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So schick soll das Görlitzer Kaufhaus werden

Eine Weile war es ruhig um das Kaufhaus. Doch nun sind die Pläne gereift.  Investor Winfried Stöcker nennt auch einen Eröffnungstermin.

Eine Weile war es ruhig um das Görlitzer Kaufhaus. Doch nun scheinen die Pläne von Investor Winfried Stöcker so gereift und mit der Stadt Görlitz sowie der Denkmalpflege abgestimmt, dass die Sanierung des Jugendstil- Gebäudes im kommenden Jahr beginnen so
Eine Weile war es ruhig um das Görlitzer Kaufhaus. Doch nun scheinen die Pläne von Investor Winfried Stöcker so gereift und mit der Stadt Görlitz sowie der Denkmalpflege abgestimmt, dass die Sanierung des Jugendstil- Gebäudes im kommenden Jahr beginnen so © Vorlage: Stöcker

Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker ließ es sich am Wochenende nicht nehmen, die Amtseinführung des neuen Görlitzer Oberbürgermeisters Octavian Ursu im Theater mitzuerleben. Manch Besucher raunte seinem Nachbarn zu: „Schau mal, Stöcker ist auch da.“ Am Montag hatte er zudem einen Termin beim Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. Es ging ums Kaufhaus und den Berzdorfer See. Denn es gibt Neuigkeiten, wie der Lübecker Mediziner und Unternehmer mit Oberlausitzer Wurzeln gegenüber der SZ bestätigte: Sein Kaufhaus soll im Oktober 2021 eröffnen.

„Für den Ausbau des Kaufhauses laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren“, erklärte Stöcker nach dem Gespräch mit Ursu. „Wir genießen seit Längerem die volle Unterstützung der Görlitzer Behörden.“ Ursu wiederum will einen engen Draht mit Stöcker pflegen. Denn das Kaufhausprojekt ist das größte für den innerstädtischen Handel in Görlitz. Mehr als 50 Millionen Euro könnten die Pläne am Ende kosten.

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Sie sehen weiterhin vor, dass das eigentliche Kaufhaus gründlich saniert, der frühere Lieferanten-Anbau abgerissen und durch einen Erweiterungsbau ersetzt wird, in dem unter anderem Platz für Rolltreppen und Aufzüge sein wird. Das Kaufhaus erhält zudem eine zusätzliche Verkaufsetage im Dachgeschoss, von dem dort vorgesehenen Café und Restaurant sollen die künftigen Gäste einen besonders schönen Ausblick auf die Stadt und in der Ferne bis zu Iser- und Riesengebirge haben. Zudem wird auch das Kellergeschoss des Kaufhauses als Verkaufsfläche ausgebaut.

Gewohnter Optimismus

Das City-Center gehört ebenso zu dem Vorhaben, Stöcker hatte es vor Jahren erworben. Er nennt es jetzt Marktzentrum. Hier sind im Erdgeschoss ein Einkaufsmarkt für Lebensmittel vorgesehen sowie Marktstände für frische Waren des täglichen Verbrauchs, auf der gleichen Ebene wird das Parkhaus um 100 Parkplätze erweitert. In den oberen Stockwerken, die über eine neu errichtete Brücke mit dem Kaufhaus verbunden sein werden, sollen Geschäfte wie im eigentlichen Kaufhaus eingerichtet werden. Stöcker testet derzeit bereits in seinem „kleinen“ Kaufhaus am Postplatz aus, was an eleganter Mode gut im Görlitzer Markt funktioniert. Favorisiert wird das Shop-in-Shop-System.

Für die Belieferung von Kaufhaus und Marktzentrum erhält das Parkhaus am Postplatz ein Untergeschoss als Anlieferungszone. Dort landen die Transporter mit den Waren an, die zwischenzeitlich in einem Zentrallager in Görlitz deponiert werden sollen. Dafür wird noch eine Fläche für ein größeres Lagerhaus gesucht, damit keine großen Lastwagen ans Kaufhaus heranfahren müssen und die Innenstadt geschont wird.

