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So schön wird der große Saal des Görlitzer Kinos

Ende Oktober eröffnet das frühere "Kino 1". Mit allen Besonderheiten, die in den 1990ern verschwunden waren. Die SZ durfte als Erste schon mal rein.

Der große Saal des Görlitzer Palast-Theaters wird Ende Oktober eröffnet: mit Parkett und Rang, in den historischen Farben und bronze-goldenem Stuck.
Der große Saal des Görlitzer Palast-Theaters wird Ende Oktober eröffnet: mit Parkett und Rang, in den historischen Farben und bronze-goldenem Stuck. © Nikolai Schmidt

"Palast-Theater" – dieser Name wird bald wieder halten, was er verspricht. Denn der große Saal wird eine Überraschung für alle werden, die das Kino aus den vergangenen 30 Jahren kennen. Alle, die hier schon vorher Filme schauten, werden geliebte Details wiederfinden, die den Reiz des "Palasts" vor der Wende ausmachten und die sie im späteren Kino 1 seit den 1990ern vermissten. 

Sanierung dockt an Nostalgie an

Dort war die Brüstung des ersten Ranges nur noch halb zu sehen und unscheinbar gestrichen. Im hinteren Teil des Kinos saß man unter einer niedrigen Decke, der Rang darüber war verbaut: Zwei kleinere Kinos waren da untergebracht, die man über die Treppe erreichte. Eine Bühne, auf der die heute über-40-jährigen Görlitzer noch Schülerkonzerte und andere Veranstaltungen erlebt hatten, gab es bis auf einen kleineren Vorsprung nicht mehr.

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Jetzt aber ist alles Verlorene wieder da. "Wir haben alles, was vor 30 Jahren an Trockenbauwänden eingebaut wurde, wieder entfernt", sagt der Görlitzer Architekt Christian Weise, dessen Büro die gesamte denkmalgerechte Sanierung des Palast-Theaters und den Umbau des Nachbarhauses zu weiteren Kinosälen seit 2018 betreut hat. "Jetzt gibt es wieder echte, verputzte Wände und eine Menge sichtbarer historischer Substanz." 

Rang gehört wieder zum Saal

So wird der erste Rang wieder Teil des großen Saales sein. Die Brüstung erhält einen Bronzeanstrich wie in den 1920ern, als das Gebäude Ecke Jakobstraße, Bahnhofstraße Kino wurde. Die Farben im Saal entsprechen den Funden, die man unter späteren Anstrichen entdeckte. Die Decke und ein Teil der Wände sind bereits dunkelgrün, in den Seitenrängen wird man vor Dunkelrot sitzen. 

Manuel Stein vom Architekturbüro Weise, Kieft-Regionalleiter Maik Honscha und der Görlitzer Kinoleiter Stefan Kretschmer bei einer Baubesprechung im bald fertig sanierten großen Saal des Palast-Theaters.
Manuel Stein vom Architekturbüro Weise, Kieft-Regionalleiter Maik Honscha und der Görlitzer Kinoleiter Stefan Kretschmer bei einer Baubesprechung im bald fertig sanierten großen Saal des Palast-Theaters. © Nikolai Schmidt

Der knapp unterhalb der Saaldecke aus der Wand ragende Stuck leuchtet schon jetzt bronze-golden und wird später sanft beleuchtet, mit energiesparenden Leuchtdioden. Auch das gab es früher schon einmal: "Nur dass damals Hunderte Glühbirnen dafür gebraucht wurden", sagt Christian Weise. In der Mitte der Saaldecke wird der historische Kronleuchter wieder angebracht. Der größte Teil des Stucks sei hinter Trockenbau und unter einer Mineralfaserdecke gut erhalten geblieben, sagt der Architekt, alles Zerstörte wurde ergänzt.

Technik und Komfort besser denn je

Was natürlich ganz und gar nicht mehr an frühere Jahrzehnte erinnern wird, sind Komfort und Projektionstechnik. "Wir bauen in unseren Kinos die modernste Technik ein", sagt Olaf Matz, der die Sanierung der Kinos der Kieft & Kieft Filmpalast GmbH als Projektleiter betreut, zurzeit in Zwickau, Bautzen und Görlitz. "Die Silberleinwand, ideal für 3 D, wird größer sein denn je. Das Bild des Laserprojektors wird so gestochen scharf sein, wie man es hier noch nie erlebt hat und die Soundanlage wird für einen authentischen Klang auf jedem Platz im Saal sorgen." 

