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So soll die neue Lederfabrik aussehen

Freital legt erstmals konkrete Pläne für die Nachfolge der Ruine vor. Die Dimensionen des Projektes sind gewaltig.

Die Zeichnung zeigt die geplante Fassade des Behördenzentrums entlang der Poisentalstraße. Markant ist die Luftbrücke als Verbinder zwischen zwei Gebäudeteilen.
Die Zeichnung zeigt die geplante Fassade des Behördenzentrums entlang der Poisentalstraße. Markant ist die Luftbrücke als Verbinder zwischen zwei Gebäudeteilen. © Ansicht: Stadt Freital

Es wird das größte Bauvorhaben in Freital nach der Wiedervereinigung: Die Stadt will auf der Fläche, wo heute noch die abrissreife Lederfabrik steht, ein Behördenzentrum mit Wohnungen, Läden und Veranstaltungsräumen errichten. Rund 30 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Das wurde am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz bekannt. Dabei überreichte Innenminister Roland Wöller (CDU) insgesamt 4,15 Millionen Euro an Fördermitteln für den Abriss und die Begrünung des Lederfabrik-Areals. Doch für wesentlich mehr Aufmerksamkeit sorgten die Pläne Freitals, wie das beräumte Grundstück künftig genutzt werden soll.

Die Kreis-CDU hatte bereits vor anderthalb Monaten das Ziel ausgegeben, auf dem Gelände ein Verwaltungszentrum zu errichten. Spätestens seitdem hat die Stadtspitze um Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) die Planungen vorangetrieben, sodass Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz (parteilos) am Freitag ein recht konkretes Konzept vorstellen konnte.

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Demnach ist ein fünfgeschossiger Komplex mit drei großen Gebäuden geplant. In Beschlag genommen werden soll langfristig gesehen auch die Fläche, auf der sich heute noch ein Netto-Markt befindet. Die Stadt will die Fläche perspektivisch kaufen und den Markt abreißen. Architektonischer Höhepunkt des Komplexes soll eine gläserne Luftbrücke zwischen zwei Gebäudeteilen direkt an der Poisentalstraße werden. Dort sollen nach Angaben von Baubürgermeister Schautz sogenannte Bürgersäle für Veranstaltungen entstehen.

Hauptmieter soll das Landratsamt werden. Es will verschiedene Behörden, die derzeit über die Stadt verteilt sind, in dem Neubau konzentrieren. So befindet sich das Jobcenter, eine gemeinsame Einrichtung von Arbeitsagentur und Landkreis, im Palitzschhof an der Lutherstraße. Die Arbeitsagentur unterhält zudem in Freital eine Beratungsstelle an der Dresdner Straße in Potschappel, im Gebäude der Sparkasse. Die Außenstelle des Landratsamts selbst befindet sich wiederum an der Hüttenstraße. „Mit einem Behördenzentrum könnten verschiedene Ämter von Stadt, Kreis und gegebenenfalls Land unter einem Dach zusammenkommen“, sagte Landrat Michael Geisler (CDU), der bei der Pressekonferenz ebenfalls zu Gast war. „Kurze Wege und ein möglichst breiter Service für Bürger wären nur ein Vorteil dieses Ansinnens.“

So sollen sich künftig die Gebäude auf der Lederfabrik-Fläche verteilen.
So sollen sich künftig die Gebäude auf der Lederfabrik-Fläche verteilen. © Ansicht: Stadt Freital

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) käme damit seinem Ziel näher, Freital ein bislang nicht vorhandenes Zentrum zu geben. „Wir haben die einmalige Chance, ein Zentrum zu bekommen“, sagte er am Freitag. Die Fläche der Lederfabrik, die offiziell unter dem Titel „Quartier am Mühlenviertel“ firmiert, sei neben dem Areal des ehemaligen Gasthofes Sächsischer Wolf und neben dem Gelände der Umweltdienste Becker ein Baustein dafür. Wahrscheinlich ist, dass Freital für dieses Ziel seit Langem wieder Schulden macht. Die 30 Millionen Euro Baukosten werden sich wohl nicht aus dem normalen Haushalt zahlen lassen. Baubürgermeister Schautz wollte sich nicht genauer dazu äußern. Darüber müsse letztlich der Stadtrat entscheiden, sagte er. Die Stadt hofft auch auf Fördermittel dafür.

Oberbürgermeister Uwe Rumberg, Innenminister Roland Wöller und Landrat Michael Geisler (v. l.) unterstützen das Vorhaben. 
Oberbürgermeister Uwe Rumberg, Innenminister Roland Wöller und Landrat Michael Geisler (v. l.) unterstützen das Vorhaben.  © Foto: Andreas Weihs

Refinanzieren sollen sich die Kosten durch die Mieteinnahmen. Mit dem Landratsamt hätte die Stadt dabei einen äußerst vertrauenswürdigen Partner an der Hand. Schautz betonte, dass die Flächen aber noch nicht komplett vergeben seien. Insgesamt könnten in dem Komplex 230 Arbeitsplätze geschaffen werden. Eventuell könne auch ein Ärztehaus entstehen, so Schautz.

Definitiv nicht einziehen wird das sogenannte Haus der Bildung, über deren Ansiedlung in Freital seit Langem diskutiert wird. Es soll dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) zugeordnet sein und aus der Fusion der Standorte in Dresden und Radebeul entstehen. Innenminister Wöller betonte, dass der Freistaat weiter zu dem gültigen Kabinettsbeschluss zur Ansiedlung des Behördenstandorts in Freital stehe. Er werde aber nicht Teil des neuen Verwaltungskomplexes an der Poisentalstraße sein. Am wahrscheinlichsten sei, dass an derer Stelle in Freital ein Neubau entstehe. „Das wird aber noch eine Zeitlang dauern“, sagte er.

Relativ konkret ist hingegen der Plan für das Lederfabrik-Gelände. Der Abriss der Ruine soll im August beginnen und etwa sieben Monate später beendet sein. Anschließend wird ein Teil des dann beräumten Grundstücks umgestaltet. Die Stadt möchte den Mühlgraben, der jetzt noch unter der Lederfabrik verläuft, freilegen und zum offenen Gewässer umgestalten. Entlang der Ufer sollen Bäume gepflanzt, Sitzterrassen angelegt und Wege gebaut werden. Zwei Brücken sollen beide Uferbereiche miteinander verbinden. 5,9 Millionen Euro kosten Abriss und Gestaltung des sogenannten Mühlenparks insgesamt. 80 Prozent davon kommen über das EU-Förderprogramm Efre nach Freital. Ende 2020 soll die Umgestaltung der Fläche abgeschlossen sein.

Im Bild ist zu sehen, wie sich der Komplex in die umliegende Bebauung einordnen würde.  
Im Bild ist zu sehen, wie sich der Komplex in die umliegende Bebauung einordnen würde.   © Ansicht: Stadt Freital

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Wie Baubürgermeister Schautz sagte, sollen die Bauarbeiten für den Verwaltungskomplex dann voraussichtlich 2022 beginnen und Anfang 2024 beendet sein.

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