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So vergesslich sind Badegäste

Jürgen Fischer kann es noch immer nicht verstehen, wie jemand ein Paar Gehhilfen in seinem Dorfhainer Erlebnisbad vergessen konnte. Die scherzhafte SZ-Meldung, die Badeanstalt habe sich wohl in ein Heilbad verwandelt, sorgte für Gesprächsstoff, erzählt der Schwimmmeister.

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Von D. Szabó und J. Stock

Jürgen Fischer kann es noch immer nicht verstehen, wie jemand ein Paar Gehhilfen in seinem Dorfhainer Erlebnisbad vergessen konnte. Die scherzhafte SZ-Meldung, die Badeanstalt habe sich wohl in ein Heilbad verwandelt, sorgte für Gesprächsstoff, erzählt der Schwimmmeister. Abgeholt wurden die Stützen trotzdem nicht. Ähnliches gilt auch für ein halbes Gebiss, das vor zwei Jahren im Becken eines Freitaler Bades gefunden wurde.

Über mehr oder weniger kuriose Fundstücke kann wohl jeder Freibadchef berichten. Auch wenn sich die Gäste im Wasser kühle Köpfe holen – die Vergesslichkeit bleibt. Auch bei Jürgen Fischer in Dorfhain sammeln sich jede Saison genug Utensilien für sein kleines Fundbüro an.Dazu gehören natürlich Badesachen, Handtücher, Bälle, auch Spielzeug, Schuhe, Uhren, Fotoapparate und Schmuck. Letzteren findet Jürgen Fischer bevorzugt in den Becken oder im Filterbeutel des Unterwassersaugers. Fischer, der auch in der Radebeuler Wasserwacht aktiv ist, erzählt, dass in der dortigen Schwimmhalle sogar mal ein Glasauge liegen blieb.

200 Euro in der Umkleide

Wie es zu den Verlusten kommt, kann der Badchef schlecht erklären. Jedenfalls wird besonders viel vergessen, wenn ein Platzregen heran zieht und die Gäste fluchtartig das Feld räumen. Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: Wenn den Gästen die Hitze zusetzt, sind sie geradezu zerstreut. Michael Butze, Badchef in Mohorn-Grund, erinnert sich an einen jungen Mann aus Limbach, der vor zwei Jahren wohl aus diesem Grund sein Portemonnaie in der Umkleide hat liegen lassen. Mit 200 Euro drin. Doch er hatte Glück: Der ehrliche Finder lieferte die Börse bei Butze ab, der sie dem Eigentümer zurückgeben konnte. Butze wundert sich immer wieder darüber, dass im Gegenzug dazu teure (Kinder-)Brillen oft nicht abgeholt werden. Womöglich wissen aber die Eltern nicht, wo sie mit der Suche anfangen sollen.

Zum Fundsachen-Aufkommen in den Becken trägt nach Ansicht des Dorfhainers Jürgen Fischer bei, dass heutzutage viele mit Shorts ins Wasser steigen. Diese Hosen haben Taschen, und aus diesen Taschen rutschen zum Beispiel Münzen oder – unappetitlich – Taschentücher. Geldstücke und Haarspangen können auch für Ärger sorgen, wenn sie länger im Wasser liegen. Sie korrodieren und verursachen hässliche Flecken an den Stahlverkleidungen der Bassins.

Laut Gesetz müssen Fundsachen ein halbes Jahr aufbewahrt werden. Das Abhol-Verhalten ist ganz verschieden, sagt Jürgen Fischer. Nicht immer kommt es dabei auf den Geldwert der Dinge an. „Manchmal ist ein Ohrring aus Plastik wichtiger als der goldene Ehering“, sagt er. Auch nach einer ziemlich teuren Kamera, die gleich in der ersten Dorfhainer Erlebnisbad-Saison liegen blieb, erkundigte sich niemand. In Freital, Pretzschendorf und Mohorn-Grund werden die Gegenstände bis Saisonende ebenfalls aufgehoben. Danach wandert Manches ins Fundbüro, weniger Wertvolles und nicht Persönliches geht auch an soziale Einrichtungen.

Grundstock für die Ausleihe

Eine simple Verwendung hat der Pretzschendorfer Badchef Gundolf Sieber für Schwimmbrillen, die seit ein paar Jahren bei ihm gehäuft liegen bleiben. Meldet sich niemand, um sie abzuholen, werden sie fortan im Bad kostenlos an die Gäste verliehen.

Den wohl besten Service gibt es indes in Mohorn-Grund. Herrenlose Badebekleidung und Handtücher werden von der Frau des Bademeisters gewaschen und bis zu einem Jahr lang aufgehoben –auf dass sie jemand vermisst und doch noch abholt. Erst dann landen die guten Stücke in der Kleiderspende.