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„So konnte ich nicht Fußball spielen“

Dynamo-Kapitän Marco Hartmann müsste längst wieder auf dem Platz stehen. Doch erneut kam eine Verletzung dazwischen. Im Interview erklärt er die Hintergründe.

Immer noch in Zivil im Stadion: Marco Hartmann erlebt Dynamos Saisonstart als Zuschauer. Im Interview nennt der 31-Jährige den Grund.
Immer noch in Zivil im Stadion: Marco Hartmann erlebt Dynamos Saisonstart als Zuschauer. Im Interview nennt der 31-Jährige den Grund. © Karina Hessland-Wissel

Herr Hartmann, was überwiegt: Die Freude über den ersten Saisonsieg oder der Ärger, dass Sie verletzungsbedingt Zuschauer sind?

Absolut die Freude. Es war ja schon etwas Druck auf dem Kessel. Extern haben viele darüber philosophiert, was richtig ist und was wir anders machen sollten. Meine Situation war dagegen klar: Ich wusste, dass ich die ersten Spiele nicht dabei sein kann.

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Nach einer zu Beginn der Vorbereitung erlittenen Muskelquetschung haben Sie im Trainingslager vor anderthalb Monaten fast schon wieder mit der Mannschaft trainiert. Doch nun fehlen Sie immer noch. Was ist da schiefgelaufen?

Schiefgelaufen ist bei der Behandlung nichts. Trotzdem müsste ich etwas weiter ausholen, damit man die Hintergründe verstehen und nachvollziehen kann.

Kein Problem, wir sind gespannt.

Anfang Juli habe ich im Training die Muskelquetschung erlitten. Bei dem Zusammenprall mit einem Mitspieler ist außerdem die Membran zwischen Schien- und Wadenbein, die bei mir aufgrund verschiedener Vorverletzungen an einer kleinen Stelle verknöchert ist, an genau der Stelle gebrochen. Dieser Bruch hat zwar die Stabilität des Beines nicht beeinträchtigt, mir aber so starke Schmerzen bereitet, dass ein Weitertrainieren unmöglich war. Deshalb musste ich nach dem Trainingslager wieder eine Ruhepause einlegen. Ich durfte nicht laufen, aber immerhin Fahrradfahren und Krafteinheiten absolvieren. Das habe ich jetzt dreieinhalb Wochen sehr intensiv gemacht.

Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin komplett schmerzfrei. Seit vergangener Woche darf ich wieder laufen, war am Montag zum ersten Mal wieder auf dem Platz und habe eine submaximale Einheit mit Tempoläufen, Sprüngen über Hürden und Pässen absolviert – auch alles komplett schmerzfrei.

Ist das der Unterschied zu früher: Dass Sie vor zwei, drei Jahren über den Schmerz hinweggegangen wären und diese Ruhepause nicht eingelegt hätten, aufgrund Ihrer langen Verletzungsgeschichte nun aber behutsamer mit sich umgehen?

Nein, da gibt es keinen Unterschied. Die Schmerzen waren so groß, das wäre vor zwei, drei Jahren nicht anders gewesen. Ich habe natürlich auch schon bei Verletzungen weitergespielt. Dafür entwickelt man ein Gespür, ob das geht oder nicht. Diesmal konnte ich beispielsweise keine Abstoppbewegungen mehr machen. Dann musst du aufhören.

Konnten Sie das so leicht akzeptieren, wie sich das jetzt anhört?

Natürlich ist das schwer, aber ich hatte keine Wahl. So konnte ich schließlich nicht Fußball spielen. Also hatte ich es zu akzeptieren – auch wenn ich im ersten Moment schon schlucken musste, als klar war, dass ich sechs Wochen pausieren muss.

Ihre Verletzungsgeschichte ist eine schier endlose.

Ich hatte mal eine Phase mit relativ vielen Muskelverletzungen. Zu der Zeit habe ich mir einige Gedanken gemacht. Die letzten drei Verletzungen, die mich die vergangene Saison gekostet haben, waren dagegen richtig blöde Zufälle. Das waren Situationen, in denen ich einfach Pech hatte – wie jetzt bei dem Zusammenprall, als ausgerechnet die verknöcherte Stelle betroffen war. Zehn Zentimeter weiter wäre gar nichts passiert. Doch das ist auch die gute Nachricht: Gegen Pech lässt sich präventiv schließlich nichts machen.

Wann können Sie wieder spielen?

Wenn ich schmerzfrei bleibe – wovon ich ausgehe, weil so ein Bruch nach sechs Wochen verheilt sein sollte –, bin ich in zwei Wochen komplett einsatzfähig. Rein theoretisch könnte ich schon jetzt wieder einsteigen. Aber das macht keinen Sinn.

