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So soll der Bürgergarten optimiert werden

Bis August soll ein Planungsbüro ein Konzept für die Parkanlage vorlegen. Eines ist schon klar: Ein paar Bäume stehen im Weg.

Blick über den oberen Teich zum alten Musikpavillon: Ein Baum, vor über 20 Jahren an der falschen Stelle gepflanzt, verstellt die Sichtachse.
Blick über den oberen Teich zum alten Musikpavillon: Ein Baum, vor über 20 Jahren an der falschen Stelle gepflanzt, verstellt die Sichtachse. © Jens Hoyer

Döbeln. Mit dem Bürgergarten verbinden die Döbelner eine Menge nostalgischer Erinnerungen. Als die Stadt aufrief, Ideen für die Aufwertung der Parkanlage einzubringen, haben sich knapp 20 Döbelner beteiligt. „Die Hälfte der Leute hat gesagt, dass sie früher mit ihren Eltern oder den eigenen Kindern im Bürgergarten waren, was es damals alles gab und was sie gern wiederhaben möchten“, sagte Baudezernent Thomas Hanns. 

Aber vieles, was es damals gab, ist heute nicht mehr aktuell. Ziegen und Hängebauchschweine wird es in Zukunft nicht im Bürgergarten geben. Der Aufwand wäre viel zu hoch. „Ohne Einnahmen ist das nicht zu schaffen. Es ist vor allem ein personelles Problem. Man braucht auch am Wochenende jemand, der sich um die Tiere kümmert“, sagte Maja Köhler vom Planungsamt der Stadt.

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Landschaftsplaner im Boot

„Das Schwierige ist, dass wir einen funktionierenden Park haben, der aufgewertet werden soll. Aus dem, was wir haben, soll etwas Optimales gemacht werden“, sagte Thomas Hanns. Die Stadt hat sich dafür Profis ins Boot geholt und ein Landschaftsplanungsbüro beauftragt, ein Konzept für den Park zu erarbeiten. 

Am Mittwoch gab es dazu einen Workshop in der Gaststätte im Bürgergarten mit Vertretern der Stadtverwaltung, den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses und Bürgern, die sich mit Ideen beteiligt haben. Ein paar Trends, wo die Entwicklung hingehen könnte, haben sich schon ergeben.

Der Bürgergarten war ab 1905 vom Döbelner Steinsetzmeister Hermann Kneiß als Rosengarten angelegt worden. „Das Thema Rosen und wo man welche hinstellen kann, ist von den Bürgern aufgegriffen worden“, sagte Hanns. „Es geht aber nicht darum, den Bürgergarten historisierend umzugestalten. Es gibt ja viele Arten von Rosen, die man als Thema aufgreifen kann, Teichrosten, Pfingstrosen und Christrosen im Winter“, sagte Hanns.

Der Bepflanzung des Bürgergartens kommt im Konzept ein hoher Stellenwert zu. 1905 sah das Gelände ganz anders aus als heute. Jetzt wird es von Bäumen dominiert, die in vielen Jahrzehnten wild wuchern konnten. Und das ist ein Problem. Die Sichtachsen, die einem Park seinen Charakter geben, sind im Bürgergarten im Laufe der Jahrzehnte zugewachsen. „Es könnte sein, dass einige Bäumen rausmüssen und anderes neu gepflanzt werden muss“, sagte Hanns.

Seit 115 Jahren Park

Im November 1903 pachtet der Döbelner Steinsetzmeister Hermann Kneiß die Wiese am Brauereiteich und eröffnet auf dem Teich eine Eisbahn.

Im März 1905 erteilte die Stadtverordnetenversammlung Kneiß die Genehmigung, den städtischen Eisbahnteich als Gondelteich zu nutzen und einen öffentlichen Rosengarten anzulegen. Ein Jahr später baute er ein „Unterkunftshaus“ mit Schankbetrieb. In der Anfangszeit des Rosengartens wurde auch der Musikpavillon am Hang gebaut. Im Rosengarten standen bis zu 8.000 Rosenstöcke.

