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So starten Hotels und Gaststätten in Sachsen wieder

Am 15. Mai soll es für Kneipen und Restaurants weitergehen. Was die Wiedereröffnung für die Betreiber bedeutet – und welche Regeln gelten.

Die Absperrbänder in diesem Dresdner Biergarten sollen kommende Woche verschwinden.
Die Absperrbänder in diesem Dresdner Biergarten sollen kommende Woche verschwinden. © Sebastian Kahnert/dpa

Christiane Raatz und Gerald Fritsche

Ein Wochenende im Hotel, Essen im Restaurant, ein Bier in der Kneipe: Nach wochenlangem Corona-Lockdown kehren die Sachsen langsam wieder zur Normalität zurück – wenn auch unter strengen Auflagen. Ab 15. Mai sollen Biergärten, Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen wieder öffnen. Über Details stimmt sich die Regierung derzeit ab, nächsten Dienstag (12. Mai) will das Kabinett die entsprechende Verordnung beschließen. Wie erfolgt die Umsetzung in der Gastronomie? Ein Überblick:

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Welche Regeln gelten für die Wiedereröffnung?

Wenn Hoteliers und Gastronomen am 15. Mai öffnen wollen, müssen sie sich an Auflagen und Hygieneregeln halten. Details soll die neue Rechtsverordnung regeln. Fest steht, dass die Tische mindestens 1,5 Meter auseinander stehen müssen und die Bedienung mit Mundschutz servieren muss. Die Speisekarten müssen abwischbar sein, auf dem Tisch darf nichts stehen, was mehrfach benutzt werden kann. Das heißt etwa Salz und Pfeffer in Tütchen statt in Streuern auf dem Tisch. Laut Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) gibt es in Abstimmung mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga einen Entwurf für eine Selbstverpflichtung der Branche, die mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt werden muss.

Gibt es eine Trennung von Innen- und Außenbereich?

Nein. Noch in der vergangenen Woche war zunächst angedacht, nur die Außenbereiche von Gaststätten zu öffnen. Weil sich Verbände aber gegen eine Trennung ausgesprochen haben, ist die Regierung in diesem Punkt den Gastronomen entgegengekommen. Vor allem in Regionen wie dem Erzgebirge, wo die Außengastronomie eine untergeordnete Rolle spiele, hatten sich die Wirte für eine ganzheitliche Öffnung stark gemacht.

Darf in Sachsen wieder überall übernachtet werden?

Ja. Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels dürfen wieder öffnen – auch für Gäste aus anderen Bundesländern. Eine vorgeschriebene Begrenzung der Auslastung gibt es nicht. „Die ergibt sich von ganz allein, wenn man die Hygiene- und Abstandsregeln einhält“, erklärte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein. Knackpunkt ist demnach weniger die Übernachtung in den Zimmern, sondern die Nutzung von Frühstücksräumen und Hotelrestaurants. Denkbar sind etwa verschiedene Zeitfenster für eine gestaffelte Nutzung. Auch Campingplätze öffnen – jedoch bleiben gemeinschaftlich genutzte Sanitäranlagen zu.

Wie bereiten sich Hotels und Gastronomen vor?

Die Betreiber arbeiten derzeit an einem Hygienekonzept, so Klein. Dies orientiere sich immer auch an Größe und örtlichen Gegebenheiten. Zudem müsse geklärt werden: Wo wird der Desinfektionsspender aufgestellt? Wie lassen sich die Abstände von 1,5 Metern einhalten? „Die Hygieneregeln sind eine Herausforderung, aber machbar“, sagte Klein.

Um die Bestimmungen einzuhalten, sind etwa Online-Reservierungen denkbar, die so gestaltet werden, dass nur jeder zweite Tisch besetzt wird. Biergärten müssen in Warteschlangen auf die Einhaltung der Abstände achten – durch Schilder oder Aufkleber auf dem Boden. Laut Dehoga kann es durchaus sein, dass nicht alle Betriebe am 15. Mai öffnen, weil sie mehr Vorbereitungszeit brauchen.

Die Branche hat auf die Wiedereröffnung gedrängt – ist sie nun erleichtert?

Teils, teils. Einerseits können die Wirte und Hotelbetreiber – rund 9.000 Betriebe gibt es in Sachsen – nun wieder Geld verdienen. Auf der anderen Seite sind die Existenzängste groß, sagt Kathleen Parma von der Initiative „Leere Stühle“. Diese macht seit Wochen bundesweit mit Aktionen auf die Situation von Hotels, Gastronomen und Veranstaltern aufmerksam. Köche, Bedienung, Miete und Kredite müssten bezahlt werden, derzeit gehe die Branche von deutlichem Umsatzrückgang aus. Auch, weil Touristen aus dem In- und Ausland wegbleiben. Daher werden Bundeszuschüsse in Form eines Rettungsschirmes gefordert.

Was sagen die Betriebe über die Herausforderungen?

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Jens Weißflog, dreifacher Olympiasieger im Skispringen und Hotelier im gleichnamigen Hotel in Oberwiesenthal, ist froh, dass es nun wieder losgeht. „Wir stehen aber vor großen Herausforderungen bis zum Re-Start. Die genauen Rahmenbedingungen erfahren wir erst am nächsten Dienstag.“ Das größte Problem seien die Hygieneregeln. „Desinfektionsmittel sind praktisch nicht zu bekommen.“ Nach zwei Monaten Komplettausfall hofft Weißflog nun wieder auf Umsatz. „Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht 60 Prozent des normalen Umsatzes machen können.“ Noch am 6. Mai hat das Hotel alle Gäste, die bis zum 20. Mai gebucht hatten, angeschrieben und die Zimmer storniert. „Jetzt machen wir wieder eine Rolle rückwärts und schreiben sie an, dass sie doch kommen können. Aber es ist gut, dass Christi Himmelfahrt und Pfingsten offen ist.“ (dpa)

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