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So lief die Bombenentschärfung

Wegen eines Phosphor-Sprengkörpers mussten drei Firmen im Gewerbegebiet Kodersdorf dichtmachen. Auf den Straßen ringsum staute es sich.

Und es hat „Bumm“ gemacht: Mit einer kontrollierten Sprenung wurde die Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zerstört.
Und es hat „Bumm“ gemacht: Mit einer kontrollierten Sprenung wurde die Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zerstört. © Danilo Dittrich

Eine merkwürdige Stille herrscht im Gewerbegebiet in Kodersdorf. Wo sich eigentlich unzählige Lkw durch die Straßen schieben – Leere. Kein Mensch ist zu sehen und das an einem Montagmittag. Kein Fahrzeug rollt über die nahe Bundesstraße 115, ebenso keines auf der Autobahn. Nur weit entfernt und hoch oben steht ein Polizeihubschrauber am Himmel. Auch er darf nicht näher ran. Es gibt ein Überflugverbot für das Areal. Eine Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg legt das Gewerbegebiet und die unmittelbare Umgebung teilweise lahm. „Gegen 8.30 Uhr ging bei uns die Meldung zu dem Fund ein“, sagt Torsten Jahn. Er ist Sprecher der Polizeidirektion Görlitz.

Die Bombe wurde bei Vorbereitungsarbeiten gefunden. Auf dem Gelände soll Ostsachsens größtes Containerterminal entstehen, eine Firma will hier Container von und auf die Schiene laden. Ein Bagger brachte den explosiven Metallkörper ans Tageslicht. „Es handelt sich um eine Phosphorbombe. Sie fing auch in kleinem Maße zunächst Feuer“, schildert Torsten Jahn. Deshalb wurde die Bombe zunächst wieder mit Erde bedeckt, die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes kamen, die Routinen für einen derartigen Fall liefen an. Schnell wurde klar: Die Bombe ist nicht transportfähig, muss vor Ort gesprengt werden. Kontrolliert, selbstverständlich.

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Das Problem daran: Möglicherweise werden bei der Sprengung Phosphordämpfe frei, die der Gesundheit sicherlich nicht zuträglich sind. Also heißt es zunächst Evakuierung. Aus drei Unternehmen müssen insgesamt etwa 600 Mitarbeiter raus. Kein einfaches Unterfangen für die Firmen. So müssen beispielsweise Maschinen heruntergefahren werden, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Per Polizeihubschrauber wird derweil die Umgebung abgesucht, kontrolliert, dass nicht etwa doch Menschen in einer 500-Meter-Zone um den Fundort unterwegs sind. Das dauert. Inzwischen wird es eng auf der B 115. Lkw, die eigentlich ins Gewerbegebiet wollen, dürfen nicht. Viele stehen auf dem Parkplatz der Aral-Tankstelle gegenüber. Die Fahrer üben sich in Geduld.

Die 70-Kilo-Bombe, so viel steht inzwischen fest, ist aus deutscher Herstellung. Wie sie hier hingekommen ist, ein Rätsel. Vielleicht war sie eine Kriegsbeute, die dann die Sowjetarmee einsetzte? Torsten Jahn zuckt mit den Schultern. „Da kann man wirklich nur spekulieren“, so der Polizeisprecher.


14 Uhr, die Autobahn und die B 115 sind dicht. Der Verkehr wird umgeleitet. Auf der B 6 zwischen Reichenbach und Görlitz beispielsweise wird es deshalb schlagartig eng. Nachricht vom Kampfmittelbeseitigungsdienst: Das Zündkabel liegt. Jetzt müssen alle Verbliebenen, wie etwa neugierige Journalisten, das nähere Umfeld verlassen. Denn der Wind, auch wenn er nur schwach bläst, könnte die Dämpfe des verbrennenden Phosphors genau in ihre Richtung und gen Autobahn wehen.

René Schöne betrachtet das gesamte Prozedere mit einer gewissen Gelassenheit. „Ich habe das nun schon ein paar mal mitgemacht“, sagt der Bürgermeister von Kodersdorf. In dem Gebiet sei im Zweiten Weltkrieg gekämpft worden, da seien derartige Funde, manche klein, andere etwas größer, keine Überraschung. „Es wird nicht der letzte gewesen sein“, mutmaßt Rene´ Schöne.

„Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat sich entfernt“, tönt es aus dem Funkgerät eines Polizisten. Der Bagger, der die Bombe hob, fährt langsam zur Seite in Sicherheit. Es ist 14.44 Uhr: Eine Rauchsäule steigt schnell in den Himmel, ganz knapp darauf gefolgt von einem lauten „Bumm“ und einer respektablen Druckwelle. Die Bombe aus der Geschichte ist Geschichte. Es brennt aber noch. Die Feuerwehr ist deshalb mit im Einsatz.

Kurze Zeit später sind die Straßensperrungen aufgehoben – was wiederum für Verzögerungen sorgt. Die Laster etwa, die über die B 115 von der Polizei von der Tankstelle ins Gewerbegebiet gelotst werden. Und auf der B 6 staut es sich ebenfalls noch. So oder so: Es ist vorbei mit der Stille im Gewerbegebiet Kodersdorf. Sie endete mit einem großen Knall.

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