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Wie Sachsen Gründern in der Corona-Krise hilft

Der Freistaat stellt 30 Millionen Euro für Start-ups bereit. Das sind die Bedingungen, um an das Geld zu kommen.

Jung, voller Ideen und risikobereit: Start-ups sollen Sachsens Innovationskraft vorantreiben. Doch Corona könnte Dutzende junge Unternehmen mit Potenzial zerstören.
Jung, voller Ideen und risikobereit: Start-ups sollen Sachsens Innovationskraft vorantreiben. Doch Corona könnte Dutzende junge Unternehmen mit Potenzial zerstören. © © unsplash.com, Annie Spratt

Wer ein Unternehmen gründet, der geht damit immer auch ein Risiko ein. Da werden Kredite genommen und Investorenrunden geführt – ob das Geschäftsmodell aufgeht, zeigt sich meist erst später. Einer Studie der Fachhochschule Köln von 2019 zufolge scheitern rund 70 Prozent aller Start-ups in Deutschland.

Gleichzeitig schaffen die übrigen 30 Prozent Arbeitsplätze, treiben die Innovationskraft voran und krempeln alte Denk- und Arbeitsweisen um. Doch viele Start-ups, auch in Sachsen, hat die Corona-Krise schwer getroffen. Deshalb hat die sächsische Regierung zusammen mit dem Bund und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen (MBG) einen Corona-Hilfsfonds für die Branche ins Leben gerufen. Demnach stellt der Freistaat 30 Millionen Euro bereit.

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Die meisten Start-ups sind von Investorengeldern abhängig, die in sogenannten Finanzierungsrunden immer wieder neu verhandelt werden. Doch durch Corona und die unsichere Wirtschaftslage wollen auch weniger Investoren Gelder in junge Unternehmen stecken. Dadurch fehlt es den Gründern an Kapital, um ihre Start-ups weiterzuentwickeln, nicht wenige sind kurz vor der Pleite.

„Junge Unternehmen und Start-ups sind wie zarte Pflanzen, in die zu Beginn investiert werden muss, da sie meist nicht sofort Gewinne abwerfen und so keine Finanzpolster haben“, so Marina Heimann, Geschäftsführerin von Futuresax, dem Innovationsförderungsunternehmen des Freistaats Sachsen. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) will deshalb verhindern, dass potenziell erfolgreiche Start-ups scheitern, weil es ihnen an Kapital fehlt.

Nicht älter als sieben

Der Hilfsfonds läuft unter sächsischer Flagge, mit 70 Prozent übernimmt aber der Bund den Hauptteil der Finanzierung. Der Freistaat ist mit 20 Prozent beteiligt, die MBG mit 10 Prozent. Insgesamt ist der Fonds auf eine Laufzeit von zwei bis drei Jahren angelegt.

Das Geld kommt also zu einem Großteil aus Steuermitteln, wobei die Verantwortlichen erwarten, dass sich ihre Beteiligung nach der Pandemie refinanzieren wird. „Es sind die jungen Start-ups, die mit ihren innovativen Geschäftsmodellen die Modernisierung unserer Wirtschaft vorantreiben“, so Dulig.

„Der Corona-Hilfsfonds ist kein Technologie-Gründerfonds“, betont MBG-Geschäftsführer Markus H. Michalow. Der Sinn sei nicht, Gründern Starthilfe zu leisten, sondern bestehende Start-ups zu unterstützen, die durch die Folgen der Pandemie Liquiditätsprobleme haben oder denen diese drohen. Voraussetzung sei, dass das Unternehmen nicht älter als sieben Jahre ist, aber bereits im Markt besteht.

Bis ein Start-up Gewinne abwirft, dauert es

Wer 2020 ein Unternehmen gegründet und noch keinen Gewinn erwirtschaftet habe, der sei eher ein Fall für bestehende Förderprogramme, so MBG-Geschäftsführer Michalow. Außerdem müssten die Start-ups „wissensbasiert und technologieorientiert“ arbeiten. Dazu gehören unter anderem auch ein funktionsfähiger Prototyp, Wachstumsaussichten und Nachwuchsförderung.

Auch der Standort zählt: Das jeweilige Unternehmen muss entweder seinen Verwaltungshauptsitz in Sachsen haben, dort schwerpunktmäßig Geschäfte betreiben oder mindestens die Hälfte der Vollzeitangestellten im Freistaat beschäftigen.

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Die Unternehmen stellen den Antrag bei der MBG. Wenn alle Bedingungen stimmen, steigt der Freistaat mit einer stillen Beteiligung von bis zu 800.000 Euro ein. Die einmalige Bearbeitungsgebühr liegt bei einem Prozent der Beteiligung, bei 800.000 Euro läge sie dementsprechend bei 8.000 Euro.

Jährlich zahlen die Unternehmen fixe sieben Prozent des Beteiligungsbeitrags als Zinsen an die Geldgeber. Hinzu kommt eine Zahlung in Höhe von einem Prozent dieses Betrags, die aber nur fällig, wird, wenn das Unternehmen auch Gewinn abwirft. Das ist aber nicht selbstverständlich. „Bis ein Start-up als junges Unternehmen Gewinne abwirft, kann es eine gewisse Zeit dauern“, erklärt Futuresax-Pressesprecher René Werner. Eigenmittel in Höhe von zehn Prozent des Gesamtfinanzierungsbedarfs werden vorausgesetzt.

Die Start-ups müssen bei der Antragstellung beweisen, dass ihr Unternehmen über einen eigenen Nachhaltigkeitsansatz verfügt. Dazu zählt auch, dass etwa das jeweilige Produkt umweltfreundlich produziert wird. Bietet das Start-up Dienstleistungen an und will gefördert werden, müssen auch diese Angebote umweltgerecht gestaltet sein.

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