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So viel Geld für Neubauten wie noch nie

Sachsens Wohnungsgenossenschaften haben steigende Investitionen geplant. Allerdings zahlen manche Mieter zurzeit nicht.

Die WBG Oberland Neugersdorf eG baut den Wohnpark Spreequelle mit 26 Apartments mit Integration einer ambulanten Pflege- und Betreuungsstation und Quartierscafé.
Die WBG Oberland Neugersdorf eG baut den Wohnpark Spreequelle mit 26 Apartments mit Integration einer ambulanten Pflege- und Betreuungsstation und Quartierscafé. © Matthias Weber

Dresden. Wenn im Sommer die 26 Appartements im Neugersdorfer Wohnpark Spreequelle fertig sind, dann ist das nur ein kleiner Teil des großen Neubauprogramms der sächsischen Wohnungsgenossenschaften für dieses Jahr. Rekord-Investitionen in Höhe von 96 Millionen Euro allein für Neubauten sind für dieses Jahr geplant, berichtet Mirjam Luserke, Vorstand des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG).

In Dresden sagte sie am Montag bei einer Video-Pressekonferenz, zu dem Wohnpark in Neugersdorf gehöre auch eine Station für ambulante Pflege. Zugleich baut die Genossenschaft Lebensräume Hoyerswerda eine „Familienwohnanlage Cocoon Living“, die mit Klimaanlage und Fußbodenheizung ausgestattet wird. Allerdings wurden an den beiden Bauplätzen in der Oberlausitz zuvor vorhandene Wohnblocks abgerissen.

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Neubau sei oft günstiger und attraktiver zu gestalten als Umbau, sagte Luserke. Verzögerungen durch Corona gebe es bei den Neubauten bisher kaum, während Innensanierungen den Bewohnern derzeit kaum zuzumuten seien und daher oft verschoben wurden. Wenn die Corona-Krise allerdings über längere Zeit die Einkünfte der Mieter drückt, dann werden das auch die Genossenschaften zu spüren bekommen. Im Mai haben etwa 700 ihrer Mieter in Sachsen nicht gezahlt, müssen aber dank der Pandemie-Verordnung bis Ende Juni nicht mit einer Kündigung rechnen. 

Luserke rechnet damit, dass diese Miet-Stundung bis Ende September verlängert wird. Noch gehe es dabei nur um ein Viertelprozent der Miet-Einnahmen, doch die Unternehmen halten vier bis fünf Prozent Ausfall für möglich und fordern daher einen „Sicher-Wohnen-Fonds Sachsen“ vom Land. „Im Moment schreien alle nach Geld“, weiß freilich auch die Chefin dieses Verbandes. Ein kleiner Teil ihrer Mieter sind Gewerbetreibende, zum Beispiel Blumenhändler im Wohnquartier. Von ihnen blieben sechs Prozent in der Corona-Krise zunächst die Miete schuldig.

Zuschüsse möchten die Genossenschaften auch für den künftigen Abriss von leerstehenden Wohnungen. Zwar wurden voriges Jahr erstmals in Sachsen mehr neue gebaut als abgerissen. 431 Wohnungen wurden fertig, 248 fielen. Doch das sei „keine Trendwende“, sagte Verbandsreferent Sven Winkler. In diesem Jahr sollen zwar 499 neue Wohnungen fertig werden, doch der Abriss von Altbauten kann laut Verband in den nächsten Jahren auch wieder zunehmen. 

Denn der Leerstand wächst in einigen ländlichen Regionen wieder. 8,4 Prozent der fast 300.000 Wohnungen im Einflussbereich des Verbandes stehen leer – mit großen Stadt-Land-Unterschieden. Für seine Dresdner Wohnungen meldet der Verband 2,3 Prozent Leerstand. Auch mit der Umgebung ist Winkler zufrieden „dank guter S-Bahn-Verbindungen nach Heidenau und Pirna“. Doch in Chemnitz ist der Leerstand 2019 um 0,8 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent gestiegen, im Kreis Görlitz sind es 10,9 Prozent – das sind dort 1.879 leere Wohnungen. 

Die „Schere zwischen Stadt und Land“ gehe immer weiter auseinander. Dabei setzt sich der Verband seit Jahren dafür ein, kleinere Orte attraktiver zu machen, mit Neubauten, guten Verkehrs- und Internetverbindungen. Mehr als 34.000 alte Genossenschaftswohnungen wurden seit der Wende „vom Markt genommen“.

Hoffnung liegt auf jungen Familien

Für den Abriss bekamen die Genossenschaften zuletzt 120 Euro statt früher 70 Euro Zuschuss pro Quadratmeter aus der Städtebauförderung von Bund und Land. Winkler sagte, das Geld gebe es aber nicht in jedem Ort, daher hoffe er auf neue Förderung aus einem „Landesrückbauprogramm“. Laut Frank Meyer, Sprecher im Landesministerium für Regionalentwicklung, soll im nächsten Doppelhaushalt möglichst wieder Geld dafür bereitgestellt werden. Die Rede ist von rund drei Millionen Euro pro Jahr.

Die Mieten sind auch bei den Genossenschaften voriges Jahr gestiegen, allerdings nach Rechnung des Verbandes im Durchschnitt nur um neun Cent pro Quadratmeter auf 4,99 Euro kalt. Freilich sind das die „Bestandsmieten“, nicht die Angebote für neue Mieter. Doch auch die liegen zumindest außerhalb der drei großen Städte kaum höher: 5,15 Euro Kaltmiete sind auf dem Land der Durchschnitt. 

Für Neubauten in guter Lage in Dresden und Leipzig verlangen aber auch Genossenschaften rund zehn Euro, das sei „die Schallgrenze“ für Sachsen. Luserke sagte wie ihr Vorgänger Axel Viehweger, in Sachsen gebe es keinen besonders angespannten Wohnungsmarkt, und lehnte eine staatliche Deckelung der Mieten ab. Für 2020 planen die Wohnungsgenossenschaften Investitionen von 579 Millionen Euro. 

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Das wären 66 Millionen mehr als 2019, allerdings vor Corona geplant. Steigen sollen vor allem die Ausgaben für Aufzüge und andere Modernisierungen: Grundrissanpassungen, Schwellenentfernungen, Badmodernisierung. Die Genossen hoffen auf junge Familien, die meisten ihrer Mieter sind Rentner.

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