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So schlimm ist das Müllproblem am See

In den Tonnen am Nordstrand des Berzdorfer Sees finden die Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst K9 Hausmüll und Bauschutt. Und am Strand Grillkohle.

Über die Brandflecken auf dem Steg am Nordstrand herrscht bei Ronny Hasler Unverständnis. Das kleine Bild zeigt das Müllaufkommen aus wenigen Stunden.
Über die Brandflecken auf dem Steg am Nordstrand herrscht bei Ronny Hasler Unverständnis. Das kleine Bild zeigt das Müllaufkommen aus wenigen Stunden. © Nikolai Schmidt/privat

Ronny Hasler ist fast täglich am Berzdorfer See. Seine Handyfotos zeigen aber keine Sonnenuntergänge mit Segelbooten. Sie zeigen Brandflecken auf dem Holzsteg am Nordstrand, schwarze Holzkohle-Häufchen im Sand, kaputte Schilder, angezündete Mülleimer, umgeworfene Toilettenhäuschen. „Das ist zur Dokumentation“, erklärt Ronny Hasler, Einsatzleiter beim Sicherheitsdienst K9. Alles keine alten Fotos, sondern von dieser Saison. Er deutet an der Seezufahrt auf die Halterung für einen Mülleimer. Der Müllbehälter selbst ist nicht mehr da, „den hat uns vorige Nacht offenbar jemand weggetreten“. Mit dem Festival, das am Wochenende bei Deutsch Ossig stattgefunden hat, möchte er keinen Zusammenhang herstellen. „Ich weiß natürlich nicht, wer das jetzt war. Aber so etwas ist bei uns inzwischen Alltag.“

Zuständig sind Hasler und seine Kollegen am Nordstrand des Sees dafür, den ruhenden Verkehr, also die parkenden Autos zu beaufsichtigen, und für die Müllentsorgung. Gerade letztere Aufgabe sei in den vergangenen Monaten immer arbeitsintensiver geworden. „In den vorigen zwei Jahren hat sich die anfallende Müllmenge etwa verdreifacht“, schätzt er. „Wir erleben es mittlerweile, dass Leute ihren Hausmüll mit zum See bringen.“ Immer wieder sei auch Bauschutt in den Tonnen zu finden. „Vielleicht wollen die Leute Geld sparen bei ihrer eigenen Entsorgung“, vermutet er. 

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Im Schnitt räumt K9 in der Saison täglich drei 400-Kilo-Hänger weg. „Am Abend, wenn die meisten Gäste weg sind, machen wir die große Müllrunde, die dauert mindestens zwei Stunden, meist länger“, erzählt Ronny Hasler. Am Sonntag, als das Wetter so schön war, dauerte sie bis 23 Uhr. Oft ruht der See auch nachts nicht still. „Morgens machen wir die nächste Müllrunde, auch mehrstündig. Und tagsüber immer nach Bedarf.“ Aufwendig sei die Entsorgung auch deshalb geworden, weil viele ihren Müll nicht zu den Behältern oder Containern schaffen, erzählt Hasler. „Seit vorigen Jahr steht die doppelte Anzahl an Containern am Strand“, erklärt er. „Für mich ist es auch eine Frage des Anstandes, dass man den Abfall nicht einfach liegen lässt. Wenn wir das mitbekommen, sprechen wir die Gäste darauf an. Aber wir können nicht immer überall sein.“

Zumal es seitens der Stadt dieses Jahr die Ansage gegeben habe, den Streifendienst auf die Hälfte zu verringern, sagt Ronny Hasler. „Ich verstehe, dass die Stadt auf ihre Finanzen achten muss. Sie kommen uns auch soweit entgegen, dass wir einen Zuschuss bekommen für die Müllentsorgung.“ Den nächtlichen Streifendienst, bei dem es vorrangig um Sicherheit geht, finanziert die Stadt, erklärt Hasler. Die Tagesstreifen, wo es mehr um die Müllentsorgung geht, finanziert dagegen der Sicherheitsdienst über die Parkeinnahmen. Seine Kritik: Insgesamt passe das Verhältnis nicht mehr zwischen dem, was getan werden soll, und dem, was tatsächlich anfällt. „Mein Eindruck ist, die Stadt macht da die Augen zu.“

Umgeworfene Dixi-Klos.
Umgeworfene Dixi-Klos. © privat
Durchtrennte Schilder.
Durchtrennte Schilder. © privat
Angebrannte Müllbehälter.
Angebrannte Müllbehälter. © privat

Die Müllmenge hat sich im Vergleich von vor zwei Jahren erhöht, bestätigt Torsten Tschage von der Stadtverwaltung. „Dies ist dem guten Sommerwetter letztes und dieses Jahr zuzuschreiben.“ Am Nordstrand wurden deshalb drei zusätzliche Müllcontainer aufgestellt, bestätigt er. Auch das Problem mit den Hausabfällen kennt die Stadt: „Dass unvernünftige Mitmenschen ihren Hausmüll auf Kosten der Allgemeinheit entledigen, ist generell ein Problem“, nicht nur am See. Kürzungen beim Streifendienst könne man aber nur bedingt bestätigen: „Die fest beauftragte Stundenzahl für Bewachungsleistungen hat sich im Vergleich zu 2018 geringfügig verringert.“ Es gebe auch eine Regelung, dass bei besonderen Ereignissen auf Anforderung von K9 weitere Bewachungsleistungen vereinbart werden können.

Das Müllproblem spürt Bernd Otto von der gleichnamigen Milchbar am Deutsch-Ossiger Ufer nicht so gravierend. „Ein umgekipptes Toilettenhäuschen hatten wir vorige Nacht allerdings“, erzählt er. Stärker sieht Bernd Otto ein Problem, das die Wintermonate betrifft: Hundekotbeutel. „Im Winter sind die meisten öffentlichen Tonnen nicht da“, erklärt er. „Ich lasse deshalb immer eine meiner Tonnen hier stehen.“ Um zu verhindern, dass die schwarzen Beutel samt Inhalt auf dem Grundstück oder in der Umgebung landen. Die Entsorgung des Inhalts aus der Wintertonne übernimmt er auf eigene Kosten.

Mehr Müll ist es geworden, bestätigt Udo Schmidt, der sich für die Gemeinde Schönau-Berzdorf um die Gäste und Ordnung an der Blauen Lagune kümmert und gerade mit E-Mobil und rund zehn großen Müllbeuteln die nächste Runde macht. Hausabfall allerdings ist ihm noch nicht untergekommen. „Das meiste sind Flaschen und Verpackungen.“ Allerdings, wenn etwa kaputtgeht wie Sonnenschirme oder Schwimmhilfen, dann werden die oft einfach liegengelassen, ist ihm aufgefallen.

Für den Müll an der Lagune steht der Kommune seit rund vier Wochen ein Presscontainer zur Verfügung. „Dadurch können wir bei den Transportkosten sparen“, erklärt Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel. Auch die Kommune finanziert die Müllentsorgung vom Strand über die Einnahmen aus den Parktickets. Dass das Problem hier weniger ausgeprägt ist als am Nordstrand, könnte damit zu haben, dass die Blaue Lagune weiter abgelegen ist von Görlitz, vermutet Hänel. „Bis zum Strand runter bringt, glaube ich, keiner seinen Müll mit.“ Zumal die Präsenz hoch sei – durch Mitarbeiter, Segler, die Schönauer Badegäste, „das Miteinander ist schon gut.“

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