Marco Hartmann beim Mannschaftsfoto-Termin am 1. Juli 2019 im Dynamo-Dress.
Marco Hartmann beim Mannschaftsfoto-Termin am 1. Juli 2019 im Dynamo-Dress. © Robert Michael/dpa

Warum?

Ich bin sechs Wochen raus aus dem Mannschaftstraining und habe in der Zeit vor allem auf dem Fahrrad trainiert. Da muss mein Körper sich erst mal wieder an den Platz gewöhnen. Rein muskulär ist die Belastung natürlich beim Laufen auch eine andere als auf dem Fahrrad. Insofern denke ich, dass die anvisierten zwei Wochen ein guter Zeitraum sind.

Inwieweit haben Sie in den vergangenen Wochen als Kapitän, der verletzt fehlt, Einfluss nehmen können oder sogar müssen?

Ich versuche, so oft wie möglich bei der Mannschaft zu sein. Wenn die Jungs trainieren, mache ich die Reha. In der Kabine sind wir dann zusammen. Ich habe zudem keine Videositzung verpasst, führe Gespräche mit dem Trainer und den Jungs, frage nach, wie sich das neue System anfühlt, helfe dabei, Probleme zu lösen. Ich bin ja in der Phase meines Ausfalls eine Art externer Betrachter und Berater gewesen.

Und was haben Sie gesehen?

Es war spannend zu verfolgen, wie die Jungs die Ideen des Trainers mit großer Lust aufgenommen haben und wie gut sie diese auch schon umsetzen. Trotzdem hatten wir in den ersten zwei Ligaspielen keinen zählbaren Erfolg, standen ohne Punkte da. Sofort kam Druck von außen. Und was der verursachen kann, haben wir dann im Pokal gegen Dassendorf gesehen. Gerade in der ersten Halbzeit gab es sehr viele Unsicherheiten. Dennoch haben wir am Ende 3:0 gewonnen. Das war genauso wichtig wie der Sieg gegen Heidenheim. Trotzdem gibt es Punkte, die wir besser machen müssen. Das sieht der Trainer, und das wissen die Spieler.

Welche Punkte sind das?

Das letzte Drittel vor dem gegnerischen Tor ist zum Beispiel ein ganz entscheidender Punkt. Aus der Dominanz im Mittelfeld müssen wir auch eine Dominanz an hochkarätigen Torchancen erzeugen. Ich glaube, bis zu dem Punkt ist es gar nicht mehr so weit. Wir werden zu unseren festen Abläufen finden.

Wenn Sie von der Tribüne zuschauen, sehen Sie da auch einen Platz für sich in der Startformation?

Aus heutiger Sicht wäre es vermessen zu sagen, dass ich in zwei Wochen wieder von Anfang an dabei sein möchte. Ich muss jetzt trainieren, wieder meinen Rhythmus finden. Ich denke aber, dass ich in den ersten zwei Wochen vor meiner Verletzung schon einen guten Eindruck im Training hinterlassen habe, sowohl körperlich als auch spielerisch.

Eher im defensiven Mittelfeld, wo Jannis Nikolaou und Dzenis Burnic ein zunehmend besser eingespieltes Duo bilden, oder im Abwehrzentrum anstelle des 18-jährigen Kevin Ehlers, der immerhin Florian Ballas aus der Stammelf verdrängt hat?

Zum einen in der Abwehr-Dreierkette, sowohl zentral als auch auf den Halbpositionen, und zum anderen im defensiven Mittelfeld. Ich bin davon überzeugt, dass ich Qualitäten habe, die der Mannschaft guttun. Einen großen, zweikampfstarken Spieler kann man schließlich immer mal ganz gut gebrauchen.

Uwe Neuhaus hat mal gesagt, ein Marco Hartmann spielt immer. Gilt der Satz immer noch?

Kann sein, dass er das mal gesagt hat. Aber davon gehe ich gar nicht aus. Bei Fielo muss sich jeder Woche für Woche immer neu beweisen. Das ist gut so, und das werde ich tun.

Nach drei Spielen: Was, glauben Sie, ist für Dynamo drin in dieser Saison?

Wir haben sehr viele gute, qualitativ gleichwertige Spieler. Wir tun gut daran – auch wenn ich diesen Ausspruch nicht so gern habe – von Spiel zu Spiel zu denken. Das ist wirklich so. Am Freitag spielen wir in Darmstadt und wollen dort gewinnen. Diese Qualität haben wir.

Und was nehmen Sie sich ganz persönlich vor?

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Ich möchte in dieser Saison gerne wieder ein wichtiger Teil der Mannschaft sein. Das ist mein Ziel: wieder reinzukommen, Woche für Woche die Chance haben, spielen zu dürfen und Leistung zu bringen. Erst im Training und dann auch wieder im Spiel.

Das Interview führte Tino Meyer.

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