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So viel Gewerbesteuern wie noch nie

Die Gemeinde Nünchritz bestätigt Rekordeinnahmen. Sie liegen zwar schon Jahre zurück. Aber jetzt sind sie immens wertvoll.

Von Jörg Richter
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Geld im Überfluss - das wünschen sich viele Gemeinden. Aber nur wenige haben so einen großen Gewerbesteuerzahler wie Nünchritz mit dem Wacker-Chemiewerk.
Geld im Überfluss - das wünschen sich viele Gemeinden. Aber nur wenige haben so einen großen Gewerbesteuerzahler wie Nünchritz mit dem Wacker-Chemiewerk. ©  dpa / Symbolbild

Nünchritz. Der Gemeinderat hat in seiner ersten Sitzung am Montag den Jahresabschluss für 2015 bestätigt. Er war im vergangenen November geprüft worden. Kämmerin Martina Schieritz präsentierte dabei Zahlen, die manchen der neuen Ratsmitglieder aufhorchen ließen. 

Danach hatte die Gemeinde Nünchritz im Jahr 2015 mehr als 18 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. "Das waren 13,7 Millionen über den Plan", so die Kämmerin. In einen normalen Jahr rechnet Nünchritz mit etwa fünf Millionen Euro Gewerbesteuern. Sie kommen hauptsächlich vom ortsansässigen Wacker-Chemiewerk.

"2015 war finanziell das beste Jahr für uns", sagt Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Mehr als acht Millionen Euro konnten in die Rücklage aufgenommen werden. Allerdings musste Nünchritz als so genannte "reiche Gemeinde" 50 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen nach dem Solidarprinzip abgeben, damit ärmere Kommunen, die nicht so einen großen Steuerzahler haben, auch etwas davon haben. 

Mittlerweile ist der Anteil "Reichensteuer" von 50 auf 40 Prozent gesenkt worden und Nünchritz nicht mehr so reich wie einst. Der Wacker-Konzern hatte im vergangenen Herbst seine Gewinnerwartung deutlich minimieren müssen. Fest eingeplante Gewerbesteuern blieben aus. 

Nünchritz muss in diesem Jahr sparen. "Da ist es gut, dass wir unsere Rücklagen in den vergangenen Jahren nicht aufgebraucht haben", so Barthold. "Wir hätten das Geld überall reinstecken können, aber dann wäre wir jetzt pleite." Er sei den Gemeinderäten dankbar, dass sie immer die Finanzpolitik der Gemeindeverwaltung mitgetragen haben.

Das Chemiewerk von Wacker liegt in Nünchritz direkt an der Elbe.
Das Chemiewerk von Wacker liegt in Nünchritz direkt an der Elbe. ©  Archiv/Sebastian Schultz

Warum vor fünf Jahren die Gewerbesteuereinnahmen explodierten, darauf hat der Nünchritzer Bürgermeister keine Antwort. Nach SZ-Recherchen geht aus der damaligen Bilanz des Wacker-Konzerns hervor, dass er im Geschäftsjahr 2015 seinen Umsatz deutlich steigern und erstmals die Fünf-Milliarden-Euro-Marke überspringen konnte. 

"Der Umsatz erhöhte sich auf Grund der guten Kundennachfrage, aber auch dank positiver Währungskurseffekte um knapp zehn Prozent", heißt es im Geschäftsbericht. "Alle Geschäftsbereiche konnten höhere Mengen absetzen und ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern." Wackers Jahresergebnis 2015 belief sich auf 241,8 Millionen Euro und war im Vergleich zum Vorjahr (195,4 Millionen Euro) deutlich höher.

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