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So klappt der Urlaub im Autodach

Angesichts überfüllter Campingplätze ist ein Dachzelt eine preiswerte Alternative. Es gibt aber auch hier Einschränkungen für Standorte und Lasten.

Das Zelt wird beim Land Rover Defender aus einer auf der Reling montierten Transportkiste gekurbelt.
Das Zelt wird beim Land Rover Defender aus einer auf der Reling montierten Transportkiste gekurbelt. © dpa

Das Camping auf dem Autodach erfreut sich wachsender Beliebtheit, sagt Dag Rogge. Mit seiner Agentur APS organisiert er weltweite Abenteuertouren auf vier Rädern. Doch seit Corona viele Reisepläne durcheinandergewirbelt hat, erfreut sich der Trend auch in Deutschland und den Nachbarländern besonderer Beliebtheit. Denn zum Boom für Outdoor-Aktivitäten kommt jetzt noch der Run aufs Camping.

Dabei ist das Dachzelt eine echte Alternative zu Wohnwagen oder Wohnmobil. Erstens kostet es nur ein Bruchteil, zweitens kann es mit nahezu jedem Fahrzeugtypen kombiniert werden. Und drittens ist es nach dem Urlaub schnell wieder demontiert und in der Garage verschwunden, sodass man den Rest des Jahres nicht mit dem Ballast der Ferien fährt.

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Das Angebot ist groß und die Preisspanne auch. „Neben unterschiedlichen Arten der Montage mit aufblasbaren Stützen, Schnappmechanismen oder Gestänge zum Kurbeln gibt es auch zahlreiche verschiedene Formate“, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigen-Vereinigung Küs. Nur eines ist allen gemein: Montiert werden sie wie ein Dachgepäckträger oder eine Skibox in den entsprechenden Aufnahmepunkten des Wagens.

Wer ganz sichergehen will, dass Zelt und Auto zusammenpassen, der kann sein mobiles Ferienheim nicht nur beim Outdoor-Ausrüster und Abenteuer-Ausstatter bestellen, sondern auch beim Autohändler. Vor allem für ihre Geländewagen bieten viele Hersteller entsprechendes Zubehör über ihre Partner, Niederlassungen und Händler an. So hat Mitsubishi nach Angaben von Sprecher Jörg Machalitzky gerade für den Pick-up L200 ein Dachzelt vorgestellt, das für rund 3.500 Euro sogar zwei Etagen bietet: Nachdem die Stützschläuche mit einer Pumpe binnen weniger Minuten aufgeblasen sind, spannt sich der Schlafbereich übers Dach, und auf der Pritsche entsteht eine Art Wohnzimmer.

Dachzelte gab's schon für Trabis

Wer jetzt den neuen Land Rover Defender bestellt, kann nicht nur ab Werk eine in der Flanke integrierte Klappleiter ordern, mit der er dem Geländewagen aufs Dach steigen kann. Die Briten bieten zudem laut Sprecher Michael Küster für knapp 4.000 Euro ein geräumiges Zelt an. Das wird per Kurbel aus einer auf der Reling montierten Transportkiste geleiert. Selbst im Zubehörprogramm für den Mini Countryman wird man fündig, wie die BMW-Tochter mitteilt.

Dass Dachzelte nicht nur etwas für Offroader ist, hat dabei kein geringeres Auto bewiesen als der Trabant. „Pension Sachsenruh“ war der liebevolle Kosename für ein Dachzelt, mit dem die DDR-Bürger so oft auf Reisen gingen, dass es zu einem ikonischen Bild der Wendezeit wurde.

Zwar schmeckt das Dachzelt nach Freiheit und Abenteuer, und in der Wildnis erhöht es tatsächlich die Flexibilität bei der Reiseplanung. Doch in Deutschland gelten dafür im Grunde die gleichen Regeln wie für Wohnmobile und Wohnwagen: Man darf es nicht uneingeschränkt nutzen oder einfach überall damit stehen bleiben.

Auf die Auto-Dachlast achten

Campen, so erklärt der ADAC, ist in Deutschland nur auf Campingplätzen erlaubt. Doch „zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit“ dürfe man überall dort parken, wo es die Verkehrsregeln erlauben – und dann auch die Schlafmöglichkeiten im oder auf dem Wagen nutzen. Große Installationen ums Fahrzeug herum, Kochstellen oder Campingliegen sind aber tabu. „Oder man fragt einfach einen Bauern und stellt sich auf Privatgrund“, rät Rogge: „Wer nett „Bitte“ sagt und seine Hinterlassenschaften wieder mitnimmt, findet so in der Regel schnell einen Stellplatz.“

Dabei bietet das Dachzelt auch gegenüber dem Bodenzelt ein paar Vorteile, sagt Rogge: Man muss es nicht selbst schleppen, es ist in der Regel viel schneller aufgebaut, Matratze, Schlafsack und Kissen liegen schon bereit, und ohne direkten Kontakt mit Gras oder Erde bleibt es auf dem Dach sauber. Außerdem schaffen es Ameisen oder Regenwürmer nicht so leicht in die Bettwäsche.

Es gibt jedoch technische Einschränkung, mahnt Rogge: Die Dachlast des jeweiligen Fahrzeugs. Von Werten, die üblicherweise weit unter 100 Kilo lägen, dürfe man sich allerdings nicht abschrecken lassen. Denn es gelte, zwischen der dynamischen und der statischen Dachlast zu unterscheiden. Beim Fahren ist sie viel geringer, weil das hohe Gewicht so weit oben den Schwerpunkt und damit die Straßenlage des Autos beeinflusst. 

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Im Stand dagegen geht es allein darum, wie viel Gewicht diese Karosserie ohne Schaden tragen kann, sagt Rogge: „Und das reicht in der Regel locker für das Zelt und zwei Schläfer. Erst recht bei Geländewagen, die eigens dafür häufig ein verstärktes Dach haben.“ So nennt zum Beispiel Land Rover für den neuen Defender eine statische Dachlast von 300 Kilo und ermöglicht damit sogar einen Familienurlaub auf dem Auto.

Zwar ermöglicht das Dachzelt gerade in Corona-Zeiten neue Urlaubserlebnisse und kleine Fluchten aus dem Alltag. Doch hat der Boom für Dachzelte auch einen Nachteil: Die Hersteller kommen mit der Lieferung kaum hinterher.

Rogge hat aus dieser Not gemeinsam mit Land Rover eine Tugend gemacht: Wer bei Land Rover für Preise ab 99 Euro am Tag den neuen Defender mietet, bekommt ab 135 Euro pro Wochenende auch ein Outdoor-Penthouse dazu – Campingmöbel und Kühlschrank inklusive. So kann zugleich jeder mal ins Abenteuer schnuppern, bevor er sich für mehrere Tausend Euro eine textile Immobilie aufs Dach schraubt. (dpa)

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