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PLUS Plus Bautzen

So könnte der Busverkehr besser funktionieren

Schnell und nach festem Takt zwischen zentralen Orten unterwegs – so ist der Plan für den Busverkehr, der aber ein paar Tücken birgt.

Von Tilo Berger
 4 Min.
Die Linie 120 Bautzen–Kamenz soll zu den ersten im Landkreis gehören, auf denen ab Dezember 2019 Plus-Busse fahren.
Die Linie 120 Bautzen–Kamenz soll zu den ersten im Landkreis gehören, auf denen ab Dezember 2019 Plus-Busse fahren. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mal zehn nach um, mal zehn vor halb, mal genau halb – die Abfahrtszeiten für die Buslinie 102 am Bautzener Busbahnhof sind nicht gerade leicht zu merken. Dort startet die Buslinie nach Kamenz und wieder zurück. Immerhin fährt auf der Strecke tagsüber fast jede Stunde ein Bus. Auf anderen Linien sieht es schlechter aus. Zwischen Bautzen und Weißenberg beispielsweise gibt es in Ferienzeiten nur sechsmal am Tag eine Busverbindung.

Doch das soll sich ändern. Besseren und unkomplizierteren Nahverkehr haben sich in Sachsen alle Verantwortlichen auf die Fahnen geschrieben – vom Wirtschafts- und Verkehrsministerium bis zu den Landkreisen. Wie das gehen kann, macht der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) im Raum Leipzig/Halle vor. Der Verbund hat 37 Buslinien geschaffen, die zentrale Bahnhöfe und größere Orte miteinander verbinden – mit kurzen Übergangszeiten zwischen Zug und Bus, schnell und nach einem festen Takt. Wer beispielsweise mit dem Bus von Delitzsch nach Schkeuditz will, muss sich nur eine Uhrzeit merken: Immer zur 46. Minute einer Stunde fährt der Bus vor dem Unteren Bahnhof in Delitzsch ab. 15 Mal am Tag; sonnabends, sonn- und feiertags nicht ganz so oft. Unterwegs hält der Bus in allen Orten und am Flughafen Leipzig/Halle, nimmt aber keine großen Umwege.

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Einheitliches Logo

Plus-Bus nennt der MDV dieses System, das jetzt zum Vorbild für ganz Sachsen werden soll. Auch im Osten des Freistaats brüten die Verkehrsverbünde Oberelbe (VVO) und Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) zusammen mit den Verantwortlichen in den Landratsämtern über dem künftigen Netz der Plus-Busse. Diese sollen alle mit einem einheitlichen Logo fahren – einem Kreis mit dem Wort Bus darin und einem Plus in der linken oberen Ecke. Im VVO sind diese Busse schon auf vier Linien zu sehen, so zwischen Dresden und dem Kurort Altenberg im Osterzgebirge.

Im Landkreis Bautzen sollen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 die ersten vier Plus-Bus-Linien an den Start gehen, erklärt Zvon-Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer. Und zwar rollen die Busse mit dem Plus zunächst auf den Linien mit den Fahrplannummern 101 Bautzen–Wilthen–Steinigtwolmsdorf, 102 Bautzen–Kamenz, 112 Bautzen–Sohland–Wehrsdorf und 305 Bischofswerda–Großröhrsdorf–Dresden. Ab Dezember 2020 sollen vier weitere Linien dazukommen: 103 Bautzen–Hoyerswerda, 108 Bautzen–Weißenberg, 120 Bautzen–Großpostwitz–Oppach und 182 Bischofswerda–Kamenz–Hoyerswerda. Im Nachbarkreis Görlitz ist als eine der ersten Plus-Bus-Linien die Verbindung zwischen Löbau und Zittau im Gespräch – dies würde beispielsweise auch die Reisezeit verkürzen für Bautzener, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Zittau wollen.

Zubringerlinien müssen geschaffen werden

Warum die Plus-Busse auf einigen Linien nicht schon früher an den Start gehen, erklärt der Zvon-Geschäftsführer am Beispiel der 103 Bautzen–Hoyerswerda. Zurzeit brauchen die Busse zwischen beiden Städten etwa eine Stunde und zehn Minuten, weil sie unterwegs noch die Kurve über Neschwitz und Knappenrode machen. Der Plus-Bus soll Bautzen und Hoyerswerda aber auf der schnellstmöglichen Strecke verbinden – auf der Bundesstraße 96. Dann muss also der Busverkehr im Raum Neschwitz neu organisiert werden – mit Anschluss an den Plus-Bus auf der B 96. Sarah Günther vom Landratsamt spricht von der „Notwendigkeit, neue Zubringerlinien zu den Plus-Bus-Linien zu schaffen“.

Zvon-Geschäftsführer Pfeiffer rechnet damit, dass die ersten acht Plus-Bus-Linien im Kreis Bautzen auch über das Jahr 2021 hinaus Bestand haben. Danach ist gut möglich, dass weitere hinzukommen. Zurzeit nimmt der Landkreis nämlich sein gesamtes Busnetz unter die Lupe und prüft, ob die Verbindungen aus den 1990er-Jahren noch die aktuellen Wünsche der Reisenden erfüllen können. Ab 2022 soll der Busverkehr im Kreis neu organisiert werden.

Bei alledem gilt es noch eine Tücke zu berücksichtigen: Viele Bus-Abfahrtszeiten richten sich nach dem Schülerverkehr. Dieser wiederum richtet sich nach dem Beginn oder Ende des Unterrichts. Nun sollen Plus-Busse im 60-Minuten-Takt fahren, Schulstunden sind aber 45 Minuten lang – hier ist viel Abstimmungsbedarf absehbar. „Vielleicht wäre es hilfreich, wenn manche Schule ihren Unterricht zeitlich ein wenig verlegt“, sagt der Zvon-Geschäftsführer.

Vorerst ist Pfeiffer froh, im Dezember dieses Jahres mit vier Plus-Bus-Linien im Kreis Bautzen starten zu können. Was ohne Hilfe des Freistaates nicht möglich wäre: Für jeden Plus-Bus-Kilometer zahlt das sächsische Wirtschafts- und Verkehrsministerium 1,80 Euro Zuschuss.

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