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So sorgt die Wasserversorgung für Dürrejahre vor

Das regionale Unternehmen stellt sich auf den Klimawandel ein – und investiert Millionen.

© dpa

Kamenz. Im Jahr 2018 trockneten zahlreiche Hausbrunnen zwischen Bischofswerda, Pulsnitz und Rödertal aus. „Es gab verstärkt Anfragen von Eigentümern, deren Grundstück wegen der abgeschiedenen Lage nicht am zentralen Versorgungsnetz ist, es anzuschließen“, sagt Klaus Riedel, Geschäftsführer der Wasserversorgung Bischofswerda GmbH (WVB). So dramatisch wie im vergangenen Jahr, als selbst die WVB zeitweilig die Versorgung eines Großabnehmers in der Industrie drosseln musste, um ausreichend Trinkwasser für die Bevölkerung liefern zu können, ist es in diesem Jahr nicht. Doch normalisiert hat sich der Grundwasserspiegel seit dem Dürrejahr 2018 noch lange nicht. Klaus Riedel verweist im SZ-Gespräch auf Aussagen der sächsischen Umweltbehörden, wonach es sechs Wochen hintereinander regnen müsste, um den früheren Pegel zu erreichen. Und er erläutert, wie sich der Trinkwasserzweckverband Bischofswerda-Röderaue und die WVB, als dessen Dienstleister, auf die Herausforderungen einstellen.

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Die Wasserversorgung Bischofswerda versorgt rund 83 500 Menschen zwischen Demitz-Thumitz und dem Rödertal sowie die dort beheimateten Unternehmen mit Trinkwasser. Es gibt zwei separate Versorgungsgebiete – eins um Bischofswerda, in dem sich zwei Wasserwerke befinden, sowie ein größeres Versorgungsgebiet westlich der Stadt mit fünf Wasserwerken. Im jeweiligen Versorgungsgebiet sind die Wasserwerke untereinander vernetzt. Hinzu kommt ein Trinkwassereinzugsgebiet zwischen Putzkau und Oberottendorf nahe der Gaststätte „Al Pino Verde“.

Wie viel Trinkwasser wird an heißen Tagen verbraucht?

An normalen Tagen registriert die Wasserversorgung einen durchschnittlichen Verbrauch von 90 Litern pro Einwohner. Zu DDR-Zeiten waren es mehr als 150 Liter, sagt WVB-Geschäftsführer Klaus Riedel und nennt für den Rückgang zwei Gründe: Die Verbraucher sparen Wasser. Außerdem bewirken bessere Armaturen, dass weniger Wasser verbraucht wird. An heißen Tagen steigt der Verbrauch um etwa 30 Prozent.

In den sieben Wasserwerken des Unternehmens werden an einem durchschnittlichen Tag 12 000 Kubikmeter Wasser aufbereitet. Bei Bedarf kann dieses Volumen auf 16 000 Kubikmeter erweitert werden. Zudem besteht für das Versorgungsgebiet West die Möglichkeit, zusätzlich Wasser aus Tettau in Südbrandenburg zu ordern. Damit stünden bei extremen Situationen für das Gebiet Bischofswerda-Röderaue bis zu 30 000 Kubikmeter zur Verfügung.

Wie will die Wasserversorgung künftige Hausforderungen meistern?

Ein Stichwort heißt Zusammenarbeit in der Region. So beraten die Wasserversorgung Bischofswerda, die Kreiswerke sowie die Energie- und Wasserwerke Bautzen, die Ewag in Kamenz, die Dresdner Drewag und der Wasserverband Lausitz über gemeinsame Strategien. „Wir wollen uns untereinander austauschen und voneinander lernen“, sagt Klaus Riedel. Für Mitte September ist das nächste Treffen geplant. Eventuell werde man dort auch diskutieren, wie sich die Versorger bei Extremsituationen künftig gegenseitig unterstützen können. Dahinter steht auch die Erkenntnis, dass Wetterextreme immer mehr lokal begrenzt sind. Mitunter gibt es schon binnen weniger Kilometer gravierende Unterschiede. Um die Verbindungen zwischen den Versorgungsnetzen herzustellen, sind allerdings hohe Investitionen erforderlich. Wie steuern wir diesen Prozess? Wird es Fördergelder geben?, fragt Klaus Riedel. Er sieht hier auch den Freistaat in der Pflicht, die erforderliche Unterstützung zu geben. Innerhalb des Verbandes Bischofswerda-Röderaue ist zudem zu prüfen, wie eine Verbindung zwischen den Wasserwerken Bischofswiesen und Großharthau und damit zwischen den beiden noch getrennten Versorgungsgebieten möglich ist.

Welche Investitionen sind für die Versorgungssicherheit geplant?

Jedes Jahr fließen zweieinhalb bis drei Millionen Euro in den Erhalt und Ausbau des Versorgungsnetzes. Bis zum Jahr 2022 wird die Wasserversorgung rund elf Millionen Euro investieren, sagt Klaus Riedel. Im Raum Röder- und Pulsnitztal wird es dabei insbesondere um den Austausch von Rohren im Zusammenhang mit Straßenbauarbeiten gehen. Ein Beispiel dafür ist derzeit die Sanierung der Adolphstraße in Großröhrsdorf und demnächst in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße in Radeberg. Im kommenden Jahr werden in Bretnig im Brettmühlenweg für 150 000 Euro Rohre ausgetauscht und ebenso 2020 für insgesamt 380 000 Euro Leitungen in der Lotzdorfer Straße in Radeberg und in der Ernst-Braune-Siedlung verlegt. (mit ha)

© SZ-Grafik

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