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So verlässt ein Messie die Wohnung

In der Mietwohnung von Lothar Firo stapelt sich der Müll. Der ehemalige Bewohner ließ ein Chaos zurück. Kann die Betreuerin helfen?

Nicht nur im Bad stapeln sich in der Mietwohnung von Lothar Firo die Müllsäcke und jede Menge Unrat. Auch die anderen Zimmer hat der ehemalige Mieter so hinterlassen.
Nicht nur im Bad stapeln sich in der Mietwohnung von Lothar Firo die Müllsäcke und jede Menge Unrat. Auch die anderen Zimmer hat der ehemalige Mieter so hinterlassen. © Dietmar Thomas

Lothar Firo aus Waldheim ist verärgert, wenn nicht sogar wütend. In der einzigen Mietwohnung, die Firo in seinem Haus an der Kurzen Straße hat, stapeln sich Unrat und alte Möbel.

Der Mieter, der bis März noch in der 57 Quadratmeter großen Wohnung gelebt hat, ist ausgezogen – und hat eine vermüllte Unterkunft zurückgelassen.

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Wer durch die Eingangstür tritt, bemerkt zuerst den Geruch nach kaltem Zigarettenrauch. Die Wände sind vergilbt. An den Rändern ist zu erkennen, wo einmal Bilder gehangen haben.

Auf dem Fußboden liegen noch die alten, total verdreckten Teppiche. In allen Zimmer stapeln sich Müll- und gelbe Säcke. Alte unbrauchbare Möbel stehen da, eine Eisenbahnplatte, teilweise geöffnete Päckchen mit Knabberzeug, ein Paar rosa Plüschpantoffeln...

Besenrein sieht anders aus

Von besenrein, wie es im Mietvertrag steht, ist die Wohnung weit entfernt, der Vermieter verzweifelt. „Ich mache hier nichts mehr. Ich selber schaffe es nicht, habe auch niemanden, der mir helfen könnte. Und wer soll denn das bezahlen? Die Wohnung kann ich nicht mehr vermieten“, sagt Lothar Firo immer wieder und klingt schon fast resigniert.

Lothar Firo ist überzeugt, dass er die Wohnung im derzeitigen Zustand nicht vermieten kann.
Lothar Firo ist überzeugt, dass er die Wohnung im derzeitigen Zustand nicht vermieten kann. © Dietmar Thomas

Er habe in der Wohnung eine neue Heizung und neue Türen einbauen lassen. Dass sie nun so vermüllt ist, ärgere ihn. 15 Jahre lang habe der Mieter nichts an der Wohnung gemacht, nicht ein einziges Mal sei sie renoviert worden.

Der 73-Jährige ist selber krank, hat sich gerade einer komplizierten Augenoperation unterzogen. Dass er den Bergen von Unrat aus eigener Kraft zu Leibe rücken kann, scheint aussichtslos. „Ich habe aber auch niemanden, der mir helfen könnte“, so der Waldheimer.

Anfangs sei das Verhältnis zu seinem Mieter gut gewesen. „Wenn ich ihn darum gebeten habe, hat er mir immer geholfen“, sagt Lothar Firo. Auch die Miete habe er bis Februar vom Jobcenter immer pünktlich erhalten. Fast jeden Monat habe sich der Mann bei seinem Vermieter Geld geborgt. „Aber das habe ich immer wiederbekommen“, sagt Lothar Firo.

Immer wieder gab es Streit

Zuletzt habe es aber immer wieder Streit gegeben. Lothar Firo gibt zu, dass er des Öfteren sehr laut geworden ist. „Zeitweise waren hier 15 bis 20 Meerschweinchen in der Wohnung“, sagt er. Und auch sonst habe es immer wieder Ärger wegen der Sauberkeit gegeben. Der Mieter habe eine Betreuerin. Die müsse sich nach Ansicht von Lothar Firo nun um die Beräumung der Wohnung kümmern.

Die Schlüssel hat der ehemalige Mieter erst vor wenigen Wochen wortlos in den Briefkasten gesteckt. Erst da offenbarte sich Lothar Firo der Zustand seiner Wohnung, obwohl er schon die ganze Zeit kein gutes Gefühl hatte. „Für vier Monate steht nun außerdem die Miete aus“, so Firo.

Die Betreuerin hat die Wohnung im Auftrag des Mieters Ende Januar gekündigt. Als Grund ist ständiger Streit, Bedrohung und Beleidigungen seitens des Vermieters angegeben. Die Kündigung erfolgte deshalb fristlos.

Der Betreute habe Angst, zurück in das Haus zu gehen und nur das Nötigste in die neue Wohnung mitgenommen, sagt die Betreuerin auf Anfrage.

Beide Männer seien nicht schuldlos an der Situation. „Zuletzt waren die Fronten so verhärtet, dass gar nichts mehr ging“, sagt die Döbelnerin. Deshalb sei der Umzug vom Amt auch bewilligt worden. „Ich habe meinen Betreuten mehrfach darauf angesprochen und gesagt, dass es nicht geht, dass er die Wohnung so verlässt.“

Kleine Vermieter trifft es hart

Gerade kleine Vermieter würde eine derartige Situation hart treffen, ist sich die Betreuerin bewusst. Sie wisse in dem Fall aber auch nicht, wie sie dem Vermieter helfen könne. Möglichkeiten, wie das Beräumen der Wohnung durch eine Firma kämen nicht infrage. „Es ist kein Geld da, womit ich die Handwerker bezahlen könnte“, sagt sie. 

„Selbst wenn Herr Firo den Unrat selbst beseitigt und in Rechnung stellt, kann er mit einer Erstattung nicht rechnen.“ Der Betreute befinde sich in der Privatinsolvenz, „Ich kann dem Vermieter einfach nichts anbieten und stehe mit leeren Händen da.“

Diese Situation sei auch für die Betreuerin unbefriedigend. „Wir brauchen die Vermieter immer wieder und sind da auf einen guten Kontakt angewiesen.“

Fälle, wie der in Waldheim kommen in ihrer Praxis immer wieder vor, „auch wenn dieser besonders schlimm ist.“ Es sei manchmal haarsträubend, wie die Wohnungen durch die Betreuten verlassen würden. „Meistens kann ich noch einschreiten und mit den Betreuten gemeinsam Abhilfe schaffen. In Waldheim sehe ich da keine Lösung. So leid mir das tut.“

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