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So kämpfen die Dynamos gegen die Hitze

Bei glühender Hitze zu trainieren, macht keinen Spaß und ist noch dazu gefährlich. Deshalb gibt es Änderungen im Programm.

Das Wasser fließt nicht nur in den Mund, sondern auch übers Gesicht. Jannik Müller erfrischt sich zwischen den Läufen mit gekühltem Wasser.
Das Wasser fließt nicht nur in den Mund, sondern auch übers Gesicht. Jannik Müller erfrischt sich zwischen den Läufen mit gekühltem Wasser. © dpa/Sebastian Kahnert

Von Daniel Klein und Luan Grassmel

Als der Kraftkreis nach gut einer Stunde beendet ist, schnappt sich Patrick Ebert die Wasserflasche und verteilt sie über seinen Kopf. Eine andere Möglichkeit, sich abzukühlen gibt es nicht. 32 Grad sind es am Dienstagnachmittag auf dem Trainingsplatz von Dynamo im Großen Garten. Die Einheit wurde von 14 auf 16 Uhr verschoben, der Hitze kann man dadurch zwar nicht aus dem Weg gehen, es aber zumindest ein ganz kleines bisschen erträglicher machen.

Es gibt noch weitere kleine Details, die diesmal anders sind. Der Kraftkreis wird entlang der Außenlinien des Übungsplatzes aufgebaut – dort, wo die Bäume ein bisschen Schatten spenden. Die Wasserflaschen stecken nicht in gewöhnlichen Pfandkästen, sondern in weißen Rollkoffern, die mit Eis gefüllt sind. Auch die parken im Schatten, dort stoppen die Spieler regelmäßig für eine kurze Trinkpause.

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„Der Wasserbedarf ist natürlich bei diesen Temperaturen höher als sonst“, erklärt Trainer Cristian Fiel. „Von daher ist es umso wichtiger, dass alle Spieler vor, während und nach dem Training möglichst viel Wasser zu sich nehmen, um die Speicher zu füllen.“ Neben dem Kraftkreis stehen an diesem Nachmittag 60-Meter-Sprints auf dem Programm. Auf den aufgebauten Lauf-Parcours ballert die Sonne direkt drauf. Fiel muntert die Profis immer wieder auf, nicht nachzulassen.

„Wir versuchen trotz der hohen Temperaturen, unser Trainingsprogramm durchzuziehen, werden aber situativ entscheiden, ob wir Anpassungen vornehmen müssen“, sagt Fiel. Infrage käme etwa „die Anzahl der Durchgänge oder die Dauer zu reduzieren“. Für den Mittwochnachmittag, den Höhepunkt der Hitzewelle, wurde erst gar keine Einheit angesetzt.

Das Problem hat natürlich nicht nur Dynamo. Bundesweit leiden die Zweitligisten, die alle schon in die Vorbereitung gestartet sind, unter den hohen Temperaturen. Die Erstligisten beginnen meist erst in der kommenden Woche mit dem Training. Vor einem Jahr erlitt Karim Bellarabi bei einem Testspiel gegen den Wuppertaler SV einen Kreislaufkollaps, verbrachte eine Nacht im Krankenhaus. RB Leipzig veränderte gegen den ZFC Meuselwitz die Spielzeiten. Statt zweimal 45 Minuten kickten die Teams dreimal 30 Minuten – jeweils mit Pausen dazwischen.

Training oder Testspiele komplett zu streichen, kommt aber kaum infrage, zu wichtig sind diese Wochen, in denen nicht nur das athletische Fundament für eine ganze Saison gelegt wird. „Und wer sagt mir, dass wir dasselbe Wetter nicht auch beim Punktspielstart haben?“, fragt Fiel. Die Spieler sollen und müssen sich auch an die Hitze gewöhnen.

Dass Partien wegen zu hoher Temperaturen abgesagt werden, kommt zumindest im Profibereich so gut wie nicht vor. Nur zusätzliche Trinkpausen werden erlaubt. Im Gegensatz zur Kälte werden bei Hitze keine Grenzwerte vorgeschrieben. Laut DFB sollen Spiele ab minus 15 Grad, bei starkem Wind bei minus zehn Grad, nicht angepfiffen werden. Für den Sommer gibt es zumindest eine Empfehlung der DFB-Kommission Sportmedizin. Die rät zu Spielverlegungen in die Abendstunden oder auf einen anderen Termin, wenn es im Schatten wärmer als 35 Grad ist, bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent gelten 32 Grad als Grenze.

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Professor Tim Meyer, Sportmediziner der Nationalmannschaft, rät vor allem davon ab, Anstoßzeiten in die Mittagszeit zu verlegen, um sich an die Bedingungen eines Pflichtspiels zur gleichen Zeit anzupassen. „Der Körper würde sich nicht wesentlich besser adaptieren, nur weil man mittags trainiert“, so Meyer.

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