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So sieht der Landkreis im Jahr 2030 aus

Die Einwohnerzahlen sinken, der Anteil der Alten steigt. Das wird besonders auf dem Land zum Problem.

© dpa/dpaweb

Von Dirk Schulze

Die Deutschen werden immer weniger und immer älter. Dieses als demografischer Wandel bekannte Phänomen macht auch vor dem Landkreis nicht halt. In einer Modellrechnung, die der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal / Osterzgebirge im Rahmen eines bundesweiten Aktionsprogramms zur regionalen Daseinsvorsorge erstellen ließ, werden nun die ganz konkreten Auswirkungen dieser Entwicklung sichtbar. Das Modell zeigt die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2030. Grundlage für die Modellrechnung ist eine Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen, die von der Annahme ausgeht, dass eine Frau im Durchschnitt 1,42 Kinder bekommt. Ein vom Dortmunder Planungsbüro Spiekermann & Wegener erstelltes Arbeitspapier attestiert den Randgebieten im ländlichen Raum schon jetzt Defizite bei der Infrastruktur. Diese werden sich mit dem fortschreitenden demografischen Wandel noch erheblich verstärken. Die Einwohnerzahlen im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge gehen nach der Modellrechnung bis zum Jahr 2030 um 15 Prozent zurück. Zum Vergleich: Im benachbarten Kreis Meißen sind es sogar 19 Prozent, also fast ein Fünftel. Die Stadt Dresden hingegen trotzt dem Trend im ländlichen Raum – sie verliert bis 2030 nur zwei Prozent ihrer Einwohner. Das nähere Umland profitiert dabei von der Entwicklung in der Landeshauptstadt. Rund um Dresden ist eine deutlich positivere Entwicklung zu erwarten als beispielsweise im Norden Sachsens an der Grenze zu Brandenburg. Dort könnte der Bevölkerungsverlust bis 2030 laut der Studie teilweise ein Viertel oder sogar mehr betragen.

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Im Jahr 2030 wird es im Landkreis demnach doppelt so viele über 85-Jährige geben wie 2010, gleichzeitig wird die Zahl der Erwerbsfähigen um rund ein Drittel zurückgehen. Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Stadt und Land bei den Kindern. In Dresden steigt die Anzahl der zwischen Sechs- und Elfjährigen in den nächsten zehn Jahren um fast ein Viertel an, bevor sie sich 2030 kurz über dem aktuellen Niveau einpegelt. Im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge fällt die Kurve jedoch kontinuierlich ab. In zwanzig Jahren werden hier rund ein Viertel weniger Kinder im Grundschulalter leben, tritt der demografische Wandel so ein wie berechnet.

Diese Prognosen stellen den Landkreis besonders in den Bereichen Bildung, Mobilität und der Perspektiven für ältere Menschen vor große Herausforderungen und werde alle Entscheidungsträger in den kommenden Jahren beschäftigen, erklärte Landrat Michael Geisler (CDU) auf einer Veranstaltung des Regionalen Planungsverbandes im November. „Der Begriff des demografischen Wandels ist zwar in allen Mündern angekommen, aber noch nicht in allen Köpfen“, sagte der Landrat.

Besonders drastische Veränderungen könnten sich für die Mobilität der Menschen ergeben, wenn sich öffentliche Verkehrsmittel im ländlichen Raum nur noch auf einige wenige Hauptachsen konzentrieren. Diese Entwicklung hat schon längst begonnen: Die Nahverkehrs-Nachfrage ist auf den Dörfern vergleichsweise gering, touristischer Verkehr spielt kaum eine Rolle. Der Schülerverkehr ist das Rückgrat der Beförderung – die Verkehrsunternehmen erzielen etwa die Hälfte ihrer Erlöse damit. Sinkt die Anzahl schulpflichtiger Kinder, verringern sich die Einnahmen der Verkehrsbetriebe, sie müssen ihr Netz ausdünnen und Fahrten streichen. Parallel dazu wird es einen steigenden Anteil Hochbetagter geben, die nicht mehr fahrtüchtig sind oder sich aufgrund von Altersarmut kein eigenes Auto leisten können – und die fänden dann keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr vor.

Das Deutsche Institut für Stadt und Raum in Berlin hat deshalb neue Szenarien des öffentlichen Nahverkehrs entwickelt. Bus und Bahn sollten auf ein Taktsystem mit bedarfsgerechter Linienführung umgestellt werden. Neben den Hauptlinien sollen dabei flexible Linien oder Rufbusse verkehren. Unter dem Titel „Gemeindeflitzer“ soll das in einem Pilotprojekt ab Herbst 2014 im Osterzgebirge getestet werden.