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Meißen

So stark ist der Kreis im Landtag vertreten

Zwei CDU-Abgeordnete schaffen den Sprung knapp über die Liste. Dadurch entsteht ein Phänomen.

Symbolbild: Der Sächsische Landtag in Dresden. Blick in den Plenarsaal.
Symbolbild: Der Sächsische Landtag in Dresden. Blick in den Plenarsaal. © Ronald Bonß

Als die Nachricht am Montagmorgen kurz nach sechs eintraf, wollten es die beiden CDU-Landtagsabgeordneten kaum glauben. Sie haben es doch noch geschafft. Daniela Kuge aus Meißen und Geert Mackenroth aus Riesa ziehen trotz klarer Niederlage im direkten Duell gegen ihre AfD-Mitbewerber Thomas Kirste und Carsten Hütter in den Landtag ein.

Möglich macht es das sächsische Wahlrecht. Insgesamt nur vier CDU-Abgeordnete dürfen über die Landesliste einrücken, die Nummern 6, 10, 12 und 17. Nummer 12 ist Daniela Kuge, die Nummer 17 Geert Mackenroth.

Dennoch wird er sein Landtagsbüro in Riesa aufgeben. „Für Riesa habe ich kein Mandat mehr, sagte er. „Ich kann ja dem direkt gewählten Abgeordneten nicht ins Handwerk pfuschen.“ Der direkt gewählte Abgeordnete ist Carsten Hütter von der Alternative für Deutschland.

Fraglich ist allerdings, ob sich die radikale Absage Mackenroths an Begehrlichkeiten aus seinem früheren Wahlkreis tatsächlich so in der Praxis so durchsetzen lassen wird. Kaum anzunehmen, dass der Christdemokrat dem Riesaer Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) die Tür seines Landtagbüros vor der Nase zuschlägt.

Neben Hütter und Mackenroth hat es noch eine dritte Riesaer Direktkandidatin in das Dresdner Parlament geschafft. Die Chefin der sächsischen Bündnisgrünen Katja Meier bewarb sich in der Stahlstadt ebenfalls für ein Direktmandat, sicherte ihren Sitz jedoch letztlich über die Liste ab. In der letzten Legislaturperiode unterhielt sie ein Regionalbüro in Meißen.

Keine Ambition auf Fraktionsvorsitz

Analog zum Fall Riesa wird auch der Wahlkreis Meißen künftig mit einer CDU-Listen-Abgeordneten und einem direkt gewählten AfD-Parlamentarier in Dresden vertreten sein. Daniela Kuge kündigte bereits an, ihr Büro in Meißen zu behalten, trotz der Niederlage gegen den AfD-Mann Thomas Kirste.

„Leider hat es nicht gereicht, um das Meißner Direktmandat erneut zu holen. Jetzt ist ein anderer für meine Heimat zuständig“, schrieb die 44-Jährige am Montag auf Facebook. Dies stimme sie traurig, aber alles habe im Leben einen Sinn. Als Abgeordnete werde sie ihren Wählern in der Region erhalten bleiben und sich treu.

Im Zusammenhang mit dem Meißner AfD-Direktabgeordneten Thomas Kirste kursierte am Tag nach der Wahl das Gerücht, dieser habe Ambitionen auf den AfD-Fraktionsvorsitz im Landtag. Denn der amtierende Fraktionschef Jörg Urban hatte sein Direktmandat verloren und kommt nur über die Liste in den Landtag.

Thomas Kirste wies solche Spekulationen allerdings am Montagmittag auf SZ-Nachfrage zurück. „Absoluter Blödsinn. Ich habe nicht darüber nachgedacht und sicher auch keine Mehrheiten“, so der Kommentar des Meißners.

Großenhain unter Durchschnitt

Still blieb es am Montag um Bürgerrechtler Frank Richter. Über den siebenten Platz auf der SPD-Liste rutscht er zwar ins Parlament hinein, kann jedoch direkt nur rund zehn Prozent der Stimmen für sich gewinnen. Richter war bereits für den Oberbürgermeisterwahlkampf 2018 nach Meißen gezogen und hat sich seitdem in der und für die Stadt stark engagiert.

Insofern wäre es für ihn praktisch und effizient, die bereits bestehenden Strukturen für seine künftige Basisarbeit zu nutzen. Für den Dienstag hat er ein Gespräch mit der SZ angekündigt. Dann könnten Details zu erfahren sein.

Einziger direkt gewählter CDU-Abgeordneter im Kreis bleibt Landtagspräsident Matthias Rößler in Radebeul. Umgekehrt führt dies dazu, dass sein Mitbewerber René Hein aus Radebeul ebenso wie der SPD-Vorsitzende Martin Dulig aus Moritzburg Landtagsmandate nur über die Liste antreten können.

Im Unterschied zu allen anderen drei Wahlkreisen im Landkreis, die je nach Lesart mindestens mit zwei bis drei direkt beziehungsweise über die Liste gewählten Abgeordneten im Landtag präsent sind, muss sich Großenhain mit dem direkt bestimmten AfD-Mann Mario Beger begnügen.

Dieser fegte mit einem überproportional starken Abschneiden in Höhe von rund 40 Prozent seinen CDU-Konkurrenten Sebastian Fischer aus dem Wahlkreis. Die Listenplatzierung des 37-Jährigen wiederum reichte nicht dazu aus, ihn auf diesem Weg in einen Parlamentssessel zu hieven.

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