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So schön kann ein Abschied sein

Dortmund scheidet gegen Real Madrid aus, beweist aber, dass es ein Spitzenteam ist.

© dpa

Von Heinz Büse

Die Ovationen der Fans rührten Kevin Großkreutz zu Tränen. Mit feuchten Augen stand das Dortmunder Urgestein vor der bebenden Südtribüne und trauerte der vergebenen Chance auf einen denkwürdigen Coup hinterher. Seinem Teamgefährten Mats Hummels ging die Tragödie in Schwarz-Gelb ebenfalls sichtbar nahe. „Wir hätten eine der größten Sensationen der Fußballgeschichte hinlegen können“, klagte der Nationalspieler nach dem 2:0 über Real Madrid. Erst der Applaus von den Rängen und die aufmunternden Worte von Jürgen Klopp linderten den Schmerz: „Von einer Million Möglichkeiten auszuscheiden, war das die beste“, befand der BVB-Trainer.

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Wieder einmal sorgte die Borussia für eine magische Nacht – wenn auch ohne Happy End. Nur selten wurde ein Abschied von Europa so bejubelt. Auch Minuten nach dem Abpfiff verließ kaum ein Zuschauer das Stadion. Stehend feierten die Fans ihr Team, das nach dem 0:3 vor einer Woche im Hinspiel brillant aufspielte. Bei aller Enttäuschung über das Viertelfinal-Aus empfand Hummels auch Stolz: „Ich glaube nicht, dass die Spieler von Real schon einmal so an die Wand gespielt wurden wie heute in der 1. Halbzeit. Von diesem Abend werde ich noch lange erzählen, auch wenn ich selbst mal Kinder haben sollte.“

Nach zwei frühen Treffern von Marco Reus schien die Borussia einem weiteren Champions-League-Wunder nahe zu sein. „Alles war angerichtet für ein zweites Malaga. Nur das dritte Tor hat gefehlt“, kommentierte Mittelfeldspieler Oliver Kirch mit Bezug auf den unvergessenen Last-Minute-Sieg im letztjährigen Viertelfinale des Wettbewerbs über den FC Malaga.

Der famose Auftritt im zweiten Duell mit Real stellte die beim Hinspiel beschädigte Reputation als internationales Spitzenteam wieder her. Obwohl mit Nuri Sahin und Sokratis zwei weitere angeschlagene Leistungsträger geschont wurden, begeisterte die Notelf. Vor allem Marco Reus drehte mächtig auf. Kritiker, die dem Nationalstürmer schwindende Form attestiert hatten, sind verstummt. Nach auskurierter Verletzung ist Reus wieder der Alte: „Ich hatte mir in dieser Verletzungspause vorgenommen, stärker zurückzukommen.“

Keinem Profi kam ein Wort der Kritik an Henrich Mchitarjan über die Lippen. Und das, obwohl die seit Wochen anhaltende Abschlussschwäche des 26 Millionen Euro teuren Neuzugangs den BVB um den verdienten Lohn brachte. Gleich dreimal vergab der Armenier aus vielversprechender Position und war am Ende untröstlich: „Ich möchte mich bei meinen Mitspielern entschuldigen.“ Tröstend nahm Trainer Klopp den Edeltechniker in den Arm und fand wenig später aufmunternde Worte: „Er hat großartig gespielt. Szenen wie diese hat jeder Fußballer schon mal erlebt.“

Das Aus schmerzte, machte aber Lust auf mehr. „Wir wollen im nächsten Jahr unbedingt wieder dabei sein und deshalb möglichst schnell die dafür noch nötigen sechs Punkte holen“, sagte Hummels. (dpa)