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So sind Döbelns Wirte neu gestartet

Vor knapp drei Wochen durften Lokale öffnen. Das erste Fazit der Gastronomen reicht von „überrannt“ bis „schwierig“.

Die Wirtin des Waldheimer Ratskellers, Kathrin Kreyser-Zeuner, bedient ihre Gäste seit knapp drei Wochen unter Corona-Bedingungen. Probleme bei der Umsetzung der Vorschriften hat die Gastronomin bislang nicht gehabt.
Die Wirtin des Waldheimer Ratskellers, Kathrin Kreyser-Zeuner, bedient ihre Gäste seit knapp drei Wochen unter Corona-Bedingungen. Probleme bei der Umsetzung der Vorschriften hat die Gastronomin bislang nicht gehabt. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Bedienung mit Mundschutz, Abstand zwischen den Tischen und Desinfektion nach jeder Bewirtung. Seit fast drei Wochen dürfen die Gaststätten und Hotels in Sachsen unter gewöhnungsbedürftigen Corona-Bedingungen wieder ihre Gäste empfangen. Mit dem Himmelfahrts- und Pfingstwochenende lagen eigentlich umsatzstarke Tage in dieser Zeit. Doch wie ist der Neustart wirklich verlaufen? Sächsische.de fragte nach.

Blitzstart im Waldheimer Ratskeller

„Die ersten Tage waren gigantisch, gerade die Stammkunden haben große Solidarität mit uns bewiesen“, sagt Kathrin Kreyser-Zeuner, die Chefin des „Ratskellers“ in Waldheim. Auch der Männertag sei noch topp gelaufen, danach ging der Ansturm etwas zurück. „Verständlich, die Leute sind noch verunsichert.

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 Gerade die Ü 70-Generation fehlt uns“, sagt die Wirtin, die in ihrem Restaurant die in Sachsen geltenden Vorschriften problemlos umgesetzt hat. „Es passt, auch wenn natürlich die Hälfte der Tische fehlt“, sagt Kathrin Kreyser-Zeuner, die am Eingang ein Schild aufgestellt hat, welches die Gäste beachten müssen. 

„Gerade Leute aus den alten Bundesländern staunen, dass die Vorschriften hier im Gegensatz zu Bayern oder Nordrein-Westfalen relativ locker sind, niemand der Gäste eine Maske aufsetzen muss und auch keine Kontaktdaten aufgenommen werden“, sagt sie. Solche Maßnahmen würden auch die Freude am Restaurantbesuch nehmen. 

Glücklich ist die Gastronomin, ab 6. Juni wieder Familienfeiern ausrichten zu dürfen. „Aber du kannst ohnehin nur nach vorne schauen und sehen, was jeder Monat bringt. Die Auswirkungen der Corona-Krise wird man ohnehin erst in einem Jahr sehen“, sagt Kathrin Kreyser-Zeuner.

Taverne startet besser als erwartet

Besser als erwartet, schätzt Karsten Thalheim, der Chef der „Taverne“ in Leisnig, das Geschäft der vergangenen Wochen ein. Abends und in der Woche sei die Nachfrage noch etwas verhalten, doch gerade zu Pfingsten spiegelte sich die Anzahl der Burgbesucher auch an den Tischen wider.

 „Da hätten wir gern mehr Kapazität gehabt, als es derzeit möglich ist. Aber wir sind dann mit Tischen vor die Gaststätte ausgewichen“, sagt der Wirt, dem auffällt, dass einige Generationen noch Vorsicht walten lassen. So würden Familien mit Kindern und ältere Leute derzeit eher selten in die Gaststätte gehen. 

Problematisch sieht er die Arbeit mit dem Mundschutz. Besonders das Servicepersonal käme da schon ins Schnaufen, wenn die Treppe zur Terrasse bewältigt werden muss. „Gerade bei der Wärme ist das schon eine Qual“, sagt Karsten Thalheim, der die Lage insgesamt als „vorsichtig optimistisch“ beschreibt.

