn, es gibt auch kaum Informationsmaterial.“

Ein Bolzplatz und neue Fahrräder

Bei den für Ende September geplanten Projekttagen für Schüler der 9. und 10. Klassen ließe sich das ändern. Dazu müssten junge Leute aber aus dem ganzen sorbischen Siedlungsgebiet nach Panschwitz-Kuckau kommen, wo des Dichters Geburtshaus steht und die Hauptstraße nach ihm benannt ist. Außerdem gibt es eine kleine Ausstellung, die aber mal wieder auf Vordermann gebracht werden könnte. Die Domowina-Regionalgruppe bewarb sich mit ihrer Idee um Geld aus dem Mitmach-Fonds, der eine Kategorie für sorbische Projekte vorsah. 5 000 Euro Preisgeld helfen sehr, freut sich Katharina Jurk. Von dem Geld kann die Domowina unter anderem die Ausstellung aufpäppeln und die Kosten für die Fahrt der Schüler zu den Projekttagen nach Panschwitz-Kuckau bezahlen.

Über insgesamt 20.000 Euro aus dem sächsischen Mitmach-Fonds freut sich der Schullandheime-Verein in Bautzen. Das Geld fließt unter anderem in einen neuen Bolzplatz in Neukirch, der allen offen steht, nicht allein den Gästen des dortigen Schullandheims. Ein naturwissenschaftliches Feriencamp wurde prämiert, ein neues Fahrzeug für die mobile Kinder- und Jugendarbeit kann angeschafft werden, und nicht zuletzt reicht das Geld für 25 neue Fahrräder für das Schullandheim in Grüngräbchen. „Von dort aus sollen Mädchen und Jungen per Drahtesel die Königsbrücker Heide erkunden“, sagt Maria Engert von der Vereins-Geschäftsstelle.

Auch 2020 soll es wieder einen sächsischen Mitmach-Fonds geben, weiß Gabriela Hippe. Sie ist bei der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH im Projektbüro für den Mitmach-Fonds tätig. Auch dann warten wieder 1,7 Millionen Euro auf gute Ideen.

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