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So sieht eine neue Sozialwohnung aus

In Leuben entstehen Wohnungen für Geringverdiener. Wer dort mieten darf, wie die Räume ausgestattet sind und wo noch gebaut wird.

Platz für eine Familie mit vier Kindern: In Leuben ist die erste neu gebaute Sozialwohnung fertig. Sie soll zeigen, wie die Räume künftig ausgestattet sind.
Platz für eine Familie mit vier Kindern: In Leuben ist die erste neu gebaute Sozialwohnung fertig. Sie soll zeigen, wie die Räume künftig ausgestattet sind. © Marion Doering

Das Thema wurde in Dresden heiß diskutiert: Wie sollen neue Sozialwohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WiD ausgestattet sein? Balkon oder Terrasse? Ein zweites Bad ab fünf Personen im Haushalt? Das hielten einige für übertrieben und ungerechtfertigt denen gegenüber, die arbeiten gehen und ihre Wohnung selbst bezahlen müssen. Andere fanden die Ausstattung angemessen und bescheiden. Im September 2017 hatte der Stadtrat die lange umstrittenen Kriterien beschlossen. Gut zweieinhalb Jahre später ist nun eine erste Musterwohnung fertig, im Juni werden die ersten Mieter in den Neubau einziehen. Und zwar in der Ulmenstraße in Leuben. Ruhige Lage, beschauliches Wohnviertel, gute Anbindung per Straßenbahn in die Stadt. 

Wie sind die Sozialwohnungen ausgestattet?

Die Musterwohnung im Erdgeschoss ist knapp 100 Quadratmeter groß, in die Fünfraumwohnung könnte später eine Familie mit vier Kindern einziehen. Knapp 960 Euro Warmmiete werden dafür fällig. Möglich ist diese vergleichsweise preiswerte Miete durch eine Förderung des Freistaates, die rund 3,50 Euro pro Quadratmeter ausmacht. In der neuen Sozialwohnung gibt es ein Bad mit Badewanne und ein weiteres nur mit WC. Die Bäder sind gefliest, in den restlichen Räumen wurde sogenannter Design-Fußbodenbelag aus PVC verlegt. WiD-Chef Steffen Jäckel erklärt, dass dieser preislich ähnlich einem Linoleum- oder Laminatfußboden sei, allerdings deutlich beständiger und leichter auszuwechseln ist. "Wir wollen nicht billig bauen, denn das würde uns in einigen Jahren auf die Füße fallen." Um zu zeigen, wie es später eingerichtet aussehen könnte, wurden Pappmöbel aufgestellt, sogar einen Fernseher gibt es. Große Fenster machen die Räume hell, vom Wohnzimmer aus geht es auf die ebenerdige Terrasse. Die oberen Wohnungen haben einen Balkon. 

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Vater, Mutter und Kinder
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Ohne viel Schnickschnack, gefliest in grau und weiß: Im großen Bad gibt es eine Badewanne, in einem kleineren nur ein WC.
Ohne viel Schnickschnack, gefliest in grau und weiß: Im großen Bad gibt es eine Badewanne, in einem kleineren nur ein WC. © Marion Doering
Neben dem Wohnzimmer gibt es vier weitere Räume, die als Schlafzimmer oder für die Kinder genutzt werden können. Das hier ist mit 16 Quadratmetern das größte.
Neben dem Wohnzimmer gibt es vier weitere Räume, die als Schlafzimmer oder für die Kinder genutzt werden können. Das hier ist mit 16 Quadratmetern das größte. © Marion Doering
Achtung Attrappe: Die Küchenmöbel aus Pappe sollen zeigen, wie die Sozialwohnung eingerichtet aussehen könnte. Die Küche ist offen und direkt an das Wohnzimmer angeschlossen.
Achtung Attrappe: Die Küchenmöbel aus Pappe sollen zeigen, wie die Sozialwohnung eingerichtet aussehen könnte. Die Küche ist offen und direkt an das Wohnzimmer angeschlossen. © Marion Doering
In den Wohnungen wird sogenannter Design-Fußboden in Holzoptik verlegt. Das Material aus PVC soll sehr beständig sein und ist leicht auszutauschen.
In den Wohnungen wird sogenannter Design-Fußboden in Holzoptik verlegt. Das Material aus PVC soll sehr beständig sein und ist leicht auszutauschen. © Marion Doering
An der Ulmenstraße in Leuben ist das erste Wohnhaus der WiD fast fertig. Die 22 Wohnungen werden an Geringverdiener vermietet, die allerdings einen Wohnberechtigungsschein brauchen.
An der Ulmenstraße in Leuben ist das erste Wohnhaus der WiD fast fertig. Die 22 Wohnungen werden an Geringverdiener vermietet, die allerdings einen Wohnberechtigungsschein brauchen. © Marion Doering
Im Innenhof gibt es auch einen kleinen Spielplatz und Pkw-Stellplätze.
Im Innenhof gibt es auch einen kleinen Spielplatz und Pkw-Stellplätze. © Marion Doering

Wer darf die Sozialwohnungen mieten und was kosten sie?

