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Corona: Letzte Gaststätten starten wieder

Die "Schwarze Kunst" in der Görlitzer Altstadt öffnet am 12. Juni. Ihr Besitzer ist skeptisch, wie es laufen wird. Andere Gastwirte sind zuversicherlicher.

Robert Chylla öffnet erst am 12. Juni seine Gaststätte in der Görlitzer Altstadt.
Robert Chylla öffnet erst am 12. Juni seine Gaststätte in der Görlitzer Altstadt. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Ein Probelauf, mehr wird es wohl erst einmal nicht. "Mal sehen, ob und wie das Ganze funktioniert", sagt Robert Chylla. Der Chef der Kneipe "Schwarze Kunst" an will diese wieder eröffnen, am 12. Juni. Er hätte theoretisch schon eher das Lokal an der Neißstraße öffnen können. "Aber ob das praktisch auch wirtschaftlich sinnvoll ist, wird sich zeigen", sagt Robert Chylla. 

Nur zu 60 Prozent wird er die Gaststätte wegen der Hygienevorschriften maximal auslasten dürfen, wenn denn überhaupt Gäste kommen. "Dabei laufen die Nebenkosten in gleicher Höhe wie bisher weiter. Die holt man mit einer geringeren Auslastung auch nicht wieder rein", schildert Robert Chylla.

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Nein, einfach ist er wohl nicht, der Neustart der Gastronomie in Görlitz, in Sachsen generell. Kommen die Gäste? Bleiben sie wegen Verunsicherung aus?  Inzwischen dürfen Cafés und Gaststätten bundesweit wieder öffnen. Manche Gastwirte machen gar nicht erst auf, andere sehen in den neuen Regelungen eine Chance. Wie sieht es in Görlitz aus? Durchwachsen, wie eine Umfrage der SZ ergibt. 

Unsicherheit bei Kunden spielt mit

 "Also bei uns läuft es gut", sagt der Chef der Görlitzer Obermühle Jörg Daubner.  Das Wetter spielt zum größten Teil mit, die Gäste kommen. Ja, es gebe eine gewisse Unsicherheit bei den Kunden. "Aber inzwischen kommen auch wieder Touristen zu uns", schildert er. Auf der anderen Seite fallen große Veranstaltungen eben auch weg, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern etwa. "Das trifft uns natürlich", so Jörg Daubner. Aber groß klagen will er nicht. Dafür hat der Chef der Obermühle auch gar keine Zeit. Schließlich steht er selbst in der Küche. "Unsere Kita-Küche beispielsweise läuft", sagt er. Und: "Wir bleiben jetzt in der Krise erst einmal ganz ruhig und sehen, was möglich ist." Zuschüsse hat Jörg Daubner bisher nicht beantragt.

Koch Robert Hamann und Köchin Madlen Gäbler stehen in der Obermühle.
Koch Robert Hamann und Köchin Madlen Gäbler stehen in der Obermühle. © Nikolai Schmidt

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat derweil erklärt, dass wegen der Abstandsregeln in den gastronomischen Einrichtungen weniger Gäste als normal bewirtet werden könnten. Dadurch würden Umsätze in der notwendigen Höhe fehlen. Daher müsse jeder Betrieb für sich entscheiden, ob er wieder öffnen wolle oder ob das wirtschaftlich nicht machbar sei, so Sachsens Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein betont.

Mehr Kosten aber weniger Umsatz

Frank Reimann vom Händler-Aktionsring Görlitz sieht das ähnlich. "Rentabel ist es für die Gastronomie im Moment sicher nicht", sagt er.  Er sieht doppelte Kosten aber weniger Umsatz. "Die Kosten steigen, schon wegen der Abstandsregeln", sagt auch er. Zudem fallen, wie im Fall Obermühle, Familien- und Firmenfeiern weg.

Dirk Heilmann will trotz allem nicht meckern. Der Chef des Hotels Klötzelmönch ist mit den derzeitigen Umsätzen zufrieden. "Hauptsache, es geht überhaupt wieder los", sagt er. Himmelfahrt und Pfingsten kann er auf ausgebuchte Bücher schauen. "Wir sind zufrieden damit, wie es derzeit wieder anläuft", sagt Dirk Heilmann.

Seit dem 15. Mai dürfen in Sachsen für Gäste unter strengen Auflagen gastronomische Einrichtungen wieder öffnen. Um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten, müssen entsprechende  Hygieneregeln eingehalten werden. Darauf weist die sächsische Industrie- und Handelskammer hin. Diese wurden in der neuen Corona-Schutz-Verordnung  am 12. Mai 2020 durch das sächsische Kabinett beschlossen.

Juni wird der entscheidende Monat

"Der Juni wird der entscheidende Monat", sagt Tobias Göhlich. Er ist der Chef des Restaurants Salü an der Schwarzen Straße in der Görlitzer Altstadt. Die langen Wochenenden, wie jetzt Pfingsten, ja, sie helfen, sagt er. Aber die Platzbeschränkungen machen dem Gastronomiebetrieb eben auch zu schaffen. Der Garten ist jedenfalls geöffnet und wird auch gut angenommen, sagt Tobias Göhlich. "Aber natürlich kommt es auch darauf an, wie sich das Wetter in den kommenden Tagen entwickelt", schildert er. Man könne eben nur abwarten. 

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Eigentlich stehen in der "Schwarzen Kunst" ja im Sommer drei Wochen Urlaub an. Die werden in diesem Jahr ausfallen - wenn der Laden läuft. "Wenn nicht, werde ich wieder eine Pause ins Spiel bringen müssen", sagt Chef Robert Chylla. Gefallen würde es ihm nicht. Alle seine vier fest angestellten Mitarbeiter haben große Lust auf ihren Job. "Aber wenn es eben nicht anders geht...", Robert Chylla bleibt immer noch ein wenig skeptisch.

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