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So soll der Regelbetrieb in den Kitas laufen

Ab 29. Juni können die Kitas in Sachsen wieder zu ihren regulären Öffnungszeiten und Konzepten zurückkehren. Auflagen zum Schutz vor Corona gelten aber weiter.

Normalbetrieb in den Kitas: Die strenge Gruppentrennung wird aufgehoben.
Normalbetrieb in den Kitas: Die strenge Gruppentrennung wird aufgehoben. © dpa

Dresden. In Sachsens Kitas kann wieder etwas Normalität einziehen. Ab kommendem Montag, den 29. Juni haben sie die Möglichkeit, wieder zum Regelbetrieb zurückzukehren. "Nach ausführlicher Beratung mit Infektiologen, Vertretern der Kitapraxis und den Trägern von Kindertageseinrichtungen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Im Kitabereich haben wir kein signifikant wahrnehmbares Infektionsgeschehen zu verzeichnen." Piwarz erhofft sich davon eine Entlastung Eltern und des Personals in den Einrichtungen sowie eine Verringerung des organisatorischen Aufwands.

Was soll sich in den Kitas ändern?

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Die Hygieneauflagen zur strikten Gruppentrennung innerhalb des Gebäudes und auch auf dem Gelände fallen weg. Kinderkrippen und Kindergärten können ab 29. Juni wieder zu ihren pädagogischen Konzepten zurückkehren. Das hatte unter anderem der Sozialverband VdK gefordert. „Der derzeit geltende eingeschränkte Regelbetrieb mit seiner strikten Gruppentrennung führt in den Einrichtungen zu einer enormen Belastung der Erzieherinnen und Erzieher“, sagte der Landesverbandsvorsitzende Horst Wehner. In gleichem Maße seien auch die Eltern durch eingeschränkte Öffnungszeiten erheblich belastet.

Werden alle Kitas wieder normal öffnen?

Die Einrichtungen können mit wieder zu den Regelöffnungszeiten zurückkehren – sie müssen nicht. Manche Kitas werden für den Übergang noch bei der Gruppenstruktur bleiben. Durch die bisher nötige Betreuung in festen Gruppen sind die Öffnungs- und Betreuungszeiten in den meisten Einrichtungen deutlich verkürzt. Nur so konnte der zusätzliche Personalaufwand ausgeglichen werden. Nun muss das Personal anders geplant werden.

Sind offene und teiloffene Betreuungskonzepte wieder möglich?

Ja. Offene und teiloffene Betreuungskonzepte können wieder umgesetzt werden. „Die Kinder können nun wieder mit ihren Freundinnen und Freunden aus anderen Gruppen spielen und sich freier bewegen“, sagte Bildungspolitikerin Christin Melcher (Grüne). „Dies ist ein wichtiger Schritt für das Kindeswohl und für die pädagogische Arbeit der Fachkräfte.

Gibt es gar keine Corona-Auflagen mehr?

Doch. Jede einzelne Kindertageseinrichtung und Kindertagespflegestelle muss ein Hygienekonzept aufstellen und einhalten. Dazu gehört neben der Händehygiene auch, dass beim Aufenthalt in der Einrichtung eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden muss. Das gilt aber nicht für die Erzieher und die betreuten Kinder. Personen, die die Kinder bringen und abholen müssen eine Maske tragen und ausreichenden Abstand zu anderen halten. Wenn der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden wird, können die Eltern auch die Garderobe betreten.

Müssen die Eltern eine Gesundheitsbestätigung abgeben?

Ja. Eltern von Kindern in Kitas sind weiterhin verpflichtet, täglich schriftlich zu erklären, dass ihr Kind keine der bekannten Symptome einer Covid-19-Infektion aufweist. Sie müssen aber nur noch erklären, dass das Kind symptomfrei ist und nicht mehr die komplette Familie. „Je mehr wir das wirtschaftliche, berufliche und gesellschaftliche Leben außerhalb von Bildungseinrichtungen normalisieren, desto stärker wächst die Verantwortung für jeden Einzelnen von uns“, sagte Piwarz. „Deshalb ist uns die Gesundheitsbestätigung so wichtig.“ Entscheidend sei, dass nur gesunde Kinder die Kitas besuchen.

