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Politik

So soll die Extrarente das Rentenproblem lösen

Die Verbraucherzentralen wollen eine staatlich organisierte private Altersvorsorge. In Schweden bringt so ein Staatsfonds hohe Renditen bei geringen Kosten. Doch es gibt Kritik.

© imago images / Westend61 (Symbolbild)

Die Riester-Rente steht schon lange in der Kritik. Die Kosten der Verträge sind oft hoch, die Verzinsung häufig gering. Nun setzt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) der privaten Förderrente ein staatlich organisiertes Modell entgegen, die Extrarente. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick: 

Was ist bei der Extrarente anders?

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Die private Altersvorsorge wird von einem öffentlich-rechtlichen Träger übernommen, nicht wie bisher durch Versicherungen oder Banken. Die monatlichen Beiträge werden automatisch vom Arbeitgeber an den Fonds überwiesen. Dadurch sinken laut vzbv die Kosten für die Verwaltung der Verträge deutlich. Auch fallen keine Vertriebskosten mehr an. Allein dies sorgt für eine bessere Verzinsung des Guthabens. Das Vermögen der Sparer legt der Fonds vornehmlich in Aktien an. Im Gegensatz zur Riester-Rente dürften auch Selbständige einzahlen. Das Vorbild für ein Alternativmodell ist der schwedische Staatsfonds, der zwischen 2000 und 2016 für die Sparer eine durchschnittliche Verzinsung von 6.9 Prozent erwirtschaften konnte. „Gerade die jüngere Generation wünscht sich einen Systemwechsel“, sagt vzbv-Chef Klaus Müller. Neu von zehn unter 30-jährigen wünschten ein staatliches Standardprodukt für die private Altersvorsorge.

Soll die Extrarente zur Pflicht werden?

Die private Altersvorsorge bleibt freiwillig. Allerdings müssten Arbeitnehmer einer Teilnahme daran aktiv widersprechen. Sonst überweist der Arbeitgeber automatisch Beiträge an den Fonds. Auch zur Höhe des monatliche Sparbeitrages gibt es keine Vorgabe. „Wir schlagen vier Prozent vom Bruttolohn vor“, sagt vzbv-Finanzexpertin Dorothea Mohn. Das entspricht dem Ziel der Riester-Rente. Allerdings dürfen die Sparer auch weniger oder mehr einzahlen und die Rate verändern.

Wie werden die Beiträge der Sparer angelegt?

Der oder die Fonds, die das Geld verwalten, legen es am Kapitalmarkt an. Bis zum 49. Lebensjahr werden dafür Aktien gekauft. Danach wird das Vermögen der Sparer nach und nach in weniger schwankende Anlagen umgeschichtet. Im Rentenalter werden die Fondsanteile dann nach und nach verkauft und daraus eine Rentenzahlung finanziert.

Worauf könnten künftige Rentner hoffen?

Die Höhe der Rente hängt im Gegensatz zur Riester-Rente stärker von der Entwicklung des Kapitalmarktes ab. Auf lange Sicht sind Anleger damit sehr gut gefahren, denn der Wertzuwachs von Aktien war langfristig viel höher als beispielsweise die Erträge aus Staatsanleihen. Dazu kommt die höhere Rendite durch die geringen Verwaltungs- und Abschlusskosten. Unter dem Strich sollte die Privatrente am Ende mehr bringen als die herkömmlich Riester-Rente. Im schlimmsten Fall könnten die Auszahlungen aber auch niedriger ausfallen als die Einzahlungen, etwa wenn es eine dauerhaft schlechte Entwicklung an den Finanzmärkten geben sollte. Verloren ist das Anlagevermögen auch im Todesfall nicht. Es kann vererbt werden.

Was wird bei einer Einführung der Extrarente aus den bestehenden Riester-Verträgen?

„Das Modell würde neben der Riester-Rente eingeführt“, erläutert Expertin Mohn. Bestehende Verträge könnten weiterlaufen oder auch in den Staatsfonds überführt werden. Ob die Extrarente durch Zuschüsse gefördert werden sollte, lässt der vzbv offen.

Hat dieses Modell Chancen auf Verwirklichung?

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Die große Koalition hat in ihrem Regierungsprogramm eine Reform der Riester-Rente verankert. Doch mit der Umsetzung tun sich SPD und Union schwer. Denn die Versicherungswirtschaft hat noch kein standardisiertes und damit kostengünstiges Einheitsprodukt entwickelt. Deren Verband lehnt eine staatlich organisierte Altersvorsorge rundweg ab. Es gibt in allen Parteien Befürworter und Gegner eines Staatsfonds. Entscheidend für die Reform werden wohl die Empfehlungen der Rentenkommission im kommenden März sein.