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Ist Dresden eine Stadt der Autofahrer?

Immer mehr Pkw fahren durch Dresden. Das zeigen neue Zahlen. Was macht das mit der Umwelt? Und folgen Fahrräder dieser Entwicklung?

Dem VW-Skandal zum Trotz verkaufen sich Diesel-Autos in Dresden immer noch recht gut.
Dem VW-Skandal zum Trotz verkaufen sich Diesel-Autos in Dresden immer noch recht gut. © Rene Meinig (Symbolbild)

Dresden. Nervige Staus auf dem Weg zur Arbeit, lästiges Parkplatzsuchen vor der Wohnung und hohe Spritpreise an der Tankstelle: Es gibt viele Gründe, in Großstädten lieber mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu fahren. Dennoch werden immer mehr Autos in Dresden zugelassen. Die Zahl der Pkw steigt sogar schneller als die Zahl der Einwohner, wie neue Daten der Stadtverwaltung zeigen.

Wie viele Dresdner haben ein Auto?

Aktuell gibt es in der sächsischen Landeshauptstadt genau 228.419 angemeldete Autos. Das sind knapp 22.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Mehr Einwohner, mehr Autos - logisch, könnte man sagen. Tatsächlich legt das Pkw-Wachstum aber vor: Rein rechnerisch kommen auf 1.000 Dresdner mittlerweile 406 Autos. Damit besitzt fast jeder Zweite einen Pkw. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 367 Autos pro 1.000 Einwohner. Mit diesem Wachstum falle Dresden aus dem sächsischen Rahmen und bewege sich eher auf gesamtdeutschem Niveau, schätzt Cornel Maeßus von der Kommunalen Statistikstelle ein.

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Kaufen sich die Dresdner immer noch Diesel-Autos?

Der VW-Dieselskandal, Diesel-Fahrverbot in mehreren deutschen Städten, Kaufprämien für Benziner: Hat das alles die Dresdner beim Autokauf beeinflusst? Wenn ja, dann nur für kurze Zeit. Ging die Zahl der neu zugelassenen Diesel-Autos im Jahr 2018 etwas zurück, fuhren letztes Jahr schon wieder mehr davon durch die Stadt. 

Aktuell sind reichlich 64.000 Diesel-Autos in Dresden angemeldet – plus 20.000 seit 2010. Dem stehen knapp 160.000 Benziner gegenüber. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren so gut wie gar nicht verändert. Aber nicht nur in Dresden, in ganz Sachsen und Deutschland hätten die Diesel-Pkw-Bestände deutlich zugelegt, so Maeßus.

Wirkt sich das auf die Luftqualität aus?

Um das zu beurteilen, muss man sich die Werte für Stickstoffdioxid und Feinstaub genauer anschauen. Gemessen werden diese an drei Stationen in Dresden – an der Bergstraße, hinter dem Hauptbahnhof und am Schlesischen Platz vor dem Neustädter Bahnhof. Das Ergebnis: Die durchschnittlichen Stickstoffdioxid-Konzentrationen haben an allen drei Stationen abgenommen. Die Jahresgrenzwerte werden überall eingehalten. Dasselbe gilt für Feinstaub. Wie kann das sein? 

An der Bergstraße in Dresden wird nicht nur die Luft gemessen, sondern auch geblitzt. Beides hängt miteinander zusammen.
An der Bergstraße in Dresden wird nicht nur die Luft gemessen, sondern auch geblitzt. Beides hängt miteinander zusammen. © Archiv: Sven Ellger

Zum einen wird auch bei Diesel-Fahrzeugen kontinuierlich an den Abgasfiltern gearbeitet. Zum anderen hat Dresden mit seinen Luftreinhalteplänen verschiedenste Maßnahmen erlassen, um die Luftqualität zu verbessern. Dazu gehört zum Beispiel der Blitzer an der Bergstraße, der Autofahrer dazu zwingen soll, das Tempo-50-Limit einzuhalten und damit bergauf nicht übermäßig hoch Schadstoffe auszustoßen. Einfluss auf die Messwerte hat außerdem das Wetter. Viel Wind und Regen begünstigen grundsätzlich niedrigere Konzentrationen von Stickstoffdioxid und Feinstaub in der Luft. 

Zu guter Letzt bedeutet eine hohe Anzahl an zugelassenen Pkw nicht, dass diese auch für alle möglichen Wege genutzt werden. Für diese Annahme spricht zum Beispiel, dass das Stauaufkommen im vergangenen Jahr nicht höher geworden ist. Das zeigen die von Tomtom gesammelten Echtzeit-Verkehrsdaten. Demnach waren Autofahrer im Schnitt 25 Prozent länger unterwegs, als sie gebraucht hätten, wären die Straßen frei gewesen. Das war ein Prozent weniger als 2018. Außerdem steigen die Passagierzahlen in Bussen, Straßenbahnen und S-Bahnen von Jahr zu Jahr. 

Und wie sieht es mit Elektroautos aus?

Überall entstehen Ladesäulen. Im Frühjahr waren es in Dresden bereits 254. Doch der Anteil von Elektrofahrzeugen bleibt gering. Anfang des Jahres waren es 629, das entspricht 0,3 Prozent von allen Pkw in Dresden. Viele davon gehören der Stadt beziehungsweise kommunalen Unternehmen oder sind Firmenwagen. Allerdings hat sich die Zahl der E-Autos seit 2017 verdoppelt. Eine nicht unerhebliche Rate, sagt Maeßus. Außerdem seien ein Drittel aller sächsischen Elektroautos in Dresden gemeldet. Die Landeshauptstadt ist also so etwas wie ein Leuchtturm in der Elektromobilität - zumindest im Freistaat. 

Hinzu kommen zahlreiche Hybridfahrzeuge, also Autos, die zum Beispiel über einen Verbrennungsmotor und Strom angetrieben werden. Davon gibt es inzwischen mehr als 3.600 in der Stadt, fast doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. „Fakt ist, dass alternative Energiequellenarten in Pkw in den letzten Jahren stark und stetig zugenommen haben und sich dieser Verlauf auch auf die städtische Infrastruktur auswirkt“, so der Statistik-Experte.

Ist Dresden also eine Stadt der Autofahrer?

Auf diese Idee könnte man zwar kommen, wenn man sich nur die zugelassenen Pkw anschaut. Tatsächlich nimmt aber auch die Zahl der Fahrräder in Dresden zu. So kommen inzwischen 880 Räder auf 1.000 Einwohner – Tendenz steigend. Darüber hinaus werden so viele Wege mit dem Rad zurückgelegt wie seit Jahrzehnten nicht. Rund 18 Prozent waren es 2018, wie aus der repräsentativen Mobilitätsumfrage der TU Dresden, der Stadtverwaltung und der Dresdner Verkehrsbetriebe hervorgeht. Das Einkommen spielt dabei übrigens keine Rolle. Sowohl Gut- als auch Geringverdiener steigen regelmäßig aufs Rad. Die Corona-Krise soll diese Entwicklung noch verstärkt haben und zu einem regelrechten Fahrrad-Boom geführt haben.

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Ein weiterer wichtiger Fakt dieser Studie: Zwar besitzen immer mehr Haushalte ein Auto, sie nutzen es aber weniger. Im Schnitt werden „nur“ noch 12.100 Kilometer im Jahr mit dem eigenen Auto oder den eigenen Autos gefahren. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 13.700 Kilometer. „Besitzen und Benutzen folgen entgegengesetzten Trends“, so die Stadt.

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