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So klappt der Start in die Ausbildung

Ein Familienbetrieb im Osterzgebirge überlässt bei Auswahl und Vorbereitung der Lehrlinge nichts dem Zufall. Davon profitieren auch die jungen Anfänger.

Edwin Skowronski bekommt von René Ebert und Katharina Heber seine Berufsbekleidung – und wertvolle Tipps.
Edwin Skowronski bekommt von René Ebert und Katharina Heber seine Berufsbekleidung – und wertvolle Tipps. © Egbert Kamprath

Am Montag startet in Sachsen das neue Ausbildungsjahr. Wenn früh morgens der Wecker klingelt, ist auch für Edwin Skowronski aus Beerwalde der große Tag gekommen: Der 16-Jährige beginnt seine Ausbildung als Parkettleger bei der Firma „Reichelt – Die Einrichter“ in Ruppendorf. 

Um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn. Nach einer Einweisung von Ausbilder René Ebert geht es für den 16-Jährigen vermutlich direkt ab auf Baustelle – so wie für viele andere Lehrlinge kreisweit. Möglichst gleich von Anfang an praxisnah auszubilden, ist dem Ruppendorfer Betrieb wichtig. „Es gibt hier keine Lehrwerkstatt, der Praxisteil wird hauptsächlich auf der Baustelle mitgelernt“, sagt Katharina Heber, die im Unternehmen für den Bereich Ausbildung zuständig ist.

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Davon, wie es auf der Baustelle läuft, hat sich Edwin Skowronski mehrfach überzeugt. Im Vorfeld war er schon in Ferienarbeit bei Reichelts. „Die neuen Kollegen haben mir gut gefallen, und auch, mit den Händen zu arbeiten“, sagt der 16-Jährige. Ein Bürojob käme für ihn nicht infrage, so der Beerwalder. Schon einmal unter realen Bedingungen mit angepackt zu haben, Abläufe und Kollegen grob zu kennen, ist wichtiges Kriterium im Bewerbungsverfahren des Ruppendorfer Familienbetriebs.

So können beide Seiten sehen, ob es für sie passt, uns es gibt keine Überraschungen nach dem Ausbildungsbeginn, sagt René Ebert. Denn immer wieder Abbrecher zu haben, könne sich ein kleiner Betrieb über kurz oder lang einfach nicht leisten.

Zur Berufsschule gehen wird Edwin Skowronski in Plauen. Pro Jahr gibt es sachsenweit eine Klasse, mit etwa 20 Schülern, weiß Katharina Heber. Obwohl die Ausbildung zum Parkettleger nicht zu den beliebtesten gehört, hat der Ruppendorfer Betrieb keine Probleme, seine Lehrstellen in dem Bereich zu besetzen. Vor allem seit Katharina Heber auf die Berufsmessen an den Schulen in der direkten Umgebung geht – in Schmiedeberg, Klingenberg und Freital – steigt die Zahl der Bewerbungen.

Auch Mund-zu-Mund-Propaganda hilft dem Familienunternehmen und natürlich die Platzierung der freien Lehrstellen auf den einschlägigen Portalen. „Wir haben mehr Anfragen, als wir unterbringen können“, freut sich Katharina Heber. Was sie aber feststellt: „Die Jugendlichen können sich bei vielen handwerklichen Berufen nicht vorstellen, was dahinter steckt und was sie später machen sollen oder lernen.“ Und oftmals sträuben sich auch die Eltern gegen die Berufsentscheidung des Nachwuchses.

Dem Image des schlecht bezahlten Knochenjobs möchten Reichelts entgegenwirken. „Wir halten uns seit 2018 nicht mehr an die Empfehlung der Agentur für Arbeit über die Ausbildungsvergütung und bezahlen schon jetzt mehr als den sogenannten Mindestlohn für Azubis“, sagt Ausbildungsbeauftragte Katharina Heber.

Bei der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Dresden – zu der die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Meißen, Bautzen, Görlitz sowie die Landeshauptstadt Dresden gehören – werden freie Lehrstellen angeboten. Wie viele davon unbesetzt bleiben, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, erklärt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. 

„Täglich erreichen die Handwerkskammer Dresden neue Lehrverträge. Abgerechnet wird zum Ende des Jahres.“ Fest steht aber, es gibt einen positiven Trend: 2.053 Frauen und Männer haben 2018 eine Ausbildung in einem ostsächsischen Handwerksbetrieb begonnen, zum Jahreswechsel 2012/13 waren es noch 1.743. „Trotz dieser steigenden Zahlen bleiben weiterhin Lehrstellen unbesetzt“, sagt Andreas Brzezinski. Nach wie vor entscheiden sich viele für ein Studium, auch die demografische Entwicklung sei eine große Herausforderung für das Handwerk. Größere Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden, habe vor allem das Nahrungsmittelhandwerk wie Fleischer oder Bäcker sowie der Baubereich – vor allem im ländlichen Raum.

Unter www.hwk-dresden.de/einfachmachen können Interessierte gezielt nach der passenden Lehrstelle, einem Praktikum oder Ferienarbeit suchen.

Wer sich noch nicht ganz sicher ist: Tipps zur Suche nach einem Ausbildungsplatz gibt die Agentur für Arbeit. Kontakt für die Region Freital/Dippoldiswalde unter Telefon 0351 64100317.

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