merken
PLUS

Freital

So überschuldet sind die Menschen im Landkreis

In Freital und Heidenau können besonders viele Menschen ihre Verbindlichkeiten nicht begleichen. Woran liegt das?

© Grafik: SZ

Unbezahlte Raten für den neuen Fernseher, nicht beglichene Arztrechnungen und Inkassofirmen, die Versicherungsbeiträge eintreiben wollen: Wer Schulden hat, sammelt bei Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform Minuspunkte und hat für die nächste Zeit schlechte Chancen, etwa einen Handyvertrag abschließen zu können. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatten im vergangenen Jahr vor allem die Freitaler und Heidenauer mit Überschuldung zu kämpfen, wie Creditreform mitteilt. Die Sächsische Zeitung analysiert die Zahlen.

Wer im Landkreis hat die meisten Schulden?

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Je größer die Städte im Landkreis, desto mehr Menschen sind dort überschuldet. Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden Gesamtausgaben sind höher als die Einnahmen. Die höchste Schuldnerquote im Landkreis weisen Freital und Heidenau mit rund elf Prozent auf – gefolgt von Pirna, Sebnitz und Altenberg. Eine relativ geringe Schuldnerquote trotz ihrer Größe weisen Wilsdruff und Dippoldiswalde auf.

Wo gibt es am wenigsten Schuldner?

Am seltensten über ihren Verhältnissen leben die Menschen in Hermsdorf, in Hartmannsdorf-Reichenau und in Lohmen. Dort sind gerade einmal zwischen 4,12 und 4,58 Prozent der Bewohner überschuldet. Auch die Menschen in Liebstadt, Klingenberg und Bannewitz haben statistisch gesehen selten Probleme ihre Zahlungsverpflichtungen zu begleichen.

Wie hat sich die Zahl der Schuldner im Landkreis insgesamt entwickelt?

2018 waren im Landkreis 6,87 Prozent der Bevölkerung überschuldet, 2017 waren es 6,96 Prozent. Damit ist die Überschuldungsquote im Jahresvergleich nahezu gleich geblieben. Betrachtet man den Zehn-Jahres-Vergleich, dann ist die Quote der Überschuldung leicht gestiegen. 2008 lag sie bei 6,39 Prozent. Die deutlichste Verschlechterung bei der Schuldnerquote weist Klingenberg auf. Dort gab es 2018 rund 0,8 Prozent mehr Schuldner als noch 2017. Den positivsten Trend gibt es in Liebstadt. Dort sank die Schuldnerquote innerhalb eines Jahres um rund ein Prozent.

Was sind die häufigsten Gründe, weshalb sich Menschen überschulden?

Das Klischee vom Lebemann, der das Geld mit vollen Händen zum Fenster rauswirft, trifft auch auf den Schuldner im Landkreis zu. „Günstige Ratenzahlungsmöglichkeiten suggerieren den Kunden Zahlungsfähigkeit. Sie binden sie aber teilweise jahrelang. Eine Veränderung der Lebensumstände in dieser Zeit kann dann negative Auswirkungen haben“, sagt Thomas Schulz, der Prokurist von Creditreform.

Viel häufiger aber sind Erkrankungen und Unfälle, aber auch Suchtprobleme Auslöser dafür, dass Menschen ihren Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener finanzieller Kraft bestreiten können. Die Häufigkeit dieser Ursachen stieg deutschlandweit im Vergleich zu 2008 um 44 Prozent an.

Dazu kommt die unwirtschaftliche Haushaltsführung, die als Schuldengrund im Vergleichszeitraum um ein Drittel zunahm. Sie bildet laut Creditreform in vielen Fällen schleichend den Einstieg in eine Überschuldungsspirale. „Niedrige Zinsen haben einen geringeren Sparwillen zur Folge. Sparguthaben werden aufgebraucht, und das Geld wird ausgegeben. Langfristig fehlen somit Rücklagen für unerwartete Ausgaben, was eine Überschuldung zur Folge haben kann“, so Schulz.

Hinzu kommt, dass Wohnen vielerorts nicht mehr preiswert ist. „Gerade in den Städten steigen die Lebenshaltungskosten überproportional zum Einkommen. Mieten und Wohnungsnebenkosten, Lebensmittel und Kleidung werden teurer. Wer dennoch seinen Lebensstandard halten möchte, gerät schnell in die Schuldenfalle“, analysiert der Prokurist.

Welche Personengruppen sind besonders davon betroffen?

Generell sind Schulden Männersache, sie stellen deutschlandweit fast zwei Drittel aller überschuldeten Personen. Allerdings betreffen alle neuen Fälle besonders Frauen. Fast zwei Millionen Frauen zwischen 30 und 39 Jahren stehen in den Miesen. Ältere Frauen werden ihren Lebensunterhalt künftig am schlechtesten bestreiten können. 2018 müssen rund 263 000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden.

Haben die Menschen im Westen mehr oder weniger Schulden?

Während in Sachsen jeder Zehnte über 18 Jahren überschuldet ist, ist es im Landkreis jeder Fünfzehnte. Zum Vergleich: In Dresden kann jeder Elfte seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen, in Leipzig ist es jeder Siebente. Mit der Schuldnerquote liegt Sachsen bundesweit weiter auf dem viertbesten Rang hinter Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen. Allerdings hat sich der Grundtrend umgekehrt: Während die Zahl der Überschuldungsfälle im Osten zurückgeht, steigt sie im Westen weiter an.

Bürgerhilfe Sachsen e.V., Schuldner- und Insolvenzberatung Freital, Dresdner Str. 162, 0351 6521385, [email protected]; www.buergerhilfe-sachsen.de

AWO Schuldner- und Insolvenzberatung, Maxim-Gorki-Straße 15, Pirna 03501 522154, E-Mail: [email protected]; Erstberatungstermine nach Vereinbarung; ohne Termin: Donnerstag 9-12 und 13-16 Uhr;

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.