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Bautzen

So läuft der Kampf gegen die Schweinepest

Im Landkreis Bautzen probt Sachsen den Ernstfall. Dafür wird ein Wald zum Sperrbezirk.

Mitarbeiter des Veterinäramtes des Landkreises Bautzen bauten in Schirgiswalde probehalber einen Elektrozaun auf. Getestet wurde das Vorgehen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest.
Mitarbeiter des Veterinäramtes des Landkreises Bautzen bauten in Schirgiswalde probehalber einen Elektrozaun auf. Getestet wurde das Vorgehen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die drei toten Frischlinge lagen auf einer Lichtung bei Neuschirgiswalde. In der Veterinär-Behörde des Landratsamtes Bautzen läuteten erst das Telefon und dann die sprichwörtlichen Alarmglocken: Verendeten die Tiere etwa an der Afrikanischen Schweinepest? Den Kadavern wurde Blut entnommen, wenig später geriet die Vermutung zur Gewissheit: Die für Haus- und Wildschweine tödliche Seuche hat den Landkreis Bautzen erreicht ...

Nein, das hat sie in Wahrheit noch nicht. Das Szenario mit den drei toten Frischlingen diente nur als Anlass für eine groß angelegte Übung am Mittwoch im Wald bei Neuschirgiswalde. Doch die Gefahr rückt näher. Vor wenigen Tagen wurde das Virus bei einem verendeten Wildschwein in der Nähe des polnischen Ortes Nowogrod Bobrzanski nachgewiesen. Das ist nur noch 42 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Und die Neiße „ist für Wildschweine ein Klacks“, sagte in Neuschirgiswalde Steffen Rüger vom Veterinäramt des Landkreises Bautzen.

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Ganz Sachsen wappnet sich bereits für den möglichen Ausbruch der Krankheit. „Wir spielen das gesamte Szenario durch, so als würde es einen Fall geben“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums.

Den Auftakt machte am Montag die Landesdirektion Dresden mit der Einrichtung eines Krisenstabes und der Aktivierung des Landestierseuchenbekämpfungszentrums. Dieses koordiniert im Fall eines Ausbruchs sämtliche Maßnahmen. Am Dienstag wurde bei Leipzig die Suche von Wildschwein-Kadavern geübt, dazu kamen auch Drohnen und Wärmebildkameras zum Einsatz.

Immer mit dabei: Tierärzte, Jäger, Landwirte und Amtsvertreter aus dem gesamten Freistaat Sachsen und aus Südbrandenburg. Am Mittwochmorgen fanden sich alle in Neuschirgiswalde ein. Hier ging es darum, um die – angenommene – Fundstelle der toten Frischlinge einen Sperrbezirk zu errichten. Sachgebietsleiter Norbert Bialek vom Bautzener Landratsamt erklärte, was darunter zu verstehen ist: In einem Abstand von etwa 500 Metern wird die Fundstelle umzäunt und damit isoliert. Der Elektrozaun rund um die Fundstelle soll im wahrsten Sinne des Wortes kein Schwein durchlassen. Zusätzlich soll ein Duft-Schaum die Tiere abschrecken. Norbert Bialek gab davon nur eine kleine Probe zu riechen – die genügte vollkommen.

Vorbereitet auf die Krise

Bei der Übung am Mittwochvormittag wurde nicht der komplette Sperrbezirk eingezäunt, ein paar hundert Meter genügten als Demonstration. Die Strecke hier war halbwegs ebenerdig, doch im Ernstfall geht es mit dem Zaun auch bergauf, bergab. Mitarbeiter des Straßenbauamtes liefen vorweg und räumten Gras und Zweige beiseite, ihnen folgten die Veterinäre mit dem Zaun. Diesen hatte das zuständige Landratsamt Meißen mit in die Oberlausitz gebracht. Denn der Zaun, insgesamt 25 Kilometer lang, lagert in einem Container in der Tierbeseitigungsanstalt in Lenz bei Großenhain. Von dort aus kann der Container im Einsatzfall überall hin gebracht werden. Der Strom für den Elektrozaun kommt aus einem Solar-Paneel. Und scheint keine Sonne, kann eine Batterie immerhin 26 Tage lang für Elektroenergie sorgen. Noch weiß niemand, wie lange der Zaun im Fall der Fälle stehen bleiben müsste. „Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest kann sich über Monate, ja Jahre hinziehen“, erklärte Norbert Bialek.

Den Wald bei Neuschirgiswalde hatte das sächsische Sozialministerium für die Übung ausgewählt, aber der Ernstfall kann natürlich überall auftreten. Und er brächte Gefahr für Hunderttausende Haus- und ungezählte Wildschweine. Allein im Landkreis Bautzen halten rund 400 Betriebe insgesamt rund 90.000 Hausschweine. Keines von ihnen düfte im Ernstfall den haltenden Betrieb verlassen. Ebenso dürften in einer sogenannten Pufferzone, die viel größer ist als der Sperrbezirk, keine Schweine transportiert werden. Von deren wilden Verwandten wurden 2018 im Kreisgebiet 4.824 erlegt. Im Wald bei Neuschirgiswalde schossen Jäger im vergangenen Jahr 68 Wildschweine.

Der Tross der Schweinepest-Bekämpfer trifft sich an diesem Donnerstag noch einmal im Westen des Landkreises Bautzen: In einem Landwirtschaftsbetrieb in Langebrück wird die Tötung eines Bestandes von Hausschweinen simuliert.

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