Zwischen Kaufhaus und Marktzentrum entsteht eine teilweise auch überdachte Piazza. Dafür läuft bereits ein Bebauungsplan-Verfahren, die endgültigen Bauanträge für sein komplexes Vorhaben will Stöcker in den nächsten Tagen einreichen und hofft auf einen Start der Arbeiten Anfang nächsten Jahres. Für das Kaufhaus gibt sich Stöcker gewohnt optimistisch, setzt auf Qualität und besondere Angebote.

Ein bisschen wird man warten müssen, ehe Winfried Stöcker wieder ins dann frisch sanierte Görlitzer Kaufhaus einladen kann.
Ein bisschen wird man warten müssen, ehe Winfried Stöcker wieder ins dann frisch sanierte Görlitzer Kaufhaus einladen kann. © Pawel Sosnowski

Dazu könnten auch Marmeladen aus eigener Produktion gehören. In Kunnersdorf auf dem Eigen hat Stöcker einen Bauernhof erworben, auf dem er eine Feinkost-Produktion etablieren will. Bernstadts Bürgermeister Markus Weise freut sich über das Vorhaben. „Es ist sehr zu begrüßen, dass aus dem alten, verfallenen Gut wieder etwas wird.“ Früher wurde das Gelände insgesamt landwirtschaftlich genutzt, sodass sich mit dem neuen Vorhaben auch keine Widersprüche ergeben. Das Häuserensemble befindet sich auf einem Hügel nahe am Euroimmun-Kindergarten im Bernstädter Ortsteil Kunnersdorf.

Stöcker kann dabei auf eine Sammlung zahlreicher Rezepte von Marmeladen oder Gelees zurückgreifen. In zwei Jahren rechnet er damit, dass die Produktion läuft und teilweise über das Kaufhaus vermarktet werden kann. Die Hälfte des Obstes soll aus eigenem Anbau stammen, die andere Hälfte plant Stöcker zuzukaufen.

Das ist der Vierseithof in Kunnersdorf auf dem Eigen, den Stöcker erworben hat und wo er eine Feinkost-Produktion etablieren will. Zuvor muss das Areal natürlich saniert werden.
Das ist der Vierseithof in Kunnersdorf auf dem Eigen, den Stöcker erworben hat und wo er eine Feinkost-Produktion etablieren will. Zuvor muss das Areal natürlich saniert werden. © Anja Beutler

Von anderen Vorhaben in der Oberlausitz hat sich Stöcker indes trennen müssen. Der 72-Jährige schied Ende Juni als Vorstandsvorsitzender bei Euroimmun aus, nachdem er zuvor bereits seine Anteile an dem von ihm selbst gegründeten Unternehmen an PerkinElmer aus Amerika verkauft hatte. So führt er zwar noch ein medizinisch-technisches Labor, das für Euroimmun zahlreiche Tests bei Autoimmunerkrankungen sowie bei neurologischen Erkrankungen vornimmt, aber Stöcker hat keinen operativen Einfluss mehr bei Euroimmun. Das hat Folgen. So werden die Pläne für ein Ausbildungs- und Konferenzzentrum des Lübecker Unternehmens auf der Neuberzdorfer Höhe am Berzdorfer See nicht weiter verfolgt. 

Dort sollten eigentlich Labore und Hotels entstehen. Dafür hätten aber aufwendige bürokratische Verfahren mit ungewissen Erfolgsaussichten vorangetrieben werden müssen. Auch von den Plänen für eine Spritzguss-Produktion, die Stöcker im Siemens-Industriepark ansiedeln wollte, hat sich Euroimmun verabschiedet, weil Siemens nicht so viel Personal entlassen muss.

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Dafür aber hält Stöcker an der Golfanlage inklusive Hotelneubau am Berzdorfer See fest. Schon im nächsten Jahr soll eine Driving Ranch an der Blauen Lagune entstehen, wo künftige Golfspieler Abschläge üben können. Doch sein Hauptaugenmerk gilt in den nächsten Jahren dem Görlitzer Kaufhaus, dessen Sanierungsplanung auch aus seiner Sicht länger gedauert hat als gedacht. Aber womöglich ist das auch nicht von Nachteil: Über den schön gewordenen Postplatz schwärmt Winfried Stöcker und verspricht, dass auch das Kaufhaus sich an dessen Qualität messen lassen wird. (mit SZ/abl)

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