Besondere Allianz im Bürgergarten

Eine besondere Allianz hatten Döbelner „Bürgergarten“ und „Old Town Pub“ zu Pfingsten schon zum zweiten Mal gebildet. Bereits am 9. Mai lockten die beiden Lokale ihre Gäste auf die Freifläche des Bürgergartens. 

„Wir sind zufrieden mit der Aktion, vielleicht wiederholen wir die im Herbst“, sagt Bürgergarten-Chef Lars Lemke. Aber auch ansonsten zeigte sich der Wirt über den Verlauf der vergangenen Tage nicht enttäuscht. „Wir leben ja von der Laufkundschaft und da können wir mit der Resonanz zufrieden sein“, so Lemke. 

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Eine Herausforderung sei die Arbeit unter Corona-Vorschriften allerdings für die Kellner. Auch bei der Wärme ist der Mundschutz Pflicht und das wäre alles andere als angenehm. Zudem sei die permanente Desinfektion der Tische und Speisekarten schon mühsam. „Die Leute halten Abstand und auch ansonsten die Vorgaben ein“, zieht Lemke aber ein positives Fazit.

 „Die Wiedereröffnung hat schon geholfen, aber man muss erfinderisch sein in dieser Zeit“, fügt er an und plant bereits die nächsten Veranstaltungen auf der Freifläche. „Dass wir bei uns diesen Platz haben, ist schon ein großer Vorteil“, sagt Lemke.

Schwierige Lage im Old Town Pub

Etwas geholfen hat die gemeinsame Aktion dem Old Town Pub. Ansonsten allerdings laufe das normale Geschäft eher schleppend. Vor allem die Tatsache, dass nur Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen, würde das Geschäft einschränken. 

„Der Schnitzeltag am Mittwoch und auch das Langschläferfrühstück am Sonntag laufen langsam an. Allerdings wäre es wirtschaftlich eigentlich besser, die Gaststätte zuzulassen“, sagt Denise Klette. Aber das will sie nicht. Die Wirtin und ihr Team seien gewohnt, etwas zu tun und wollen für ihre Gäste da sein. 

Bei der Einhaltung der Hygienevorschriften empfindet sie vor allem den Mundschutz als Belastung. „Man muss damit teilweise schnell laufen. Und am Tisch müssen die Gäste immer noch mal nachfragen“, sagt Klette. „Wenn es weiter so läuft, dann kommen harte Zeiten auf uns zu“, fügt sie an.

Brave Gäste vorm Black Horse

„Die Gäste sind sehr verständnisvoll“, erzählt Carmen Binder, Wirtin des „Black Horse“ in Döbeln. „Die sind lieb und nett, stehen ganz brav vor der Tür und lassen sich alles erst einmal erklären.“ Vor allem vom Spuckschutz, der zwischen den einzelnen Tischen angebracht ist, würde die kleine Kneipe profitieren. 

„Dadurch ist es angenehmer als in einem leer gefegten Raum zu sitzen. Die Gemütlichkeit bleibt mit Leuten zumindest etwas erhalten. Und Gott sei Dank mussten wir noch niemanden abweisen“, sagt Carmen Binder. Für sie selbst und ihren Mann Uwe sei es allerdings belastend, mit dem Mundschutz zu arbeiten. „Vor allem auch in der Küche, wo das bei den Dämpfen teilweise sehr unangenehm ist.“ 

Insgesamt schätzt die Wirtin das Interesse der Kundschaft allerdings als verhalten ein. „Der große Hype ist noch nicht ausgebrochen. Wie auch – viele sind auf Kurzarbeit“, sagt Carmen Binder, die sich mit der Wiedereröffnung und vor allem dem Pfingstgeschäft dennoch zufrieden zeigt.

Waldhaus zu Pfingsten überrannt

„Es gibt den menschlichen und den wirtschaftlichen Aspekt“, sagt Tom Möbius, Geschäftsführer des Hotels „Waldhaus“ in Lauenhain. „Eigentlich haben wir nur für die Gäste und das Personal geöffnet. Wirtschaftlich dagegen ist es eine Katastrophe. Am Tagesende bleibt nichts übrig, um etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen“, sagt der Juniorchef des Hauses.