Was passiert mit Kindern, die Krankheitssymptome aufweisen?

Das Personal kann ein krankes Kind zurückweisen. Treten im Laufe des Tages Symptome auf, kann die Kita fordern, dass das Kind sofort abgeholt wird. Es besteht allerdings kein Recht, einen Corona-Test einzufordern, so das Kultusministerium. Dies liege im Ermessen des behandelnden Arztes. Das Kultusministerium erwartet außerdem eine Klarstellung des Robert-Koch-Instituts zu typischen Symptome von Covid-19 bei Kindern. Im Gegensatz zu wiederholtem Husten, Fieber oder Halsschmerzen gehört der bei kleinen Kindern oft auftretende leichte Schnupfen nicht dazu. Wenn das von offizieller Seite klar gestellt wird, können die Eltern und die Einrichtungen das auch so handhaben, sagte Piwarz.

Können Veranstaltungen stattfinden?

In den Kitas können wieder Elternabende, Konferenzen, Elterngespräche oder Gremiensitzungen durchgeführt werden. Hygieneregeln und Abstandsgebote müssen dabei eingehalten werden. Zu bevorzugen seien Veranstaltungen im Freien, hieß es. Ob den Kindern noch andere Angebote gemacht werden, entscheidet die Leitung.

Müssen die Kontaktpersonen weiterhin dokumentiert werden?

Ja. Damit die Infektionsketten nachzuvollziehen sind, muss bekannt sein, wer wann mit wem Kontakt hatte. Die Gesundheitsämter sind darauf angewiesen, zu sämtlichen Personen, die sich länger als 15 Minuten in der Kindereinrichtung aufgehalten haben, Kontakt aufnehmen zu können. „Es muss uns allen bewusst sein, dass die Pandemie noch nicht vorüber ist“, sagte Christin Melcher, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. „Umso wichtiger ist es, dass gewisse Schutzmaßnahmen, wie die tägliche Gesundheitsbestätigung, Abstandsregeln in Bring- und Abholsituationen und die Dokumentation der Kontaktpersonen in den Kindertageseinrichtungen aufrecht erhalten bleiben.“

Welche Regeln gelten im Hort?

Für den Hort bleiben die festen Gruppen vorerst analog zu den Grundschulen bestehen. Erst ab 17. Juli sollen die Einschränkungen wegfallen, weil der Betrieb in den Ferien ein anderer ist.

Können sich Erzieherinnen und Erzieher kostenlos testen lassen?

Nein, sie haben im Gegensatz zu den Lehrern keinen Anspruch auf kostenlose Corona-Tests. Grund ist, dass für die Erzieher nicht der Freistaat, sondern die jeweiligen Arbeitgeber – also Kommunen und freie Träger – verantwortlich sind. Die müssten die Test finanzieren. Sollte es in einer Einrichtung zu Infektionen kommen, werden aber auch die Erzieher getestet. Das ist im Konzept des Sozialministeriums so festgeschrieben, sagte Piwarz.

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Auch der Sozialverband VdK Sachsen fordert, dass „mit Übergang in einen Regelbetrieb die Erzieherinnen und Erzieher auch ohne vorliegende Symptomatik jederzeit die Möglichkeit haben, sich auf eine Covid-19-Infizierung testen zu lassen“, sagte Horst Wehner. Der Schutz der Kinder, der Familien und nicht zuletzt aller Beschäftigten stehe an erster Stelle. Auch Schnelltests für Kinder müssen vor dem Besuch der Einrichtung bei Vorliegen von Symptomen von Covid-19 zur Verfügung stehen.  

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