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Dresden

So lief das letzte große Fest der Wettiner

Mehr als 800 Jahre hat die Herrscherfamilie Sachsen regiert. Vor 130 Jahren wurde das Jubiläum glanzvoll gefeiert.

Der rund zweistündige Huldigungszug war der Höhepunkt der Feiern zum Wettin-Jubiläum.
Der rund zweistündige Huldigungszug war der Höhepunkt der Feiern zum Wettin-Jubiläum. © Herbert Boswank

Festumzug, Militärparaden, Feuerwerk: Es ist das wohl letzte große Fest des sächsischen Herrscherhauses. Beim „Wettinerfest“ vor 130 Jahren feierte es vom 15. bis 19. Juni 1889 in Dresden seine 800-jährige Herrschaft über Sachsen. Auf eine so lange Zeit konnte keine andere deutsche Dynastie verweisen. Kaiser Wilhelm II. und mit ihm fast der gesamte deutsche Hochadel kamen nach Dresden, um zu gratulieren. Nur 29 Jahre später ging die Ära der Wettiner nach Weltkrieg und Novemberrevolution unwiderruflich zu Ende.

Im Jahr 1089 hatte der Kaiser Heinrich IV. den damaligen Grafen von Eilenburg, den Wettiner Heinrich I., für dessen Treue mit der Mark Meißen belohnt, nachdem dessen Vorgänger Ekbert II. in Ungnade gefallen war. Den Wettinern gelang es, sich zu behaupten.

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Zum Jubiläum prangte Dresden im Festschmuck. Fahnen, Girlanden, Triumphtore zierten Straßen und Plätze. Auf dem Schloßplatz wurden während des Festes zwei mächtige 18,50 Meter hohe Obelisken aufgestellt. Mit einer Rede vor dem Landtag hatte König Albert die Feierlichkeiten eingeläutet. Beide Kammern des Parlamentes bewilligten praktisch als Jubiläumsgabe drei Millionen Reichsmark für den Umbau des Residenzschlosses, der unter Federführung von Hofbaumeister Gustav Dunger und Hofbauinspektor Gustav Frölich von 1889 bis 1901 vorgenommen wurde.

„Jubelfeier des Wettiner Königshauses“, titelten die „Dresdner Nachrichten“ in der Unterzeile und kündigten das Programm des jeweiligen Festtages an: „Vormittags 10 Uhr großer Huldigungsfestzug. – Nachmittags 5 Uhr Familien- und Marschallstaffel am Königlichen Hofe. – Abends 7 Uhr: von der Stadt Dresden gegebenes Fest auf der Brühl’schen Terrasse mit daran sich schließendem römischen Feuerwerk (10 Uhr).“ Die Zuschauer werden ermahnt, rechts zu gehen, beim Fahren und Gehen rücksichtsvoll zu sein und nicht zu drängeln.

Auf dem Alaunplatz in der Neustadt gab es Militärparaden. Seit einer langen Reihe von Jahren habe Dresden kein so „glänzendes militärisches Schauspiel gesehen“, berichtete die Zeitung. Während bei sonstigen Königsparaden lediglich die Dresdner Garnison aufmarschiere, seien diesmal auch die Freiberger Jäger, Großenhainer Husaren, Oschatzer Ulanen und die reitende Abteilung des 12. Feld-Artillerie-Regimentes herangezogen worden.

„Glänzend verlief das Armeefest“, erinnerte sich später Prinz Johann Georg. „Zum Haupttag, dem 18., war auch der Kaiser anwesend. An diesem Tage wurde das Denkmal König Johanns auf dem Theaterplatz enthüllt.“ Bei einem Galadiner habe der Kaiser die Familie zum Jubiläum beglückwünscht. „Am 19. fuhren wir von der Familie in mehreren geschmückten Wagen durch die glänzend geschmückten Straßen. Der Jubel der Bevölkerung war herzerhebend und ergreifend.“

Am Festumzug beteiligten sich 63 geschmückte Wagen, 840 Reiter und 12 000 Menschen zu Fuß, Gewerbe- und Handwerksvereine, Innungen, Sängerbünde, Militärvereine und alle wirtschaftlich wichtigen Städte des Landes, die sich so originell wie möglich präsentierten. So stellten etwa die Pirnaer die Sandsteinindustrie dar, Bergleute paradierten.

Der etwa zweistündige Huldigungszug als Herzstück der Wettinerfeier sei „über alle Maßen glänzend verlaufen“, urteilten die „Dresdner Nachrichten“. Nur auf dem ersten Drittel des Weges hätten die Pferde eines sechsspännigen Prunkwagens nicht mehr ziehen wollen und die Deichsel zerschlagen. Deswegen habe es eine kleine Stockung gegeben.

Für die Festlichkeiten war der Zwinger von 1880 bis 1889 aufwendig restauriert und herausgeputzt worden. Diese Restaurierung blieb jedoch für das Bauwerk nicht ohne Folgen. Die Ölanstriche und der zur Ausbesserung von Fehlstellen verwendete Portland-Zement erwiesen sich als wenig geeignet. Das Gestein bröckelte. Das Bauwerk musst schon von 1924 bis 1936 erneut gründlich restauriert werden.

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