Wer eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreitet, kann bei der Stadtverwaltung einen sogenannten Wohnberechtigungsschein beantragen. Als Beispiel nannte Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) die Einkommensgrenze von 1.150 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. Wer also alleine eine dieser Sozialwohnungen mieten will, darf nicht mehr verdienen. Bei zwei Personen liegt die jährliche Einkommensgrenze bei 20.700 Euro, bei einer Familie mit zwei minderjährigen Kinder bei 31.280 Euro - Kindergeld wird nicht angerechnet.

Ausgestellt wird dann ein Wohnberechtigungsschein des Typs gMW. Dieser kann beim Sozialamt beantragt werden, das ist auch mit einem Formular im Internet möglich. Mit dem Schein können sich Interessenten selbst bei der WiD bewerben, wer das aus einem bestimmten Grund nicht kann, bekommt dabei Unterstützung vom Sozialamt. Geprüft wird auch, wie dringend jemand eine Wohnung braucht, so Kaufmann. Eine schwangere Frau, die noch bei ihren Eltern lebt, wird eher berücksichtigt, als ein Pärchen, das zusammenziehen will. "Es geht nicht nach der Reihenfolge der Bewerbungen." Bislang gingen beim Sozialamt rund 120 Anfrage für eine der neuen WiD-Wohnungen ein, bei der WiD selbst mehr als 140. Allein 40 Interessenten gibt es für die 22 Wohnungen in der Ulmenstraße. 

Die WiD soll künftig allerdings nicht nur ausschließlich an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermieten, sondern einen Teil der Wohnungen zur ortsüblichen Miete anbieten. Dafür sind Standorte vorgesehen, an denen mehr als 50 Wohnungen entstehen. 

Wo entstehen weitere Wohnhäuser?

Gebaut wird nicht nur in Leuben, sondern auch an sieben anderen Standorten im Dresdner Südosten. Diese Flächen gehören zum ersten Grundstückspaket der WiD, das insgesamt 600 Wohnungen umfasst und für das die Planungen schon fertig sind oder überarbeitet werden. Visualisierungen zeigen schon jetzt, wie diese Gebäude aussehen werden. Sie sind im Lageplan zu sehen, wenn das Haus angeklickt wird. Mit dem zweiten Grundstückspaket  wurde der Neubau von 167 Wohnungen beschlossen, darunter auf Flächen an der Pillnitzer Landstraße - wo übrigens nicht nur neu gebaut, sondern auch saniert wird -  und auch im Dresdner Westen. Um den Bestand an Sozialwohnungen schnell zu vergrößern, soll die WiD auch Altbauwohnungen in Pieschen übernehmen.

Gibt es auch private Investoren, die preiswerter an Bedürftige vermieten?

Ja, auch private Bauherren bieten Wohnungen an, die Menschen mit geringem Einkommen mieten können. Gebaut wird an acht Standorten, an denen insgesamt 160 Wohnungen für Bedürftige entstehen. Wie die WiD bekommen die privaten Investoren dafür Fördermittel vom Freistaat. Wo genau diese Wohnungen gebaut werden, will die Stadt aber nicht sagen. Verraten werden hier nur die Stadtteile mit der Anzahl der Wohnungen: Neustadt (36), Friedrichstadt (86), Altstadt (32), Cotta (4) und Leuben (2). 

Wie geht es mit dem sozialen Wohnungsbau weiter?

Ziel ist es, bis 2024 insgesamt 2.500 kommunale Sozialwohnungen zu bauen. Konkret geplant sind bislang 1.330  an 37 Standorten in ganz Dresden. Bis Ende dieses Jahres  sollen 118 Wohnungen fertig sein, im kommenden Jahr weitere 263. Das Ziel von 800 fertigen Wohnungen bis 2022 wird allerdings nicht erreicht werden, denn das geplante Hochhausprojekt am Käthe-Kollwitz-Ufer liegt derzeit auf Eis, Anwohner hatten dagegen protestiert. Nun wird umgeplant.

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Die Stadtverwaltung und die WiD sind aber auch weiterhin permanent auf der Suche nach weiteren Grundstücken, auf denen Wohnhäuser entstehen könnten. Doch geeignete Flächen zu finden ist schwierig, wie Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) erst kürzlich betonte. Deshalb zeigte er sich nun auch verärgert, als die FDP forderte, die alte Herkuleskeule zu erhalten.  Das Grundstück am Sternplatz ist eigentlich für 39 weitere Sozialwohnungen vorgesehen. 

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