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So packend war der "Tatort“ aus Köln

Geht doch! "Ermittler im Nebel" war einer der besten Tatorte der Saison: starker Fall, tolle Bilder und ein deplatzierter Kommissar.

Freddy Schenk (Dietmar Bär) im Kölner Rheinnebel unterwegs.
Freddy Schenk (Dietmar Bär) im Kölner Rheinnebel unterwegs. © WDR

Die „Tatort“-Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) gehören seit Langem zu den besten Teams mit packenden, gern auch gesellschaftskritischen Fällen. Ihr jüngster Film „Gefangen“, in dem sie den Mord am Chefarzt einer psychiatrischen Klinik aufzuklären hatten, blieb bis zum Schluss spannend. Stetig wurden falsche Fährten gelegt.

Das Interessanteste aber war die doppelte Ebene im Film. Ballauf ist traumatisiert, nachdem er im Einsatz eine Polizistin erschossen hatte, erschießen musste. Er ist in therapeutischer Behandlung, was ihn empfänglich für die Atmosphäre in der psychiatrischen Klinik macht. Er fühlt sich selbst wie ein Patient – was ihn zunehmend die so wichtige Distanz zwischen sich und den Insassen verlieren lässt. Doch auch Kollege Freddy ist gefangen. Er will dem Freund helfen und merkt, dass er es nicht kann. Für die Darstellung dieses Gefangen- und Isoliertseins fand die Filmcrew neben einer suggestiven Musik treffliche Dialoge und vor allem atmosphärisch-dichte Bilder. Ob Freddys Weg zu einem Verdächtigen im Rheinnebel oder Max‘ Schwimmdauerschleife – alles bekannte Motive, aber hier konsequent und stückprägend eingesetzt.

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Ungewöhnlich: Das sonst wie ein Ehepaar eingespielte Kommissar-Team war über weite Strecken nicht existent, quasi aufgelöst. Ballauf wirkt wie entrückt – deplatziert bewegt er sich durch den Fall. Freilich waren seine Sinne wach und er nahm Situationen anders wahr als Schenk. Das machte ihn zunehmend verletzlich. „Wir sitzen beide im Gefängnis, Herr Ballauf“, sagt die Klinikpatientin Julia: „Ich in der Klinik. Sie in Ihrem Kopf.“ Als der Polizist das für sich akzeptierten und sein Trauma annehmen konnte, brachte ihn das schließlich der Lösung des Falles entscheidend näher.

Fazit: Nach all dem überwiegend Krimimurks der vergangenen Wochen, und vor dem von nächsten Sonntag, mal wieder ein starker „Tatort“ – auch dank Nebel in Köln.

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