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So verstehen Sie Ihre Renteninformation

Arbeitnehmer erhalten regelmäßig Post von der Rentenversicherung. Doch die offerierte Summe täuscht. Darauf müssen Sie achten.

Wie hoch wird die Rente ausfallen? Das Schreiben der Rentenversicherung gibt nur eine Prognose an.
Wie hoch wird die Rente ausfallen? Das Schreiben der Rentenversicherung gibt nur eine Prognose an. © 123rf

Wie hoch wird eigentlich meine Rente sein? Diese Frage beschäftigt viele schon lange, bevor das Ende ihres Berufslebens naht. Eine erste Orientierung liefert die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie verschickt jährlich etwa 30 Millionen Briefe – und zwar automatisch an alle, die mindestens 27 Jahre alt sind und bereits fünf Jahre Beitragszeiten auf ihrem Rentenkonto vorweisen können. Das ist die Voraussetzung, um eine gesetzliche Rente zu erhalten.

Die künftige Höhe hängt davon ab, wie viele Beiträge der Beschäftigte und der Arbeitgeber eingezahlt haben. Um später keine böse Überraschung zu erleben, sollten Versicherte den Hinweistext in der Renteninformation aber sehr genau lesen. Denn die genannten Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen und nicht das, was am Ende auch gezahlt wird. Darauf müssen Sie achten:

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Die Regelaltersgrenze

Wann Sie Ihre Regelaltersrente beziehen und damit abschlagsfrei in Rente gehen können, erfahren Sie auf der ersten Seite der Renteninformation. Die Regelaltersgrenze ist Grundlage für die Berechnung. Seit 2012 wird sie schrittweise vom 65. auf das 67. Lebensjahr angehoben. Alle vor 1947 Geborenen können mit 65 Jahren in die Regelaltersrente gehen, alle ab Jahrgang 1964 mit 67:

© Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Erwerbsminderungsrente

Im Kasten auf der ersten Seite der Renteninformation ist die Rente wegen voller Erwerbsminderung zu finden. „Darauf hat ein Versicherter Anspruch, wenn er wegen gesundheitlicher Einschränkungen oder einer Behinderung auf nicht absehbare Zeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann“, sagt Christian Lindner, Rentenberater aus Dresden. Der Betrag gibt die Rentenhöhe an, die jemand erhalten würde, wenn er sofort aus dem Erwerbsleben ausscheiden müsste. Sie errechnet sich nicht nur aus den bereits zurückgelegten Zeiten. Vielmehr wird angenommen, dass der Beschäftigte bis zum Erreichen der geltenden Regelaltersgrenze weiterhin gearbeitet und entsprechend Beiträge eingezahlt hat.

So sieht die Renteninformation aus, die jährlich Auskunft über den Stand der Rente gibt.
So sieht die Renteninformation aus, die jährlich Auskunft über den Stand der Rente gibt. © Montage: SZ-Bildstelle

Der Rentenanspruch

„Der wichtigste Betrag steht in der Mitte des Kästchens auf der ersten Seite: wie viel Geld ich tatsächlich schon auf meinem persönlichen Rentenkonto habe“, sagt Christian Lindner. Oder anders formuliert: Der Betrag gibt die aktuelle Höhe der Altersrente auf der Grundlage der bisher erworbenen Rentenanwartschaften und des geltenden Rentenwerts an – und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn die Regelaltersrente erreicht ist. Liegt dieser in der Ferne, wird die Angabe also relativ niedrig ausfallen.

Die künftige Regelaltersrente

Wie hoch die Altersrente sein könnte, zeigt der dritte Betrag im Kästchen. Die Zahl ist jedoch trügerisch, denn bei der Berechnung geht die Rentenversicherung davon aus, dass der Versicherte weiter so verdienen wird wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre und die entsprechenden Beiträge bis zum Erreichen der Regelaltersrente einzahlt. „Viele gehen aber einige Jahre früher in Rente – mit Abschlägen. Das muss berücksichtigt werden“, so Lindner. „Auch wenn der Versicherte arbeitslos oder arbeitsunfähig wird, ändert sich der angegebene Betrag. Ebenso, wenn statt Vollzeit nur noch Teilzeit gearbeitet wird.“ Weitgehend ausgenommen seien Altersteilzeitbeschäftigungen, sagt Lindner. Erhöhe sich das Gehalt in den nächsten Jahren überdurchschnittlich, steige der Betrag.

Rentenanpassungen

Da eine Vorhersage über künftige Rentenerhöhungen sehr unsicher ist, werden bei den Berechnungen auch keine berücksichtigt. Allerdings werden im Informationsschreiben zwei Varianten vorgerechnet: eine jährliche Anpassung von einem sowie von zwei Prozent. „Diese Werte beruhen allein auf Annahmen der Bundesregierung zur mittel- und langfristigen Lohnentwicklung“, heißt es dazu von der Rentenversicherung.

Abzüge

Bei der in Aussicht gestellten Rente handelt es sich um Bruttowerte. „Davon abgezogen werden müssen aber noch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das sind etwa elf Prozent“, erklärt Lindner.

So wird gerechnet: Die meisten Rentner sind gesetzlich krankenversichert. Der allgemeine Beitragssatz liegt hier bei 14,6 Prozent der Bruttorente. Die Hälfte davon, also 7,3 Prozent, hat der Rentner zu zahlen, die andere Hälfte übernimmt die Rentenversicherung. Auch der Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse individuell festgelegt, wird hälftig getragen. In diesem Jahr liegt er laut Bundesgesundheitsministerium durchschnittlich bei 1,1 Prozent. Außerdem geht von der Rente noch der volle Beitrag zur Pflegeversicherung von derzeit 3,05 Prozent ab. Bei Kinderlosen sind es 0,25 Prozent mehr.

