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Bischofswerda

So schmutzig war Bischofswerda noch nie

In der Stadt gibt es immer mehr Dreckecken. Was unternimmt die Verwaltung dagegen?

Auf der Bischofswerdaer Bahnhofstraße sammelt sich der Müll. Dort wird seit Monaten nicht gekehrt. Auch an anderen Stellen sieht es schlimm aus.
Auf der Bischofswerdaer Bahnhofstraße sammelt sich der Müll. Dort wird seit Monaten nicht gekehrt. Auch an anderen Stellen sieht es schlimm aus. © Steffen Unger

Bischofswerda. Auf ihre Ostergäste mussten in diesem Jahr auch viele Familien in Bischofswerda verzichten. Mit Blick auf den obligatorischen Osterspaziergang kann man den Ausgangsbeschränkungen infolge der Corona-Krise aber sogar etwas Gutes abgewinnen. Denn es gibt zahlreiche Ecken in der Stadt, die man Besuchern in diesem  Frühjahr besser nicht zeigen sollte. Einige Beispiele aus der Innenstadt: 

Auf der Bahnhofstraße liegt der Schmutz seit Wochen zentimeterhoch an der Bordsteinkante: angewehtes Herbstlaub, der Dreck vom Winter, weggeworfene Kippen, Papier und breit gefahrene Getränkedosen. Nicht viel besser ist das Bild in der benachbarten Fabrikgasse. Getoppt wir der Unrat am Straßenrand, was die Mengen angeht, auf der Klostergasse. Dort sammelt er sich schon seit dem vergangenen Jahr an. 

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Weiter geht die Runde an der Christuskirche vorbei die Stufen hinab zur Fleischergasse. Ein nettes Stück Bischofswerda, das durch das aufgehübschte Toilettenhäuschen im vergangenen Jahr gewonnen hat. Dessen blauen Wände zieren Comics. Doch aufs Dach sollte keiner schauen: Dort faulen die Kastanienschalen. Man kommt auf der Treppe direkt daran vorbei.

Fassade hui - Dach pfui: Das Toilettenhäuschen nahe dem Bischofswerdaer Markt wurde 2019 mit Comics gestaltet. Wer die Treppe aus Richtung Christuskirche runtergeht, sieht aber auch die unschöne Seite: Auf dem Dach faulen Kastanienschalen vor sich hin.
Fassade hui - Dach pfui: Das Toilettenhäuschen nahe dem Bischofswerdaer Markt wurde 2019 mit Comics gestaltet. Wer die Treppe aus Richtung Christuskirche runtergeht, sieht aber auch die unschöne Seite: Auf dem Dach faulen Kastanienschalen vor sich hin. © Steffen Unger

Nahezu flächendeckend im Innenstadt-Straßenpflaster sieht man Zigarettenkippen, auch auf dem Altmarkt. Am Parkplatz an der Herrmannstraße warf einer eine Mikrowelle ins Gras.  Daneben, am Zaun vor dem Wesenitzufer, wächst die Anzahl von Einwegverpackungen fürs Essen, von Kaffeebechern und Zigarettenschachteln.

Doch nicht nur im Kernbereich der Innenstadt - auch außerhalb wird man fündig. Etwa am Kulturhaus, vor dem die Wege zuwachsen und Laubmassen die Grünflächen bedecken. An der Skaterbahn, vor der man zerschlagene Bier-, Sekt- und Schnapsflaschen sieht. Oder am Fußweg neben dem ehemaligen Sporthotel. In der Hecke haben sich Papier und die Zigarettenschachteln verfangen. 

Auch Anlieger haben Pflichten

Bürger beanstanden seit Jahren diese Zustände. Heidrun Dworatzeck sagte kürzlich auf einem Forum, seit zwei Jahren verdrecke die Stadt immer mehr. Im Rathaus hört man so etwas nicht gern. Dort verweist man statt dessen auf den Bauhof, dessen Mitarbeiter  beispielsweise auf dem Altmarkt regelmäßig sauber machen und mehrfach in der Woche die Papierkörbe im Stadtgebiet leeren. 

Laut Bischofswerdaer Stadtrecht ist die Stadt für die Reinigung der Bundes- und Staatsstraßen im Ort zuständig. Diese Straßen sind tatsächlich weitgehend sauber. Fußwege und Straßenrinnen auf städtischen Straßen zu säubern - dazu gehören auch alle Straßen und Gassen in der Innenstadt - ist Aufgabe der Anlieger, entweder der Hauseigentümer oder der Mieter.

Doch Papier ist geduldig. Und die Stadtverwaltung offenbar auch. Die Anfrage von Sächsische.de, wie die Verwaltung das Stadtrecht durchsetzt  und ob Hauseigentümer gegebenenfalls schon aufgefordert wurden, ihren Pflichten nachzukommen, ließ die Stadtverwaltung unbeantwortet. 

Auch auf die Frage, ob die Kehrmaschine noch in der Innenstadt eingesetzt wird, gab es bis Donnerstagmittag keine Antwort. Im August vergangenen Jahres, als die SZ schon einmal über Dreckecken in  der Innenstadt berichtete, hieß es noch aus dem Rathaus, der Bauhof reinige die Straßen und Gassen der Altstadt "regelmäßig".  

Was die Stadt von den Dörfern lernen kann

Die im Stadtrat vertretene Initiative Bürger für Bischofswerda ruft für den 9. Mai zum traditionellen Frühjahrsputz auf - wenn er denn wegen der Corona-Krise stattfinden darf. Auch ein Blick in Nachbargemeinden könnte Bischofswerda helfen, Bürger zu motivieren, für  eine saubere Stadt zu sorgen.

In Demitz-Thumitz ist es seit Jahren üblich, an einem Sonnabend vor Ostern zum Frühjahrsputz aufzurufen. Eigentümer werden gebeten, den Dreck vom Winter vor ihren Grundstücken zusammenzukehren und am Straßenrand in Eimern bereitzustellen. Deren Inhalt wird dann am Nachmittag vom Bauhof abgeholt und entsorgt.

Neukirch folgte diesem Beispiel mit Einführung des Frühjahrsputzes vor drei Jahren. Diese Aktion musste die Gemeinde diesmal zwar absagen. Doch der Kehrdreck  wurde trotzdem abgeholt. Auch in Corona-Zeiten geht etwas. 

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