Die Geschichte des Rosengartens endete in einem Streit mit der Stadt. Diese lehnt es ab, Kneiß eine Entschädigung für seine Aufwendungen im Bürgergarten zu zahlen. Der Pachtvertrag endete im Jahr 1915. Die Stadt hatte den Namen „Bürgergarten“ durchgesetzt, Kneiß wollte den Park „Kneiß’sche Anlagen“ nennen.

Ein modernes Parkrestaurant wurde 1983 anstelle der alten Gaststätte gebaut. Dieses verfiel nach der Wende und wurde 1995 abgerissen. 1996 gab es einen Architekturwettbewerb für eine neue Gaststätte, die von der städtischen Wohnungsgesellschaft DWVG gebaut und 1999 eingeweiht wurde. Heute befindet sie sich im Besitz von Lars Lemke, der sie beträchtlich erweitert hat.

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Eines ist jetzt schon klar. Eine Buche am oberen Teich steht ungünstig. Sie war vor über 20 Jahren an der falschen Stelle in der Sichtachse gepflanzt worden und steht dem freien Blick im Weg. „Wir prüfen, ob wir den Baum umsetzen lassen können“, sagte Maja Köhler.

 Die Stadt hatte damit im vorigen Jahr Erfahrung gesammelt, als drei etwa 20 Jahre alte Bäume von ihrem Platz vor dem ehemaligen Straßenbauamt auf dem Kasernengelände erfolgreich zum neuen Pausenhof der Kunzemannschule umgesetzt wurden.

Auch für den ehemaligen Musikpavillon sollen einige Nutzungsvorschläge erarbeitet werden. Welche, darüber will sich das Planungsamt noch nicht auslassen. „Wenn man eine neue Nutzung findet, muss man in eine Zufahrt und den Stromanschluss investieren“, sagte Maja Köhler.

 Die ehemalige Freilichtbühne könnte als grünes Klassenzimmer und für Theatervorstellungen der Schulen genutzt werden, sagte Hanns. Eine Wiederbelebung nach altem Muster mit Konzerten und Freilichtkino kommt dagegen nicht infrage. Zumindest war die verwilderte Fläche von der Stadtgärtnerei freigeschnitten worden.

Bespielbare Kunst im Park

Gewünscht werden auch Spielangebote für Kinder im Park. Hanns schwebt so etwas wie „bespielbare Kunst“ im Bürgergarten vor. Im Stadtgebiet laufen die vor einigen Jahren aufgestellten Betontiere unter dieser Kategorie, die von einigen geliebt, von anderen geschmäht werden. Ein bisschen Kunst gibt es schon im Park. Dort steht der „Lautenspieler“ des Döbelner Bildhauers Otto Rost.

Über Geld habe man beim Workshop nicht geredet, nur über Ideen, sagte Hanns. Da verfährt die Stadt nach dem Motto: Kommt Zeit, kommt Rat. Über drei Jahre stehen erst einmal 20.000 Euro zur Verfügung, was für nicht viel mehr als für die Erarbeitung des Gestaltungskonzeptes reicht. 

Im August soll es vorliegen und im Oktober vom Stadtrat verabschiedet werden. Mit dem Konzept könne dann an die Umsetzung gegangen werden, wenn die nötigen Fördermittel aufgetan werden. „Es gibt Sofortmaßnahmen, mittel- und langfristige Ziele. Manche Dinge, wie das Freischneiden der Sichtachsen, können die Stadtgärtner schon im Winter realisieren“, sagte Maja Köhler.

Ein Problem sei der Vandalismus, den auch Lars Lemke, der Eigentümer der Gaststätte, immer wieder zu spüren bekommt, sagte Thomas Hanns. Graffiti werden gesprüht und Bänke beschädigt.

 Der Musikpavillon müsste, wenn er reaktiviert wird, vor Beschädigungen geschützt werden. „Der Vandalismus ist zu beachten. Lars Lemke hat den Vorschlag gemacht, eine Bürgerinitiative einzubeziehen, die sich um den Bürgergarten kümmert. Das ist ein interessanter Aspekt.“

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