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Bautzen

„So läuft jetzt bei uns der Unterricht“

Maskenpflicht, Toiletten-Tickets, Schicht-System: Drei Schulleiter aus Bautzen, Kamenz und Bischofswerda berichten vom Schulalltag in Zeiten von Corona.

Drei Schulleiter - eine Herausforderung: Unterricht in Corona-Zeiten. Gabriele Keltsch, René Jatzwauk (Mitte) und Marco Dehlan berichten, wie das an ihren Schulen funktionieren soll.
Drei Schulleiter - eine Herausforderung: Unterricht in Corona-Zeiten. Gabriele Keltsch, René Jatzwauk (Mitte) und Marco Dehlan berichten, wie das an ihren Schulen funktionieren soll. © Matthias Schumann, SZ/Uwe Soeder (2)

Bautzen. Knapp 30.000 Schüler im Landkreis Bautzen dürfen seit Montag wieder in ihre Schulen. Das bedeutet für sie und ihre Lehrer neben der Wiedersehensfreude vor allem, viele Regeln zu lernen, einzuhalten und von anderen getrennt zu sein. Die Leiter einer Grund-, einer Förderschule und eines Gymnasiums haben Sächsische.de erklärt, was das bedeutet und wie das bei ihnen funktioniert.

3-K-Modell und Toiletten-Tickets

Gabriele Keltsch will, dass die Schüler an ihrer Grundschule in Kamenz trotz aller Einschränkungen Kinder sein dürfen.
Gabriele Keltsch will, dass die Schüler an ihrer Grundschule in Kamenz trotz aller Einschränkungen Kinder sein dürfen. © Matthias Schumann

Gabriele Keltsch und ihre Kollegen haben das 3-K-Modell entwickelt: eine Klasse, ein Klassenraum, eine Klassenlehrerin, sagt die Leiterin der Grundschule am Forst in Kamenz. Damit soll die Trennung der Schüler gewährleistet werden. „Der Schulbetrieb ist gut angelaufen. Unsere Regelungen funktionieren.“ Diese haben Gabriele Keltsch und ihre Kollegen gemeinsam mit den Erziehern des Schulhorts, den Eltern und einem Kamenzer Kinderarzt entwickelt.

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„Da steckt enorm viel Vorbereitung drin. Wir haben sämtliche Vorschriften gelesen, und alle Kollegen haben Ideen eingebracht.“ Etwa die von Toiletten-Tickets. Pro Klasse dürfen maximal zwei Jungs oder Mädchen gleichzeitig auf die Toilette gehen. Dafür bekommen sie je eine Karte und die Lehrer behalten so den Überblick. Die Klassen sind festen Toiletten auf den drei Etagen plus Keller zugeordnet.

Kern des Konzepts an der Kamenzer Grundschule ist die räumliche Trennung. Bei 342 Schülern in 17 Klassen ist das eine Herausforderung. Alle vier Klassenstufen laufen dreizügig. Dazu kommen noch vier LRS-Klassen (Lese-Rechtschreib-Schwäche) und eine Klasse „Deutsch als Zweitsprache“. Aus den vier LRS-Klassen wurden zwei zu  etwa je 25 Schülern gemacht. Sie haben damit dieselbe Größe wie die anderen Klassen. Jede Klasse bleibt mit ihrem Lehrer in ihrem Zimmer.

Für die zeitlich gestaffelten Hofpausen wurden vier Areale eingerichtet, sodass jeweils vier Klassen gleichzeitig draußen sein können. Das Klingeln zur Pause oder zum Unterrichtsbeginn wurde abgestellt. Schließlich sollen alle Schüler in Ruhe lernen können. Mit verschiedenen Pausenzeiten würde es deutlich öfter klingeln als üblich.

Am Morgen betreten alle Schüler bis auf die ersten Klassen zwischen 7 und 7.25 Uhr die Schule durch drei separate Eingänge, die sich wie die zugehörigen Treppenaufgänge farblich unterscheiden. Die Kinder nehmen ihre Kleidung mit in die Klassenräume und nutzen die Garderobe nicht. Der DDR-Schulbau Typ Dresden sei in dieser Beziehung ein großer Vorteil, sagt Gabriele Keltsch.

Die Jüngsten sammeln sich dagegen mit ihren Eltern auf dem Schulhof. Die jeweiligen Klassenlehrer nehmen die Kinder in Empfang und mit in die Zimmer. Um 7.30 Uhr beginnt für alle der Unterricht.

Das Mittagessen findet nach wie vor in der 200 Quadratmeter großen Aula statt, die dreigeteilt wurde und wo die Durchgänge jetzt größer sind. Bis zu drei Klassen essen getrennt und zeitlich gestaffelt. Wer danach im Hort bleibt, darf für eine Stunde raus auf den Schulhof.