Steuerzahlungen

Für manche Rentner werden noch Steuern fällig. Eine Steuererklärung ist immer dann abzugeben, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Der liegt für das Jahr 2020 bei 9.408 Euro für Alleinstehende und 18.816 Euro für Verheiratete. Weil neben der Rente weitere Einkünfte dazuzählen, etwa Zinserträge sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, kann nicht pauschal gesagt werden, wer am Ende wie viel Steuern abführen muss. Zudem bedeutet die Abgabe einer Steuererklärung nicht automatisch, dass Steuern zu zahlen sind. Durch den Abzug von Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen können Rentner ihre Steuerlast senken.

Rutschen Rentner in die Steuerpflicht, ist die Höhe der Abzüge abhängig vom Jahr des Rentenbeginns. Dabei steigt der steuerpflichtige Anteil stufenweise. Wer 2005 oder früher in Rente gegangen ist, bekommt noch die Hälfte seiner Rente steuerfrei. Wer 2020 in den Ruhestand geht, erhält schon nur noch 20 Prozent seiner Rente steuerfrei. Ab dem Jahr 2040 unterliegen alle Rentenzahlungen der Steuerpflicht. Zudem sind die jährlichen Erhöhungen zu 100 Prozent steuerpflichtig.

Entgeltpunkte

Um die Rentenhöhe zu berechnen, nutzt die Rentenversicherung sogenannte Entgeltpunkte. Diese erwirbt der Versicherte während seiner Erwerbstätigkeit durch Pflichtbeiträge, freiwillige Beiträge oder Zeiten ohne eigene Beitragszahlungen wie etwa Kindererziehung. Eine persönliche Übersicht ist auf der zweiten Seite der Renteninformation zu finden. Ein Entgeltpunkt entspricht aktuell in den neuen Bundesländern einem Rentenwert von 33,23 Euro, in den alten 34,19 Euro.

„Wer ein Jahr lang genauso viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer, erhält genau einen Rentenpunkt. In diesem Jahr liegt der Durchschnitt bei 40.551 Euro. Bei einem höheren oder geringeren Verdienst gibt es entsprechend mehr oder weniger Punkte“, sagt Rentenexperte Lindner. Bei einem Jahresverdienst beispielsweise von 20.000 Euro entspricht das 0,4932 Punkten. Wer 60.000 Euro verdient, erhält dagegen 1,4796 Punkte.

Diese Punkte werden für die Rentenberechnung mit dem Rentenwert multipliziert. Bei einer Beschäftigung im Osten Deutschlands wird der persönliche Verdienst vor der Teilung durch den Durchschnittsverdienst noch mit einem Faktor von derzeit 1,07 hochgewertet.

Verbindlichere Informationen

Deutlich ausführlichere Informationen enthält die Rentenauskunft. Sie wird an alle verschickt, die das 55. Lebensjahr erreicht haben, kann aber schon vorher beantragt werden. „Neben einer Kurzberechnung der Rente anhand der Entgeltpunkte steht in der Rentenauskunft der persönliche Versichertenverlauf, das heißt eine Übersicht über alle zu berücksichtigenden Beitragszeiten in der Vergangenheit“, sagt Lindner. Außerdem werden verschiedene Formen der Altersrenten erklärt, die der Versicherte in Anspruch nehmen kann, welche Wartezeiten er dafür bereits erfüllt hat und in welchem Fall Abschläge in Kauf zu nehmen wären.

Den verbindlichen Rentenbescheid erhalten Versicherte erst, wenn sie einen Rentenantrag stellen. Das sollte etwa drei bis vier Monate vor dem geplanten Rentenbeginn passieren. Allerdings: „Wie genau sich die Entgeltpunkte für Beitragszeiten, beitragsfreie Zeiten und sogenannte beitragsgeminderte Zeiten zusammensetzen, erfahre ich darin nicht“, sagt Lindner. Er empfiehlt deshalb, Widerspruch gegen den Rentenbescheid einzulegen und die entsprechende Anlage nachzufordern und zu überprüfen.

Arbeiten bis 67? Das möchten die wenigsten. Wann ein früherer Berufsausstieg möglich ist und welche Einbußen bei der Rente dafür hingenommen werden müssen, lesen Sie in Teil zwei der Serie am nächsten Sonnabend.

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  • Ein vollständiges Versicherungskonto ist die Grundlage für die korrekte Berechnung der Rente. Damit die Daten dem richtigen Konto zugeordnet werden können, erhält jeder eine individuelle Versicherungsnummer. Gerade für Menschen, die nur kurz gearbeitet haben, ist jeder Monat wichtig. Denn unter Umständen geht es darum, ob überhaupt ein Anspruch auf eine gesetzliche Rente besteht. Welche Daten bereits erfasst sind, steht im Versicherungsverlauf der Rentenversicherung.

  • Wer Lücken oder Fehler in seinem Versicherungsverlauf entdeckt, sollte einen Antrag auf Kontenklärung stellen und Bescheinigungen als Nachweis einreichen. Welche Zeiten für die Rente berücksichtigt werden, lesen Sie im zweiten Teil der Serie am nächsten Sonnabend.

  • Versicherte können sich jederzeit ihren Versicherungsverlauf zuschicken lassen oder ihn online beantragen. Zuständig ist für Sachsen die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Georg-Schumann-Straße 146 in 04159 Leipzig. Auskunfts- und Beratungsstellen gibt es unter anderem in Dresden, Freiberg, Chemnitz und Annaberg-Buchholz. Kostenfreies Servicetelefon unter 0800/100048090 (Mo-Do 7.30-19.30 Uhr, Fr 7.30-15.30 Uhr).

www.deutsche-rentenversicherung.de

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