Saß man vor 1990 auf harten Klappstühlen und nur im Rang ein wenig gepolstert, so wird man in Zukunft noch bequemer sitzen und mehr Platz haben als in den vergangenen Jahren. Im Parkett, das wieder echtes Fischgrätparkett erhält, werden 127 Kinosessel mit breiten Armlehnen und Ablagemöglichkeiten für Popcorn, Chips und Getränke eingebaut, im Rang sind es 123. Dazu kommen im Parkett 16 Sitze, auf denen man Filme in 4 D erleben kann: Man wird in Stromschnellen mitgerissen, bei Erdbeben geschüttelt und im Meer geschaukelt – die Sitze bewegen sich mit. 

Zwei neue Kinos mit Luxus-Standard

In den Seitenrängen wird es außerdem zwölf Plätze auf Drehstühlen an kleinen Tischen geben. "So kann man sich vor dem Film oder in Pausen noch besser miteinander unterhalten", sagt Kieft-Regionalleiter Maik Honscha. Zu zweit gemütlich Filme schauen, das wird jedoch besonders in den beiden Studiokinos im Gold-Class-Standard möglich sein, die unterhalb des ersten Ranges neu eingebaut wurden. Dort können jeweils gut 20 Gäste in Sofas und Sesseln sitzen, ein Kino ist blau, das andere rot. 

Zwei Studiokinos im Gold-Class-Standard sind unterhalb des Ranges eingebaut worden, eins in Blau, eins in Rot. Hier werden gut 20 Zuschauer auf Sofas und Sesseln Platz haben.
Zwei Studiokinos im Gold-Class-Standard sind unterhalb des Ranges eingebaut worden, eins in Blau, eins in Rot. Hier werden gut 20 Zuschauer auf Sofas und Sesseln Platz haben. © Nikolai Schmidt

Besonderheit ist hier, dass der Teppichboden die Formen und Farben der bleiverglasten Fenster wiederholt, die im Foyer wiederentdeckt wurden. Direkt gegenüber der großen Popcorn- und Getränkebar war bisher eine geschlossene Wand, nur von außen sah man die Laibungen zweier hoher Fenster. "Sie sind wohl 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zugemauert worden", sagt Maik Honscha. Die expressionistische blau-rote Bleiverglasung zeigt unter anderem eine leicht bekleidete Tänzerin. "Unter dem Mauerwerk ist das Glas vollständig erhalten geblieben, es war ein sehr überraschender Fund." 

Veranstaltungen jeder Art wieder möglich

Das rote Leuchten dieser Fenster kann man nicht nur im Vorbeigehen bestaunen, sondern zum Beispiel von der kleinen Galerie aus, die über der Bar gegenüber eingebaut wurde. Wie an mehreren anderen Stellen im Erdgeschoss gibt es auch hier Sitzgelegenheiten zum Warten, Trinken und Gespanntsein auf den neuen Film.

Die Fenster mit der expressionistischen Bleiverglasung im Foyer wurden bei der Sanierung wiederentdeckt. Links oben über der Bar ist eine Galerie mit Sitzplätzen entstanden.
Die Fenster mit der expressionistischen Bleiverglasung im Foyer wurden bei der Sanierung wiederentdeckt. Links oben über der Bar ist eine Galerie mit Sitzplätzen entstanden. © Nikolai Schmidt

Die beiden Studiokinos werden Ende September eröffnet, der große Saal dann einen Monat später. Der ist, dank Platz für 278 Gäste, der Bühne und dem "Palast"-Charakter auch wieder für Veranstaltungen geeignet. Von Görliwood-Filmpremieren über die Schulabschluss-Kinobesuche des Curie-Gymnasiums bis zu Feiern jeder Art. "Wir sind da ganz offen", sagt Maik Honscha, "und freuen uns, den Görlitzern wieder so einen schönen, theaterähnlichen Saal bieten zu können."

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