 So hofft er mit seinem Team auf die ab 6. Juni geltenden weiteren Lockerungen, zum Beispiel bei Familienfeiern. „Wir haben bisher alles ordentlich eingehalten und gerade Pfingsten reichlich Leute wegschicken müssen“, sagt Tom Möbius und fügt an: „Manche fanden das gar nicht cool, andere hatten Verständnis.“ 

Insgesamt aber seien die Gäste der Meinung, die Kellner benötigen keinen Mundschutz. „Es ist interessant, dass das die Leute so einschätzen“, sagt Möbius, der auf weitere Lockerungen hofft.

Muldentalklause setzt auf Technik

Neue Wege geht aufgrund der Marktlage Michael Horn, der Geschäftsführer der Muldentalklause in Westewitz. „Himmelfahrt und Pfingstmontag waren gut, da war die Terrasse voll“, sagt er, ansonsten sei das Geschäft in der Woche und am Abend aber eher schlecht. 

„Die Leute sind einfach verängstigt, gerade hat wieder jemand eine Familienfeier abgesagt“, so der Wirt. Deshalb hat er auch sein komplettes Gaststättensystem umgestellt. Der Service nimmt die Bestellung mit Maske auf und gibt den Leuten einen Pager (Rufsystem). Wenn der hupt, können sie sich die Speisen am Tresen abholen, der zusätzlich mit einem Spuckschutz versehen ist.

„Die Gäste müssen sich erst dran gewöhnen, aber es ist praktikabel und funktioniert“, sagt Michael Horn und fügt an: „Es ist schlecht zu planen, da niemand weiß, wie viele Gäste kommen. Man kann nur warten und hoffen, dass es bald besser wird.“

Keine Probleme in der Bauernstube

„Wir wollen nicht meckern, das wäre unfair“, sagt Bettina Fischer, die Inhaberin der „Bauernstube“ in Ostrau. Die Leute würden die Maske tragen, wenn sie die Gaststätte betreten, und auch wenn sie die Toilette aufsuchen. „Die folgen, wir haben uns noch mit niemandem streiten müssen“, sagt die Wirtin und fügt an: „Natürlich ist das ärgerlich, auch für uns als Kellner, aber solange die Maske Vorschrift ist, muss man damit leben.“ 

Ansonsten freut sich Bettina Fischer, dass ihr die Kunden die Treue gehalten haben. Die Auslastung am Wochenende sei spitzenmäßig. Und da ab 6. Juni auch Familienfeiern bis zu 50 Leuten wieder zugelassen werden, ist das Buch der Bauernstube in Ostrau bis zum Jahresende gefüllt. „Das gibt Planungssicherheit“, sagt Bettina Fischer. „Eigentlich sind wir voll zufrieden.“

Verhaltenes Interesse bei Albi

Sehr verhalten ist das Interesse in „Albis Petrol Corner“ in Waldheim. „Viele der Stammgäste waren da, die Wochenenden und Pfingsten verliefen gut“, sagt Wirt Thomas Albert. Allerdings sei das restliche Geschäft sehr sporadisch gewesen. „Die haben alle noch Angst, beziehungsweise durch die Kurzarbeit nicht so viel Geld in der Tasche“, denkt der Wirt. 

Bei der Umsetzung des Hygienekonzeptes stößt er bei den Gästen auf großes Verständnis. Allerdings seien die Masken im Service äußerst unpraktisch. „Die Leute verstehen einen einfach nicht“, sagt Albert. Und durch die hohe Luftfeuchtigkeit in der Küche müssten sie auch fünfmal am Tag gewechselt werden. Positiv bewertet er die Lockerungen bei den Familienfeiern ab Sonnabend. „Jetzt werden wir sehen, wie wir über den Sommer kommen“, so der Wirt.

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