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So tickt die längste DSC-Volleyballerin

Die Niederländerin Laura de Zwart misst 1,98 Meter. Das bringt auch Nachteile mit sich.

Oranje steht dem DSC gut. Laura de Zwart will in Sachsen ihrem Vorbild Robin de Kruijf nacheifern, die nach zwei Spielzeiten eine Weltkarriere gestartet hat.
Oranje steht dem DSC gut. Laura de Zwart will in Sachsen ihrem Vorbild Robin de Kruijf nacheifern, die nach zwei Spielzeiten eine Weltkarriere gestartet hat. © Thomas Kretschel

Dresden. Der erste Eindruck ist ein Bleibender. Ein kleines, weißes Auto rollt heran, rundum verziert mit den Sponsoren der Volleyballerinnen des Dresdner SC. Die Fahrertür geht auf. Laura de Zwart steigt aus und muss sich zunächst einmal ein bisschen entfalten. Die Niederländerin misst 1,98 Meter – und ist damit die größte Spielerin, die der fünffache deutsche Meister je unter Vertrag hatte.

Die 20-jährige, deren Vertragsunterzeichnung für die nächsten beiden Spielzeiten schon knapp vier Monate zurückliegt, soll bei einer kleinen Presserunde vorgestellt werden und über ihre ersten Erfahrungen in Sachsen berichten. Das tut die in Gorinchem geborene Mittelblockerin sehr eloquent – noch in englischer Sprache – und erstaunlich offen. Auch über die Schattenseiten ihrer sichtbarsten Volleyball-Qualität: die Körperlänge. „Ich bin sehr stolz auf meine Größe. Sie macht mich zu dem Menschen, der ich bin“, sagt de Zwart, die sich als Giraffen-Baby bezeichnet. „Als Volleyballerin bin ich sehr froh, dass ich diese Länge mitbringe“, betont sie.

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Die Netzkante ist 2,24 Meter hoch – und aus Sicht von de Zwart alles andere als ein unüberwindbares Hindernis. „Natürlich bringt meine Größe auch Nachteile im Alltag mit sich. High Heels sind problematisch, auch“, sagt de Zwart schmunzelnd, „in mein kleines Auto einzusteigen. Ich muss bei einigen Türen in Standardgröße den Kopf einziehen, und der Klamottenkauf ist manchmal eine Herausforderung.“

Aber eine, die sie genauso meistern will wie ihre erste Profi-Station im Ausland. Sie spielte zuletzt bei TopVolleyball Twente. De Zwart gehört seit etwa zwei Jahren zum erweiterten Aufgebot der niederländischen Volleyball-Nationalmannschaft. Den Sprung in den Kader für die derzeit in die entscheidende Phase eintauchende Europameisterschaft verpasste sie knapp. Allerdings rieten ihr einige Auswahl-Kolleginnen zum Schritt nach Dresden: ihr Vorbild Robin de Kruijf, Laura Dijkema, Myrthe Schoot oder Marrit Jasper – allesamt ebenfalls mal in Diensten des DSC.

Harter Konkurrenzkampf im Mittelblock

„Das war für meine Entscheidung sehr wichtig und hat mich beeinflusst. Alle ehemaligen Dresdnerinnen haben sich positiv über den Verein geäußert“, erzählt de Zwart. Durch ihre ersten persönlichen Eindrücke sieht sich die Blondine bestätigt. „Es fühlt sich sehr familiär und trotzdem sehr professionell an. Es war eines meiner großen Ziele, in der Bundesliga zu spielen, die für mich zu den besten Ligen Europas zählt“, erklärt die Jung-Nationalspielerin. Ihr neuer Trainer Alexander Waibl hatte die Niederländerin im ersten persönlichen Kontakt via Smartphone mit einer überraschenden ersten Frage neugierig gemacht. „Ich war vor dem Gespräch total nervös. Dann fragte er mich, was meine Lieblingsmusik ist. Da habe ich gespürt, dass das Interesse nicht nur mir als Volleyballerin, sondern auch dem Menschen dahinter gilt“, erzählt de Zwart, die übrigens gern Hip-Hop und Rap hört.

Die 20-Jährige wird sich auf ihrer Position im Mittelblock auf eine harte Konkurrenzsituation einstellen, wenngleich der DSC von vier auf nur noch drei Mittelblockerinnen abspeckte. Die 24-jährige, 1,94 Meter große Serbin Ivana Mrdak sowie die 19-jährige, 1,95 Meter große deutsche EM-Entdeckung Camilla Weitzel sind sowohl Kolleginnen als auch Konkurrentinnen. Nur zwei aus dem Trio stehen im Normalfall auf dem Parkett. „Ich will mich als Person weiterentwickeln – und natürlich auch meine Volleyball-Fähigkeiten. Ich möchte mich bis zum Ende der Saison in die Startformation gekämpft und viele Spielanteile haben“, erklärt de Zwart.

Sandra Zimmermann sieht dem Konkurrenzkampf gelassen entgegen: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass alle drei Mittelblockerinnen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten genügend Spielanteile bekommen. Wir brauchen alle, um Spiele zu gewinnen.“ Ihre künftige Kollegin Weitzel kennt de Zwart vorerst nur von den Fernsehbildern während der EM-Übertragung. „Ich habe das natürlich verfolgt, bin neugierig darauf, mit ihr zu arbeiten und sie kennenzulernen. Natürlich kenne ich ihre Fähigkeiten“, sagt die Niederländerin. Über die des Neuzugangs spricht lieber die Geschäftsführerin. „Laura hat eine unheimlich große Veranlagung. Die wollen wir zusammen entwickeln. Und darauf freuen wir uns“, sagt Zimmermann.

De Zwart hat die ersten vier Wochen bei ihrem neuen Klub augenscheinlich bestens überstanden, trotz der von den meisten Sportlern ungeliebten athletisch und konditionell geprägten Vorbereitung. „Die Zeit war unheimlich intensiv – auch, weil unsere Trainingsgruppe im Moment sehr klein ist.“ Nur sechs Profis sind derzeit da, die anderen noch international unterwegs. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt de Zwart.

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