Im Hort gilt dann das 3-G-Modell: eine Gruppe, ein Gruppenraum, eine Gruppenerzieherin. „So wissen wir den ganzen Tag über, wer wann wo ist“, erklärt Gabriele Keltsch. Bei allen Regelungen sei der Schulleiterin und ihren Kollegen aber wichtig: „Trotz der Einschränkungen zum Infektionsschutz wollen wir eine Grundschule sein, in der Kinder Kinder sein dürfen.“

Die Nähe ist weg

Marco Dehlan ist von seinen Schülern an ein Bischofswerdaer Förderschule positiv überrascht.
Marco Dehlan ist von seinen Schülern an ein Bischofswerdaer Förderschule positiv überrascht. © SZ/Uwe Soeder

Marco Dehlan war am frühen Montagnachmittag erleichtert. „Es lief besser als erwartet.“ So fasst der stellvertretende Leiter der Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und emotionale und soziale Entwicklung in Bischofswerda den ersten Tag zusammen, an dem alle 150 Schüler wieder in die Schule kommen durften. „Schließlich tun sich unsere Schüler mit Neuerungen manchmal schwer, haben uns aber in dieser schwierigen Zeit positiv überrascht und diese Umstellungen gut angenommen.“ Und das sind einige.

Während Nähe vor Corona selbstverständlich war, müssen die Schüler jetzt darauf achten, Abstand zu halten. Im Schulhaus gehen sie nacheinander und mit Abstand. Hier und auf den Toiletten müssen sie eine Maske tragen. Während die Schüler bislang, auch gemeinsam, nur während der Pausen auf Toilette gehen durften, sollen sie das jetzt immer einzeln und während des Unterrichts tun, um möglichst niemandem zu begegnen.

Von den insgesamt zwölf Klassen an der Förderschule haben maximal drei gleichzeitig Hofpause. In der bewegen sich die Schüler in einem Einbahnstraßensystem. In den Frühstückspausen bleiben die Kinder in ihren Klassenräumen und das Mittagessen findet zu verschiedenen Zeiten und in drei verschiedenen Räumen statt.

Schüler der Klassen 5 bis 9 kommen je zweimal in der Woche in kleinen Gruppen in die Schule. An anderen Tagen lernen sie zu Hause. Nach Schulschluss werden die Kontaktflächen wie Klinken und Geländer gereinigt.

Für Marco Dehlan und seine Lehrer ist das eine enorme Herausforderung. „Das sind ja Dinge, die wir so zum ersten Mal machen. Dazu kommt der enorm große Dokumentationsaufwand. Ich bin deswegen auch meinen Kollegen gegenüber sehr dankbar für ihr Durchhaltevermögen und ihren Einsatz.“ 

Geteilte Klassen und wöchentlicher Wechsel

René Jatzwauk vom Sorbischen Gymnasium in Bautzen spürt bei seinen Lehrern viel Freude.
René Jatzwauk vom Sorbischen Gymnasium in Bautzen spürt bei seinen Lehrern viel Freude. © SZ/Uwe Soeder

Um schulische Inhalte geht es jetzt noch nicht, sagt René Jatzwauk, Leiter des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen. Die kurze Woche vor Himmelfahrt und dem Brückentag nutzen er und seine Kollegen, um zurück zu einer geordneten Schulstruktur zu kommen und die mehr als 420 Schüler über die neuen Hygienevorschriften zu informieren. Die sind geprägt von Abstandsregeln, dem Waschen und Desinfizieren der Hände und dem Tragen von Atemschutzmasken. Diese müssen Lehrer und Schüler im Schulhaus aufsetzen, in den Klassenräumen und während des Unterrichts aber nicht.

Am Sorbischen Gymnasium werden ab kommendem Montag nicht alle Schüler zur selben Zeit in der Schule sein. „Wir haben unsere Klassen halbiert, sodass wir alle Schüler gemessen an der Anzahl unserer Räume gut unterrichten können“, erklärt René Jatzwauk. Die Hälfte einer Klasse kommt eine Woche komplett zur Schule und die andere Hälfte ist in der Folgewoche dran. Jede Woche wird gewechselt. Die Schüler, die gerade nicht in der Schule sind, lernen zu Hause. Für die Pausen gibt es ein neues Zeitraster, sodass alle Schüler über den Tag gestaffelt eine Hofpause haben.

Auch beim Mittagessen im Speiseraum werden nur die Schüler zusammen sein können, die zur selben Gruppe gehören. Die Toiletten sind den Klassenräumen nicht zugewiesen, die Schüler aber aufgefordert, immer den kürzesten Weg zu nehmen. Dort können sie jetzt die Eingangstüren zu den Sanitäranlagen verriegeln, sodass es möglich ist, diese  einzeln zu betreten.

Der Schulleiter ist optimistisch und vertraut auf die Regeln, die er gemeinsam mit seinen Kollegen erarbeitet hat. „Ich hoffe, dass so viel wie möglich klappt und freue mich über die Unterstützung des gesamten Kollegiums. Da spüre ich gleichzeitig auch viel Freude darüber, unsere Schüler wieder vor uns zu haben und ihnen Wissen vermitteln zu können.“

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