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So kann die Dampfer-Rettung funktionieren

Zum zweiten Mal treffen sich die Anteilseigner im Hilton. Von ihrer Entscheidung hängt viel ab.

Die Rettung der Flotte ist das Thema bei der Außerordentlichen Gesellschafterversammlung am Freitag.
Die Rettung der Flotte ist das Thema bei der Außerordentlichen Gesellschafterversammlung am Freitag. ©  Christian Juppe

Es könnte alles ganz schnell gehen im Hilton: Tür zu zum Konferenzsaal um 14 Uhr, Begrüßung durch Verwaltungsratschef Ulrich Rothfischer, Abstimmung über Tagesordnungspunkt II, dann noch ein paar Hinweise unter „Sonstiges“, fertig. Eigentlich müssten die Anteilseigentümer der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) genau wissen, was sie bei der Außerordentlichen Gesellschafterversammlung am Freitag tun müssen. Sie sollen zustimmen zum „Restrukturierungskonzept“. So hat es ihnen die Geschäftsführung empfohlen und das unterstützt auch der Verwaltungsrat. Es gehe „um nichts Geringeres als um die Existenz der Gesellschaft“, heißt es in der Einladung.

Warum ist die Flotte in finanziellen Schwierigkeiten?

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Die Finanzberechnungen beruhen auf planmäßigem Schiffsbetrieb und den daraus resultierenden Einnahmen. Bei Niedrigwasser wie im vergangenen Jahr und aktuell können nicht alle Schiffe fahren, manche Strecken werden gar nicht bedient. Es fehlen die Ticketeinnahmen, so rutscht die Flotte ins Minus. Im vergangenen Jahr mussten außerdem zu den regelmäßigen Winterreparaturen noch neue Hilfsdiesel eingebaut werden. Die Abgase der alten Motoren, die den Strom für alle Einrichtungen an Bord produzieren, entsprachen nicht mehr den aktuellen EU-Regeln. Rund 800 000 Euro hat das gekostet. In der Bilanz für 2018 steht unterm Strich ein Verlust von mehr als 800 000 Euro. Nur durch einen Kredit konnte der Schiffsbetrieb zum Saisonbeginn 2019 finanziert werden.

Wie soll die Rettung der Firma funktionieren?

Die Berliner Firma „Restrukturierungspartner jwt“ hat ein Sanierungsgutachten erarbeitet und am 12. Juli bei der regulären Gesellschafterversammlung vorgestellt. Allein das habe bisher rund 170 000 Euro gekostet, erfuhren die Gesellschafter. Das Ergebnis: Sammelt die Flotte vier Millionen Euro ein, ist sie „mittelfristig durchfinanziert“. Das Geld soll zusammenkommen, indem die Anteilseigner auf die Auszahlung von Gewinnen verzichten, sofern es überhaupt welche gibt, bis zwei Millionen Euro angespart sind. Den anderen Teil würde der Freistaat über die Sächsische Aufbaubank (SAB) als Kredit beisteuern. Dabei sollen die 800 000 Euro angerechnet werden, die die SDS schon bekommen hat. Der Zins für diesen Kredit: bis zu neun Prozent.

Welche Chancen hat dieses Sanierungskonzept?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Anteilseigentümer zustimmen. Auch deshalb, weil sie um ihr eigenes Geld fürchten müssen, wenn die Dampfschifffahrt Insolvenz anmeldet. Allerdings wird ein Teil der Gesellschafter nur zähneknirschend zustimmen. Sie wollen mehr Mitspracherecht im Unternehmen, um künftig bei Fehlentwicklungen früher eingreifen zu können. Darum geht es aber in der Außerordentlichen Gesellschafterversammlung laut Tagesordnung nicht. Außerdem verlangt eine Gesellschaftergruppe, dass für den Kredit vom Freistaat dieselben Regeln gelten wie für ihr Geld. Sie stören unter anderem die hohen Zinsen für den Zwei-Millionen-Kredit.

Was passiert, wenn es keine Zustimmung gibt?

Dann müssen die 800 000 Euro, die das Unternehmen von der SAB bekommen hat, spätestens am 14. September zurückgezahlt werden. Außerdem gibt es den Zwei-Millionen-Euro-Kredit nicht, den der Freistaat in Aussicht gestellt hat. Dazu kommt noch, dass die Ostsächsische Sparkasse dann den Dispokredit des Unternehmens nicht verlängern würde. „Dies alles hat zur Konsequenz, dass die Gesellschaft spätestens 2020 zahlungsunfähig wird“, heißt es in einer neunseitigen Anlage, die mit der Einladung zu der Außerordentlichen Gesellschafterversammlung verschickt wurde.

Gibt es noch andere Rettungsideen für die Flotte?

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Die Berliner Gutachter haben sechs weitere Varianten geprüft. Nur eine davon könnte unter Umständen helfen. Keine Chance hat unter anderem die Übernahme der Werft, um dort Kosten zu sparen. Ebenfalls keine Chance hat der Verkauf und danach das Leasing der Schiffe. Auch der Verkauf der SDS-Tochterunternehmen ElbeZeit (Catering) und CrashIce (Personalagentur) hilft nicht. Er würde zu wenig Geld in die Kasse bringen. Schiffe abzugeben, hilft ebenfalls nicht, stellen die Berliner Berater fest. „Optimierungspotenziale“ sehen sie nur in dem Versuch, die Ausgaben der Flotte zu senken. Wie das geschehen könnte, soll noch untersucht werden.

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