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So läuft das Corona-Abi in Meißen

Die ersten Prüfungen sind jetzt am Franziskaneum geschrieben worden. Unter sehr speziellen Umständen.

In Corona-Zeiten ist Abschreiben komplett unmöglich. Ein Blick in das Physik-Prüfungszimmer am Freitagmorgen im Meißner Gymnasium Franziskaneum.
In Corona-Zeiten ist Abschreiben komplett unmöglich. Ein Blick in das Physik-Prüfungszimmer am Freitagmorgen im Meißner Gymnasium Franziskaneum. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wenigstens ist es hell. 14 Abiturienten haben sich am Freitagmorgen, 7.15 Uhr, auf dem Hof des Meißner Gymnasiums Franziskaneum versammelt. "Hoffentlich kommt ein ähnliches Experiment dran, wie in der Vorprüfung", sagt einer der Zwölftklässler. Begriffe wie E-Lehre, Modellieren und Optik schwirren durch die Luft. Der eine würde diesen Fachbereich als Prüfungsfrage bevorzugen, der nächste ein anderes Gebiet. Schnell werden noch ein paar Rechentipps gegeben. Von den Lehrern kommt der Hinweis, den gebotenen Abstand zu halten.

An der Meißner Schule beginnen an diesem Tag die schriftlichen Prüfungen. Insgesamt 85 Jugendliche werden in den nächsten Wochen nach einem ausgeklügelten Plan ihre Abschlüsse machen. Leiterin Heike Zimmer und ihr Kollegium haben seit den Osterferien dafür gesorgt, dass die geltenden Auflagen umgesetzt wurden. Der Förderverein spendete einen kompletten Satz Abi-2020-Masken. Über Stühle geknüpfte Absperrbänder sorgen im Schulhaus für getrennte Wege. Die Türen zu den Toiletten stehen offen. Niemand soll unnötig Klinken berühren. Im Vorhinein wurde abgeklärt, welche Schüler zu Risikogruppen zählen, ob sie eventuell allein schreiben oder bestimmt Plätze zugewiesen bekommen müssen.

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Im Gänsemarsch und mit den entsprechenden Lücken begeben sich die Franziskaner vom Hof zu ihren Prüfungszimmern. Erst wenige Minuten zuvor haben Heike Zimmer und ihre Kollegen die Umschläge mit den Prüfungsaufgaben geöffnet. "Also ich konnte es rechnen", scherzt Physik-Lehrerin Manuela Kutschker. Über drei Ausgangssperre-Wochen hinweg hat sie sich jeden Vormittag für mindestens anderthalb Stunden mit den angehenden Abiturienten auf der Internet-Plattform Discord getroffen.

"Wir konnten uns wahrscheinlich intensiver vorbereiten, als die Jahrgänge vor uns", sagt Prüfling Max. Die Jugendlichen konnten sich ganz auf ihren Leistungskurs konzentrieren. Der Unterricht in nebensächlichen Fächern unterblieb. Es entstand eine virtuelle Lerngemeinschaft, in der die Schüler der Lehrerin bei technischen Fragen auf die Sprünge halfen und in der anderen Richtung Fragen ganz direkt und indviduell beantwortet werden konnten.

Intensiver als vorherige Jahrgänge

Angekommen in den Prüfungszimmern werden die Fenster aufgerissen, Brotbüchsen, Kaffeebecher und Red-Bull-Dosen ausgepackt. Erlaubt ist, was schmeckt und hilft. Die 14 Abiturienten sitzen in zwei Gruppen aufgeteilt in zwei Zimmern. Jeweils zwei Lehrer kümmern sich darum, dass alles mit rechten Dingen zugeht - zum Beispiel beim Toilettengang. "Wir wollen es jetzt eigentlich nur noch weg haben", sagt eine Schülerin. Der Druck und die Unsicherheit der letzten Wochen haben wohl ihre Spuren hinterlassen. Das Abitur 2020 wird allen nachhaltig in Erinnerung bleiben. 

Klinisch sauber, und trotzdem dürften die Abiturienten ins Schwitzen kommen: Die Tische für die Leistungskursler Physik im Meißner Gymnasium Franziskaneum.
Klinisch sauber, und trotzdem dürften die Abiturienten ins Schwitzen kommen: Die Tische für die Leistungskursler Physik im Meißner Gymnasium Franziskaneum. © Claudia Hübschmann

Vor der Prüfung ist nach der Prüfung. Schulleiterin Heike Zimmer blickt in die Zukunft. Über die Abiturienten soll der Rest der Schüler nicht vergessen werden. Die Lehrerschaft arbeitet darauf hin, Anfang Mai die Elftklässler wieder in den analogen Schulbetrieb einzugliedern. Wie können sie räumlich getrennt werden? Wie viel Personal wird dafür nötig sein? Kann die Mensa ihren Betrieb aufnehmen? Fragen über Fragen, welche in den nächsten Tage zu beanworten sind. Womit noch nicht einmal geklärt ist, wie es mit den restlichen sechs Klassenstufen weitergeht.

Den dritten Arbeitsschwerpunkt neben Abi und zaghaftem Neustart bildet die Analyse des Heimunterrichts während der vergangenen Wochen. Von Eltern und Schülern gebe es bereits umfangreiche Rückmeldungen, sagt die Gymnasiumschefin. Trotzdem wolle sie sich nochmals explizit mit einer Anfrage an die Eltern wenden, wie diese die Zeit erlebt hätten. 

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Erneut gibt es viele Fragen: Reicht die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern aus? Wie kann vielleicht auch der Austausch zwischen den Schülern selbst belebt werden? Welche Online-Plattformen eignen sich zum Lernen? War die Zahl der Aufgaben gut bemessen oder übertrieben? "Für uns ist das ein großer Lernprozess", sagt Heike Zimmer. Ihr Ziel sei es, eine Art Handbuch zu schaffen, das die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasse und eine Plattform zu organisieren, auf der Lehrer, welche fit auf dem Gebiet des interaktiven Lernens im Internet sind, ihr Wissen und Können den Kollegen mitteilen.

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