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So schön wird das Weihnachtsmärchen

Die künftigen Erzieher des BSZ erwarten 1200 Kindergartenkinder für die traditionellen Shows.

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Von Susanne Plecher

Der schlumpfblaue Kerl mit der weißen Schlappmütze hat ein typisches Jahresend-Problem: Einen Weihnachtsbaum soll er finden, und zwar den schönsten im ganzen Märchenwald. So beginnt die turbulente Reise des Weihnachtsschlumpfes, die am Mittwoch und Donnerstag viele Kinder aus den Kindergärten der Region staunend begleiten werden.

Es ist ein kleines Roadmovie, eine Abenteuerreise, auf der der blau-weiße Geselle verschiedene Aufgaben erfüllt: Er kämmt Rapunzels verfilztes Haar, baut mit Rotkäppchen einen Schneemann, entfacht Rumpelstilzchens Feuer und hilft Schneewittchen beim Wäsche abnehmen. „Die Zwerge sind zu klein, die kommen nicht bis zur Leine hoch“, erklärt Melanie Schille. Sie hält für die Klasse B der Erzieherschüler alle Organisationsfäden in der Hand. „Die Geschichte ist sehr nah an den bekanntesten Märchen angelegt, damit die Kinder einen Wiedererkennungswert haben“, erklärt sie. Ihre Mitschüler haben sich das Märchen selbst ausgedacht, Drehbuch und Texte geschrieben, Requisiten gestaltet, Kostüme organisiert, Spenden eingeworben, Werbung gemacht. 23 Darsteller gibt es, zwei Techniker, sogar eine Souffleuse ist dabei. Schon seit Oktober haben sie mit den Vorbereitungen zu tun.

Ohne die vielfältigen Spenden, die die Schüler von Privatpersonen und Firmen eingeworben haben, hätte es sicher nicht funktioniert: Die Requisiten sind aus Kartons gebaut, die eine Firma gespendet hat, die Kostüme stammen zum Teil aus dem Fundus des Meißner Theaters, der andere Teil ist selbst genäht. Der Fruchthof Meißen hat wieder frisches Obst für das Geschenk, das jedes Kind erhält, bereitgestellt. Die Mitarbeiter der Schlossbäckerei haben eigens Plätzchen gebacken. Ein Fleischer liefert Wiener Würstchen, damit die Kinder, deren Anreiseweg besonders lang ist, keinen Kohldampf schieben müssen. An alles ist gedacht.

Das Weihnachtsmärchen zu gestalten, gehört seit zehn Jahren zu den ersten großen Aufgaben, die die Erzieherschüler des Berufsschulzentrums „Karl Preusker“ während ihrer Ausbildung bewältigen müssen. „Es basiert auf Teamarbeit“, so Annett Leopold. Sie ist die Fachkonferenzleiterin der Erzieher und von der komplexen und praxisrelevanten Aufgabe überzeugt. „Die Schüler arbeiten selbstverantwortlich“, sagt die Lehrerin für darstellendes Spiel. Aber ganz ohne Anleitung und Hilfestellung ist das freilich nicht möglich: „Viele der Kollegen haben sich auch über ihren Unterricht hinaus für die Projekte stark gemacht“, sagt Annett Leopold anerkennend. Für die spätere Arbeit in den Kindergärten, Horten und Heimen sei das eine gute Vorbereitung. Ihre Schüler müssen sich selbst überwinden, sie müssen vor Kindern aus sich heraus gehen, laut sprechen. Denn die Aula ist an den Vorstellungstagen voll. Gestern, heute und an den kommenden beiden Tagen gibt es jeweils zwei Vorstellungen. „Unsere Aula fasst 150 Kinder, dann sind die Platzkapazitäten erschöpft“, so Annett Leopold. „Der Zuspruch ist sehr groß.“

Was ursprünglich als Dankeschön-Veranstaltung für all jene Einrichtungen gedacht war, die Praktikanten des BSZ betreuen, ist inzwischen zum Selbstläufer geworden. Weil die Stadt seit zwei Jahren die Kosten für die Technik übernimmt, sind per se alle kommunalen Kitas eingeladen. Es reisen aber auch Kinder aus Staucha, Gröditz, Elsterwerda an. Selbst Oschatzer waren schon einmal dabei. 1200 Kinder aus über 23 Einrichtungen werden erwartet. Sie teilen sich in die Vorstellungen, die die Erzieherschüler geben, hinein. Denn auch die Parallelklasse hat ein Märchen vorbereitet. Die aktuelle Wetterlage kommt ihrem Stück entgegen. „Hänsel und Gretel suchen nach dem Schnee“ heißt es. Als Dank für seine vielfältige Hilfe bekommt der Weihnachtsschlumpf der Erzieherklasse B übrigens viele Hinweise, wie er zum schönsten aller Bäume findet. Das Märchen geht, wer hätte Anderes erwartet, gut aus.

Was mit den liebevoll gestalteten Requisiten nach den Aufführungen passiert, darüber haben sich die künftigen Erzieher noch keine Gedanken gemacht. Mit einer Ausnahme: Aus Rapunzels Turm heraus wollen sie ihre Facharbeit verteidigen, sagt Melanie Schille und lacht.

„Hänsel und Gretel suchen nach dem Schnee“, heute, „Weihnachtsschlumpf im Winterwald“ am 19. und 20. Dezember jeweils 8.30 und 10 Uhr. Einzelne Plätze sind noch frei. Heinrich-Heine-Str.8.